Review
von Alex Kiensch
Der Krankenpfleger Greg (Ben Stiller) will endlich um die Hand seiner Freundin Pam anhalten. Doch zuvor setzt er sich in den Kopf, aus Rücksicht auf die Familientradition ihren Vater (großartig: Robert De Niro) um Erlaubnis zu bitten. Ein böser Fehler: Das Wochenende bei Pams Eltern wird zum Spießrutenlauf, bei dem Greg von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt - und sich immer stärker den Zorn von Pams Vater einhandelt.
Die chaotische Liebes-Komödie war im Jahr 2000 so erfolgreich, dass sie bisher zwei Fortsetzungen nach sich zog und Ben Stiller wohl endgültig auf den Gipfel der Hollywood-Komödianten brachte. Und tatsächlich ist "Meet the parents", so der wesentlich kürzere und griffigere Originaltitel, eine der besten Komödien ihrer Zeit.
Schon wie sich die Story Schritt um Schritt immer weiter hochschaukelt, ist großartig umgesetzt. Es beginnt mit einigen kleinen Versprechern oder blöden Witzen, die von den Schwiegereltern in spe nicht so aufgenommen werden, wie erhofft - und endet mit brennenden Brautaltären, auslaufenden Gülle-Tanks und einer Katze, der Greg den Schwanz lackiert. Wie sich die Fettnäpchen nicht nur häufen, sondern immer größer werden, bis man schließlich von ausgewachsenen Katastrophen sprechen kann, ist wirklich gut aufgezogen und eine starke Leistung des gewitzten Drehbuchautors. Obwohl der Film nämlich in erster Linie komödiantisch unterhalten will, verliert er dabei nie an Niveau: Neben den obligatorischen Slapstick-Elementen zeigt er auch immer wieder die realistische menschliche Seite der Begegnungen, wenn Gregs Witze von Pams Eltern und deren Freunden total abgewiesen werden, während sie selbst ganz ähnliche Scherze reißen. So weht durch die brüllend komische Story stets ein Hauch von Sozialkritik, wenn er die "bessere Gesellschaft" als eine Bande von Spießern zeigt, die nur darauf warten, den Neuen der kleinen Tochter fertig zu machen.
Darüber hinaus ist die Besetzung bis in die Nebenrollen bestens geglückt. Ob Owen Wilson als unerträglich perfekter Ex-Freund, ob Pams bekiffter Bruder, der Greg seine Hasch-Pfeife unterjubelt, oder die Arztfreunde ihres Vaters, die nur über einen Mann als Krankenpfleger lachen können - die Anspannung zwischen den Agierenden ist ständig spürbar und verleiht dem Film eine intensive Atmosphäre, in der die wiederholten Lacher geradezu befreiend wirken. Das ist Humor der alten Schule: geboren aus der Ernsthaftigkeit einer Grenzsituation und gleichzeitig deren Absurdität aufzeigend. Beinahe fühlt man sich an Filme Woody Allens erinnert.
Da stören ein paar hollywood-typische Unglaubwürdigkeiten und das gar schmalzige Happy End ebenso wenig wie die teilweise zu krass überspitzten Figuren. Die überzeugenden Schauspielleistungen - allen voran natürlich De Niro als kontrollsüchtiger Familienpatriarch - und die große Gag-Dichte trösten darüber problemlos hinweg. Ein Film, der viel Wahrheit enthält, diese aber auf sehr unterhaltsame Art darstellt.