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Ganz klar kann gesagt werden, daß Johnnie To Ende des letzten Jahrtausends auf dem (ersten) Zenit seiner bisherigen Schaffensperiode war. Er produzierte und führte das Regiezepter bei einigen der düsternsten Perlen der jüngeren Hongkongfilmgeschichte. Sei es nun - wenn wir uns nur auf die letzten beiden Jahre beschränken - A HERO NEVER DIES, EXPECT THE UNEXPECTED, THE LONGEST NIGHT, THE MISSION oder der kongeniale RUNNING OUT OF TIME. Ohne diese Filme wär das HK-Kino nicht so einnehmend, so sogbildend, wie es damals war und heute wieder werden will. Fast schon ein wenig abfallend im 99er Output kommt da WHERE A GOOD MAN GOES daher. Wohlgemerkt abfallend zu obigen Klassikern, aber keineswegs im Vergleich zu einem "normalen" Film. Eigentlich ist WAGMG eine kleine Geschichte. Eine Liebesgeschichte. Mit dem heimlichen Star Ruby Wong. Diese spielt so voller Ehre, Mitgefühl und Anmut, daß dagegen Herr Lau wie der tölpelige Ex-Triade herüberkommt, den er ja im Film darstellt. Leider viel zu lang und zu geschwätzig ist die erste halbe Stunde, in welcher Lau seinen alten Triadenplatz zurückerkämpfen will. Besser gelöst dann die Zeit danach, in der er beginnt, seine Zuneigung zu Wongs Charakter zu entwickeln. Ein Lichtblick der etwas anderen Sorte ist jedoch noch Lam Suet. Selten sah man ihn in einer solch hassenswerten und schmierigen Rolle als fetter Ekelbulle auf Rache- und Mobbingfeldzug. Für To-Freunde ist WHERE A GOOD MAN GOES natürlich trotzdem ein Muß. Ein langsames und bedächtiges Muß.
6/10

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