Die Erde war dem Untergang geweiht. Und die Delphine wussten es. Vergeblich haben sie versucht, uns mit akrobatischen Luftsprüngen, die wir für einen Ausdruck der Freude hielten - oder zumindest für ein unterhaltsames Showprogramm -, zu warnen. Aber wir erkannten nicht die Botschaften der Delphine, der zweitintelligentesten Spezies dieses Planeten, und ahnten nicht das herannahende Unheil: Unzählige Raumschiffe der vogonischen Bauflotte hatten Mutter Erde umzingelt, dann folgte die Sprengung und unsere Heimat existierte nicht mehr - denn sie war ein Hindernis für den Bau einer intergalaktischen Umgehungsstraße. So schnell kann es gehen.
Aber keine Panik, die fiktive Zerstörung der Erde musste sein, um den vermeintlich einzigen überlebenden Menschen Arthur Dent zusammen mit seinem Freund Ford Prefect, der ihm in den letzten Lebensminuten des blauen Planeten noch seine außerirdische Herkunft offenbarte, in "Per Anhalter durch die Galaxis" auf eine Irrfahrt durch den Weltraum zu schicken. Für Douglas Adams, den Schöpfer der gleichnamigen Romanvorlage, ist dieses Werk ein unerfüllter Traum, ein Film, dessen Fertigstellung der 2001 überraschend verstorbene Autor nicht mehr miterlebte. Aber bestimmt hätte ihm diese Verfilmung gefallen. Das Drehbuch, an dem er selbst noch zu schreiben begann, konnte zwar nicht durch ihn vollendet werden, doch was unter der Regie von Garth Jennings nun letztendlich auf die Beine gestellt wurde, trägt sicherlich noch den Geist Adams'.
Zumindest ist "Per Anhalter durch die Galaxis" keine herkömmliche Komödie geworden. Wenn überhaupt man hier auf Konventionen trifft, dann ist das zuweilen nur eine kleine überflüssige, etwas unmotivierte und neu hinzugefügte Liebesgeschichte zwischen Arthur Dent und der anziehenden Trillian. Ansonsten aber gibt der gebotene Kosmos viele Eigentümlichkeiten her, die bereits mit der Sprengung der Erde beginnen und sich auf einem vogonischen Raumschiff fortsetzen, auf das sich Arthur und Ford zunächst als blinde Passagiere retten können. Die Vogonen, diese dickbäuchigen, riesenhaften und hässlichen Inbegriffe von Bürokraten, versuchen sich gerne als Poeten. Ihre Dichtkunst ist allerdings grausig und eigentlich eine verbale Folter, die Arthurs und Fords Gehirnwindungen dazu bewegt, sich reflexartig zusammenzuziehen. Und da die beiden die Intentionen der Lyrik anscheinend nicht verstanden haben, fliegen sie auch kurzerhand wieder von Bord und werden in das Vakuum des Weltraumes geschleudert, in dem es sich angeblich etwa eine halbe Minute überleben lässt.
Obwohl die Wahrscheinlichkeit, in dieser kurzen Zeit von einem zufällig vorbeikommenden Raumschiff aufgenommen zu werden, verschwindend gering ist, machen Arthur und Ford der Unwahrscheinlichkeit einen Strich durch die Rechnung und finden auf einem anderen Raumgefährt Obdach. Dort wird Bekanntschaft gemacht mit dem schrillen Präsidenten der Galaxis Zaphod Beeblebrox, unter dessen Hals sich ein zweiter Kopf befindet und zur Geltung kommt, wenn er seinen augenscheinlich einzigen nach hinten wegklappen lässt. Aber auch die bereits erwähnte Trillian und der manisch depressive Roboter Marvin gehören zur "Herz aus Gold"-Besatzung. In dieser Zusammensetzung gewinnt der verschrobene Trip erst richtig an Fahrt und die Truppe irrt suchend nach der wichtigsten Frage des Universums, deren Antwort auf jeden Fall "42" lautet, durch die fremdartigsten Umgebungen der Galaxie.
Dass sich das ganze Abenteuer letztlich nur auf ein recht simples Plotgerüst stützt, lässt sich nun zwar nicht verhehlen, dafür aber wurde es gewiss außergewöhnlich eigenwillig ausgeschmückt. Die Ideen, mitunter eine kurzfristige Verwandlung der Crew und des Raumschiffinneren in Puppengestalt infolge des unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrives, einer Hypergeschwindigkeit, oder übergroße, aus dem Boden eines befremdlichen Planeten schießende Fliegenklatschen, die jedem Denkenden einen Schlag ins Gesicht verpassen, wissen zu gefallen und strotzen nur so vor Skurrilität. Wenngleich auch nicht jeder Gag zündet, vermag der Humor allgemein trotzdem zu überzeugen. Die Jünger des Kultbuches dürfen sich vor allem auf einige Details wie den Babelfisch oder den Pangalaktischen Donnergurgler freuen. Ein ums andere Mal hören und sehen wir - visuell herrlich einfach in Strichanimationen veranschaulicht - auch Weisheiten aus dem Reisführer "Per Anhalter durch die Galaxis", die aus dem Off erzählt werden, so rasend schnell, dass deren eigene Logik für Buchunkundige allerdings schwerlich nachzuvollziehen ist.
Für die Visualisierung des verrückten Universums legte man sich wahrlich sehr ins Zeug und präsentiert eine harmonische Mischung aus altem, greifbarem Handwerk und neuester, keinesfalls überladener Computertechnik. Für die Darstellung der Figuren fiel die Wahl der Schauspieler ebenfalls allgemein ansprechend aus. Mos Def gefällt als Ford Prefect ebenso wie Sam Rockwell als verdrehter Zaphod Beeblebrox. Zooey Deschanel gibt sich in der Rolle der Trillian solide und Martin Freeman spielt im Bademantel den Durchschnittstypen Arthur Dent wirklich unscheinbar, vielleicht ein wenig zu unscheinbar. Ein heimlicher Star ist freilich Roboter Marvin, der köstlich seine bemitleidenswerten Depressionen auslebt.
Im Gegensatz zu Marvin gibt es für den Zuschauer allerdings keinen Anlass, in Depressionen zu verfallen, denn "Per Anhalter durch die Galaxis" versprüht Charme und ist ein Erlebnis, wenn auch ein konfuses, das mit ungewöhnlichem, britischem Humor auftrumpft, der oft eine Sache für sich ist. Und gerade dass der Film komödiantisch durchaus eine Alternative zum Hollywood-Klamauk ist, macht ihn besonders sehenswert. Bei einer Verfilmung einer Literaturvorlage ist es indes immer kaum vermeidlich, auf Abweichungen, Kompromisse und zum Teil neu Erdachtes zu verzichten - so auch hier; dennoch sollte der Kinobesuch für die eingeschworene Fangemeinde der "Trilogie in fünf Bänden" so selbstverständlich sein wie das Handtuch über der Schulter eines jeden, der per Anhalter durch die Galaxis reist.