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Eine endlose Studie der Frustration ist es, was Greg Focker alias Ben Stiller in "Meine Braut, ihr Vater und ich" erleiden muss, als er versucht, seiner Freundin den Heiratsantrag zu machen und dabei in die Hochzeitsvorbereitungen ihrer Schwester gerät und Gelegenheit erhält, seine künftigen Schwiegereltern kennen zu lernen.
In dem Bewusstsein, nicht zu der gehobenen Mittelklasse zu gehören (oder war’s die untere Oberklasse), tut er sein Bestes, um allen zu gefallen, doch seine Anstrengungen führen nur zu Chaos und Zerstörung, angeheizt noch durch seinen künftigen Schwiegervater, der als ehemaliger CIA-Mitarbeiter der eigenen Beruhigung nur abträglich ist.

Der Film lebt von der gegensätzlichen Paarung Stiller/de Niro, wobei man de Niro selten so entspannt in einer Komödie mitgespielt hat, ohne sie dominieren zu müssen. Es gibt ausreichend Gelegenheit für zerstörerischen Slapstick und eine handvoll zahm-geschmackloser Scherze (Lackieren eines Katzenschwanzes, Verspritzen des Inhalts einer Sickergrube), einiges an Situationskomik und verbale Attacken (Martha Focker!).
Dabei ist das Drehbuch gut darin, immer Schrecklicheres vor sich aufzutürmen, um es am Ende zusammenbrechen zu lassen. Stiller ist dabei der Everyman, mit dem man sich identifizieren kann, dem man sich aber ob seiner Tollpatschigkeit stets überlegen fühlen darf. Dass er sich dabei manchmal extrem ungeschickt anstellt, kann man wegen seiner steten Aufrichtigkeit (zumindest innerlich) gern vergessen.

Dass die Komödie an sich zwar gut, aber nicht perfekt ist, liegt an zwei kleinen Dingen, die man leider nicht übersehen kann. Da wäre zum einen die ekelhafte Aufgetragenheit der Ober/Mittelklassefamilie in ihrem supersonnigen Heim mit netten, reichen Freunden und ihrer topgeplanten Hochzeit. Die angestrengte Sauberkeit und Makellosigkeit, die hier angestrebt wird, ist so klischeehaft und ekelig hochglanzpoliert, dass es einen schüttelt.
Als zweites stört (und das wiegt schwer) Stillers Angebetete, bei der man spätestens nach dem ersten Drittel nicht mehr weiß, was er denn so sehr an ihr findet, denn sie lässt ihn (dramaturgisch wohl notwendig) unter Fremden ziemlich allein, nicht gerade die Art von Unterstützung, die man sich erwarten würde. Am Ende versöhnen sich zwar alle wieder, aber während des Films ärgert einen die Gute doch etwas.

Ansonsten kann man sich aber an de Niros nuanciertem Spar-Stil erfreuen, der unheimliches Gewicht auch in die simpelsten Zeilen legen kann und an der Agilität Stillers, mit dem der Film steht und fällt.
Eine erfreuliche Komödie mit leisen Mängeln, die sonst aber uneingeschränkt genossen werden kann. (7,5/10)

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