Sean ist dabei ein Auto von L.A. nach Miami zu überführen, als er den Anhalter Nick mitnimmt. Die beiden treffen kurz darauf in einem Städtchen auf ein, wie auf Drogen wirkendes, Mädel. Nick nimmt sie mit und es stellt sich heraus, dass er Vampire jagt und das Mädel von einem der ersten und ältesten Vampire überhaupt gebissen wurde. Nick will sie daher als Köder für jenen „Urvampir“ nutzen, welcher sie gebissen hat. Doch wer jagt hier wen?!
Roadmovie trifft auf Vampirhorror. Knallende Sonne, dunkle Nächte, schier endlose Straßen durch die amerikanische Wüstenlandschaft hindurch, billige Motels, verschwitzte Gesichter, ein paar durchaus blutige Effekte und rockige Musik. Vampire, welche auf der Suche nach Opfern mit dem Auto durch die Nacht fahren, im Sonnenlicht brennen und explodieren, sich mit Decken vor Licht schützen, durch irgendeine Art von Telepathie die von ihnen Gebissenen (auf)spüren können und das Töten des Urvampirs verhindert die Verwandlung kürzlich Gebissener sowie zur Vernichtung sämtlicher von im verwandelten Vampire. Bei dieser Aufzählung dürfte dem geneigten Horrorfilmkenner jeder einzelne Punkt bekannt vorkommen. Was daran liegen dürfte, dass „The Forsaken“ sehr stark von Filmen wie John Carpenters „Vampire“, „Near Dark“ und irgendwo auch „From Dusk till Dawn“ inspiriert zu sein scheint. In jedem Fall erinnert J.S. Cardones Film sowohl inhaltlich wie auch optisch stark an die drei genannten Werke und abgesehen davon, dass „The Forsaken“ seine eigene Geschichte über den Ursprung der Vampire erfindet, die Verwandlung zum Vampir medikamentös hinausgezögert werden kann und die Regel aufstellt wird, dass die ersten Vampire nur auf geweihtem Boden erledigt werden können, gibt es keinerlei eigene Ideen.
Auch die Handlung ist wenig komplex. Gemeinsam mit der sich kurz vor der Verwandlung stehenden Megan fahren Sean und Nick mal nachts durch die Wüste, mal fahren sie tagsüber durch die Wüste und ab und an steigen sie in billigen Motels ab. Mehr oder minder das Gleiche machen derweil die Vampire, nur dass sie hier und da noch ein paar Leute umbringen. Bis sich die beiden Parteien zum finalen Showdown gegenüberstehen bekommt man als Zuschauer zahlreiche uninspirierte Dialoge zwischen Nick und Sean, ein paar Tote, Autoverfolgungsjagden und auch mal Explosionen geboten. Das ist zwar nicht sonderlich spannend und ähnlich checklistenartig abgearbeitet wie die Aufzählungen in diesem Text, wirkt aber, insbesondere durch das trockene Wüstensetting, zumindest optisch ansprechend und so kann ich J.S. Cardones Werk einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Das Schauspiel der Darsteller/innen sowie die Kostüme und Frisuren mögen evtl. Anfang 2000 noch „cool“ gewirkt haben, lassen einen aber mittlerweile nur noch die Stirn runzeln und sich höchstens fragen, ob man damals selbst ähnlich fragwürdig durch die Gegend gestapft sein mag und sich megacool fand.
Fazit:
„The Forsaken“ ist ein Flickwerk aus bekannten Vampirmotiven, welches kaum nennenswert eigene Ideen vorzuweisen hat. Das staubige Wüstensetting weiß dennoch zu gefallen, gleiches gilt für den ein oder anderen durchaus blutigen handgemachten Spezialeffekt. Kein unsäglich schlechter Film, aber auch kein guter und da einen Cardones Werk von vorne bis hinten an Filme wie „Near Dark“, John Carpenters „Vampire“ oder „From Dusk till Dawn“ erinnert stellt sich einem unweigerlich die Frage, warum man nicht gleich zu einem der genannten Titel greifen sollte, zumal diese in allen Belangen besser sind.