Komme gerade aus dem Kino, hab mich hier registriert und dachte mir, ich müsse mal meinen Senf dazu geben.
Erwartet hab ich mir nicht allzuviel, da ich zum einen wusste, das ausser Orlando Bloom kein weiterer bekannter Schauspieler eine größere Rolle hat und zweitens hab ich erwartet, das Ridley Scott entweder versucht, sein "Gladiator"-Prinzip zu kopieren oder das er generell sagt, er kann Gladiator eh nicht toppen und versucht es erst gar nicht. Meine Befürchtungen wurden auch ein klein wenig bestätigt.
Orlando Bloom spielt hier trotz meiner Vorahnungen überraschend gut. Seinen Leistungen in "Fluch der Karibik" und "Troja" konnte ich nicht allzuviel abgewinnen - was auch an der zu großen schauspielerischen Konkurenz lag. Die renomierten Schauspieler haben hier alle nur Nebenrollen sodas Bloom zwar durchaus souverän, aber dennoch zu emotionslos und fast schon langweilig. Mitfiebern kann man mit ihm keines Falls, es fehlt ihm eindeutig an Charisma. Eva Green kannte ich bis heute noch nicht, für sie gilt allerdings das gleiche wie für Bloom. Jeremy Irons und Liam Neeson haben natürlich alle Sympathien auf ihrer Seite, allerdings haben sie wie schon erwähnt nur Nebenrollen. Brendan Gleeson ist ein alter Routine in Sachen Monumentalfilm (Braveheart, Troja), hier spielt er dennoch eine sehr eigenartige, leicht tuntige, Rolle die gar nicht zu ihm passt.
Der Score passt zwar zum Film, man hat aber schon besseres gehört. Es fehlt einfach das ergreifende, bombastische oder epische, das man von Gladiator oder Herr der Ringe gewöhnt ist.
Bild und Atmosphäre sind wie zu erwarten ein absoluter Höhepunkt des Films. Wie kein zweiter versteht es Ridley Scott, Landschaften, Bauten und ähnliches mit einem gewaltigen Gänsehaut Flair zu versehen und es ist immer wieder eine Freude, seine Filme auch deshalb zu sehen.
Dennoch bleiben Handlung, Spannung und die Dialoge nur gutes Mittelmaß.
Ausserdem nervte mich der Typ neben mir, der 2,5 Stunden lang einfach nicht die Klappe halten konnte. Dauernd kamen Meldungen wie "Hey, den hab ich schon mal gesehen! Wo hat der schnell mitgespielt? Ah ja, mit dem einen Film mit den Piraten" oder "Also ich würd mich in dieser großen Halle verlaufen" und lauter so Sachen. Ausserdem läutete sein Handy andauernd und ich hab mich dann einfach weggesetzt. Naja so viel dazu, zurück zum Film:
Obowohl, sehr viel gibt es nicht mehr zu erzählen, ausser zum Highlight eines jeden Monumentalfilms: die Schlachtszenen. Ich fürchte mich immer vor solchen Szenen - denn egal ob Troja, ob King Arthur, ob Herr der Ringe, ob Gladiator (obwohl es da nicht so arg war) und vor allem Alexander (der hat sowieso in jeder Hinsicht den Vogel abgeschossen)... alle haben sie eines gemeinsam: die verhunzten Kampfszenen. Und wie sehr ich diesen "Trend" hasse. Warum alles immer andauernd extremst verwackelt sein muss ist mir ein Rätsel. Ich meine, wer sieht so etwas lieber? Ist so etwas besser, als wenn man genau erkennen kann, was da passiert? Ausserdem noch in einem extrem Close up filmen sodas man nur Kopf und bestenfalls die Brust sieht und noch ganz schnell zusammenschneiden und fertig ist der Käse. Da kann man sagen, was man will, aber in Sachen Härte können sich da alle an Braveheart was abschauen. Ich steh ja total auf die Eastern der 70er und 80er. Da wurden die Kampfszenen gleich 10 Sekunden lang ohne einen einzigen Schnitt gefilmt - wobei die ganzen Darsteller natürlich auch was drauf hatten. Heute ist man anscheinend zu faul um so eine Schlacht ordentlich zu choreographieren, oder die Schauspieler sind sich der Zeit des Trainings zu schade - keine Ahnung. Aber das ist ja nicht nur bei den Monumentalfilmen so. Auch jeder stink normale Actionfilm wie z.b. Blade Trinity oder Die Bourne Verschwörung werden nach diesem Prinzip gedreht. Daher war ich von Blade 3 auch nicht wirklich begeistert. Aber jedem das seine, ich persönlich kann nur hoffen, das dieser Trend bald ein Ende findet und der gute alte Old School Action Film wiederkehrt - Kill Bill war ja schon ein guter Anfang wie ich finde.
6 / 10