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Ray Milland spielt einen, nun mittellosen, ehemaligen Tennisspieler, der erfährt, dass seine, wesentlich wohlhabendere Ehefrau, gespielt von Grace Kelley, fremdgeht. Nun plant er, diese ermorden zu lassen, wofür er einen Bekannten erpresst, der seine Frau töten soll, während er sich selbst ein Alibi verschafft. Als seine Frau dann jedoch den engagierten Killer in Notwehr tötet, muss er schließlich umdisponieren.

"Bei Anruf Mord" entstand unmittelbar vor Hitchcocks Meisterwerk "Das Fenster zum Hof", lag zwischen "Der Mann, der zuviel wusste" und "Cocktail für eine Leiche" stammt also aus den besten Zeiten des Altmeisters und ist ebenfalls einer seiner überaus gelungenen Krimi-Klassiker, den man sich auch heute, 55 Jahre später, noch gut ansehen kann.

Hitchcock lässt seinen Film, in dem er die Anzahl der Hauptfiguren sehr gering hält, zum Großteil in einem einzigen Raum spielen und zieht den Krimi folgerichtig als spannendes Kammerspiel auf. Dabei steigert er das Tempo, das anfangs recht gering gehalten wird, zum Ende hin immer weiter und erhöht die Spannung bis zum Finale. Der Spannungsbogen der daraus resultiert ist absolut mustergültig, auch wenn der Film vielleicht ein bisschen zu langsam anläuft. Die Atmosphäre des Kammerspiels ist mitunter fühlbar dicht, zum einen wegen der hervorragend ausgeklügelten Story, deren Wendungen von Hitchcock perfekt getimt werden, zum anderen, wegen der gespannten, zu jedem Zeitpunkt überzeugend eingesetzten Filmmusik, die die Spannung ebenfalls immer weiter steigert.

Ebenfalls beachtlich gut ist die Story. Der eigentliche Plot ist dabei relativ simpel, wenn auch nicht kalkulierbar, gestrickt, wesentlich genialer ist das, was aus diesem herausgeholt wird. Die verschiedenen Figuren, die sich im Raum immer wieder über die Planung, bzw. die Auflösung des Mordes unterhalten, konstruieren den Fall immer wieder anders durch. Die verschiedenen Betrachtungsweisen der Geschehnisse werden hervorragend variiert und die Spannung gesteigert, da es, relativ typisch für Hitchcockfilme, zwischenzeitlich eine Unschuldige ist, die für die Tat bestraft werden könnten. Die Dialoge, von denen der Film damit über weite Strecken lebt, sind geschliffen und präzise, langweilen damit zu keinem Zeitpunkt und treiben das Kammerspiel immer weiter voran. Ganz so spektakulär und inszenatorisch innovativ wie "Psycho" oder "Das Fenster zum Hof" ist dieser Krimi-Klassiker des Altmeisters damit zwar nicht unbedingt, aber eines seiner besten Werke ist er dennoch.

Natürlich benötigt gerade eine derartiges, dialogreiches Kammerspiel gute Darsteller, die ihren Teil zum Gelingen des Films beitragen, aber die hat Hitchcock definitiv. Ray Milland ist als mittelloser Ehemann, der seine Frau erst töten lassen will und dann zusieht, wie sie zu Unrecht verurteilt wird, sehr unsympathisch und verschlagen, womit er seiner Aufgabe durchaus gerecht wird. Grace Kelley, die hier erstmals unter der Regie von Hitchcock spielte, unter der sie später unter Anderem in "Das Fenster zum Hof" und "Über den Dächern von Nizza" zu sehen sein sollte, spielt die Rolle der geschockten und zu Unrecht verurteilten Ehefrau rundum überzeugend und erregt das Mitleid des Zuschauers. Auch die übrigen Darsteller leisten gute Arbeit, besonders John Williams als Inspektor.

Fazit:
"Bei Anruf Mord" ist ein spannendes Kammerspiel, das mit seiner makellosen Inszenierung, dem starken Cast und den ausgeklügelten Dialogen und Details über den Tathergang auch heute noch gute Unterhaltung bietet. Einer der besten Hitchcock-Krimis.

79%

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