Review

Dinner für immer


Die Schönen und Reichen treffen sich zu einem illustren Abendessen. Doch schon als sich die Bediensteten frühzeitig aus dem Staub machen und die restlichen Leute aus guten Häusern aus seltsamsten Gründen das Gebäude nicht verlassen können, deutet sich an, dass hier etwas ganz und gar nicht nach Plan läuft… 

Der ultimative Lockdown

Wow! Luis Bunuel! Was der spanische Surrealist hier in komplexen, kompetenten wie konzentrierten 90 Minuten abreißt, andeutet und aufzieht, muss man erstmal sacken lassen. Das ist frech. Das ist kreativ. Das ist gewagt gegen die Oberschicht geschossen. Und sicher auch aus eigener Erfahrung gesprochen, da Bunuel als riesiger Kunststar ja selbst sicher schon lange nicht mehr mit ärmlicher Begleitung unterwegs war. Das Ende ist bitterböse, die träumerische Atmosphäre creept unter die Haut, man schwankt immer zwischen Lachen und Unbehagen. Alles ist clever und stichelnd geschrieben. Jeder kann seine eigenen Schlüsse zu Aussagen und Kritik ziehen, ohne dass es je so wirkt, als würde der Film sich aus der Affäre ziehen bzw. Angst haben selbst Stellung zu nehmen. Ein Kammerspiel, ein Kritikengel mit Würgegriff, ein Kreativstreich, filmisches Tafel- und Tadelsilber. Mehr als nur ein Warnschuss für die „Elite“. 

Fazit: das Ende der Welt… oder nur der Oberschicht? Luis Bunuel gelingt mit „Der Würgeengel“ ein surreales Sittengemälde zwischen Bourgeoisie, Balztanz und Bitternis. Viele Fragen, viele Figuren, wenig Antworten. Aber für jeden Beobachter menschlicher Makel und Unsicherheiten eine Sternstunde. Twilight Zone ohne Mainstreamappeal. Kurz, knapp, knackig. Und verdammt clever! 

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