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Huo Jianqi, der bereits mit „Postman in the Mountains“ für Aufmerksamkeit sorgte und für seinen „Nuan“ vor zwei Jahren mit dem großen Preis des 16. Tokioter Filmfestivals beehrt wurde, balanciert mit A TIME TO LOVE dezente Aufwartung an die Vergangenheitsbewältigung der sogenannten Narbenliteratur mit just einer weiteren Dramaturgisierung des klassischen Romeo und Julia Themas aus.

Die junge Liebe seiner Protagonisten – erfolgsgarantierend verkörpert durch die populären Vicky Zhao und Lu Yi – gerät an dem tiefen und unergründlichen Hass der Eltern an ein schier unüberwindliches Hindernis. Der Weg zu einer Lösung des Konflikts ist durch das verbissene Schweigen der Familien verbaut. Hinter den Behauptungen der verwitweten und krankhaft verbitterten Mutter Lu Yis – der Vater seiner Freundin hätte ihren Mann verleumdet und ruiniert – scheint kein Weg zur Wahrheit zu führen. Allein kämpft sie ihren Kampf mit den Behörden um die Wiederherstellung der Familienehre. Das hat sie in den Rollstuhl und an den Rand des Wahnsinns gebracht. Ihre hasserfüllte Attitüde gegenüber der ahnungslosen Freundin ihres Sohnes ist natürlich irrational und macht ihren Charakter zu einer Hürde, die man sich aus dem Weg wünscht. Vor allem mit ihrem Hass feuert Huo Jianqi seinen dramaturgischen Konflikt.
Die Schuldkomplexe in der Familie Vicky Zhaos bleiben unausgesprochen, mit störrischer Passivität verweigert sich der Vater den Fragen der Kinder. Nur einmal antwortet er mit Schlägen – was freilich ausreicht um zu affirmieren, dass seine Verstrickung in den Todesfall mehr als nur ein Spuk in den Hirngespinsten von Lu Yis Mutter ist. Beide Familien verbieten den Kindern den Umgang miteinander. Über die enigmatische Vergangenheit wird die Spannung der ebenbürtigen Irrationalitäten filialer Hörigkeit und der Obsession der Liebe katalysiert. Die Klimax dieser Entwicklung folgt der physischen Vereinigung der Protagonisten in einer heimlichen Liebesnacht. Als die beiden von ihren Eltern herausgefunden werden und gar die Anklage einer Vergewaltigung vorgebracht wird, platzen die unverheilten Wunden zwischen den Eltern auf und ergießen sich geifernd zu einem Spiegel der Vergangenheit.
Hiernach, so scheint es beinahe, verliert der Regisseur das ehrliche Interesse an seinen Figuren und inszeniert die fortschreitende Handlung als einen langen Epilog – wie eine Konzession an eine über ein schlussendliches Happy End erfüllte Romantik. Wahrscheinlich beinahe 10 Jahre leben die Protagonisten nach dieser Nacht ihre Leben parallel, uninteressant und ohne Kontakt, bis dass der sterbende Vater beide an sein Bett bestellt, weil er endlich die Seele reinreden will. Wie ein letztes Strohfeuer flammt der zentrale Konflikt noch einmal auf, als sich Vicky Zhao Vorwürfe macht, sie hätte die Gesundheit des Vaters mit ihrem Ungehorsam zerstört. Dann posiert das so hart geprüfte Paar in Hochzeitskleidern vor kitschiger Fototapete, zieht die Mundwinkel auf Anweisung des Fotografen aus der angewöhnten Jammerstellung und grinst ein deutliches „Cheese!“.

Liebe, das ist die frohe Botschaft, die A TIME TO LOVE auf seinen verwirrenden Wegen dann schließlich doch noch zu finden sucht, Liebe ist eben ewig.

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