Warum viel schreiben, wenn`s auch kurz geht:
Trotz gleichem Regisseur um Längen schlechter als der überragende "Gladiator" aber immer noch um Längen besser als der vollkommen misslungene "Troja".
Die Handlung ist einfach und kommt über das absolut obligatorische Standartgeplänkel nicht hinaus, weiß aber zu gefallen. Wenn auch eine emotionale Bindung zu den Schicksalen der Protagonisten nicht aufzubauen ist. Das ist einfach etwas, was Filme wie "Gladiator" und "Braveheart" um Längen besser macht, als diesen Plot. Gut sind aber die Dialoge. Nicht sehr ausschweifend und immer zum Thema passend, ohne viele Schwachsinnigkeiten und blödsinnige Coolness-Sprüche.
Grösstes Manko ist wie gesagt, die Tatsache, dass das Drehbuch keinen Raum für emotionale Gebundenheit zwischen Zuschauer und Filmheldschicksal zulässt. Da werden mit Sicherheit zum Ende hin keinerlei Tränen vergossen werden - und ist es nicht genau das, was großartige Filme so auszeichnet? Das mag zum Einen auch mit daran liegen, dass viele der Hauptpersonen einfach nicht lange genug dabei bleiben um großartig Sympathien zu angeln - trotz rechtschaffender Handlungen - und ihr "Abgang" somit recht unspektakulär verläuft. Übrig bleibt zum Schluss nur der gute Ritter Balian und Orlando Bloom kann nun wirklich niemanden vom Hocker reißen. Er ist und bleibt auch in diesem Film trotz der Hauptrolle ähnlich blass wie in "Troja". Treudoof und traurig gucken kann er ja einigermaßen, aber er bleibt weit hinter Kollegen wie Crowe, Gibson oder auch der Coolness von Brad Pitt als Achilles zurück. Einfach keine Ausstrahlung der Junge. Als aalglatter Elb gut, aber so........
Der Rest des wirklich guten Schauspielstelldicheins gibt eine wirklich anständige Performance ab. Eva Green hat deutlich mehr Charme als unser schrecklicher Deutschexport in Troja, der wunderbare Liam Neeson stirbt leider viel zu schnell und Jeremy Irons mal nicht als Bösewicht zu sehen, sondern als wirklich anständigen Typen fällt etwas schwer, aber gut ist er. :-)
Wie gesagt geht die Handlung an sich in Ordnung, scheint auch historisch relativ korrrekt umgesetzt worden zu sein, wenn auch die zahlreichen Schnitte zwecks Kinotauglichkeit jedem auffallen müssen: Von wem lernt Balian kämpfen und Kriegstaktik für Fortgeschrittene, was macht er plötzlich als Verteidiger vor der Burg des späteren Königs und und und....... Da schon ein Directors Cut als DVD Auswertung angekündigt wurde, kann man sich nur auf einen wesentlich runderen und wahrscheinlich auch besseren, emotionaleren Film freuen, als es "Königreich der Himmel" im Kino war.
Sehr gut war, wie zu erwarten, die Optik des Films. Da merkt man das handwerkliche Können des Regisseurs. Die CGI-Effekte waren wie in "Gladiator" perfekt integriert und wirkten nie aufgesetzt. Auch wenn ich langsam dieser doch recht geschliffenen Optik überdrüssig geworden bin, denn ehrlich gesagt: wenn es gut gemacht wurde, dann sieht alles irgendwie gleich aus. Sei es nun von einem Ridley Scott oder irgendeinem anderen gewerkelt worden. Ständig die gleichen Strobobilder bei Blutspritzern oder aufgeschleudertem Sand im Kampf etc. Und ausserdem ständig dieses Geleiere von Filmmusik oder Gesang, was auch immer. Kann mal endlich einer davon wegkommen!!!
Was die Blutspritzer angeht: ging schon recht ordentlich zur Sache für ein fsk12 rating - aber das kennt man ja von sogenannten Historiendramen oder Antikriegsfilmen - die dürfen in der BRD ja mehr zeigen als andere :-)
Sehr gut fand ich den Konflikt zwischen den Religionen dargestellt und die Fairness im Umgang miteinander. Man kann einen Bezug zum aktuellen Zeitgeschehen im Nahen Osten bzw. Israel im Besonderen nicht von der Hand weisen. Auch wird offen die übliche Militärmaschinerie angeklagt, wenn gesagt wird, dass das Richtige zu tun, manchmal zu bedeuten hat, Befehle zu missachten. Auch wenn ich sagen muss, dass dieses ständige Vorhalten, dass es ja auch ehrbar geht, dass es auch möglich ist, trotz verschiedener Religion friedlich miteinander zu leben, dass es um die Menschen geht und nicht um deren Glauben und so weiter und so fort, anfangs noch mehr oder weniger subtil dargestellt wurde, aber im Laufe des Films so oft wiederholt wird, dass man mal wieder als intelligenter Zuschauer sagt: "Jaa, is` gut jetzt, wir haben`s ja kapiert!!" Aber das ist ja öfters so, und vielleicht ja auch tatsächlich nötig :-) Moralpredigten haben noch keinem geschadet!
Was bleibt abschließend zu sagen? Ein mittelprächtiger Film, mit guter Optik, einer hoffentlich im DC komplexeren Handlung, gut choreographierten Kämpfen, einem aktuellen moralischen Bezug, aber leider mit einem etwas blassem Hauptdarsteller und wenig Emotionalität.
7 von 10 Punkten
Ich glaube, jetzt ist es doch länger geworden, als ich es eigentlich wollte.......