Kein Rezept ist sicher in Hollywood, das gilt auch für die Modeerscheinung des pompös aufgemachten Historienfilms.
Hatte „Gladiator“ noch den Faktor Novität, um zu punkten und „Troja“ immerhin Brad Pitt eingeölt und kampfbereit, konnte bereits „Alexander“ trotz Starbesetzung und großen Schlachteplatten nicht verhindern, von Publikum und Kritik der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden.
Im Fall von Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ waren die Vorzeichen gar nicht so schlecht, die Kritiken akzeptabel – nur der ganz große Erfolg wollte sich nicht einstellen, zumindest nicht in den USA.
Nun sind die Kreuzzüge natürlich nicht ganz so plakativ oder weitverbreitet bekannt wie das alte Rom, aber gerade die religiösen Bezüge hätte einiges bieten müssen, doch herrschte trotzdem Ignoranz allerorten.
Dabei hat Scott gleich dem Vorgänger „Gladiator“ ähnliche Elemente aufgefahren, ein großes Schlachtgetümmel, reichlich Exotik, kinosaalbreite Panoramaaufnahmen und alles, was das Kinogängerherz begehrt.
Was er jedoch nicht hat, ist ein wirklich emotionales Zentrum. Der religiöse Interessenkonflikt zwischen Christen und Moslems, ein wackeliges Gleichgewicht der Kräfte und radikale Gruppen, die einen Konflikt zwischen beiden Seiten befürworten – das alles hat durchaus reale Bezüge und ist relativ ausgewogen dargestellt, vielleicht nicht gerade einfach zu schlucken, weil nicht die simpelste Gut-Böse-Formel hier Anwendung fand.
Unser Held Balian, dargestellt von Orlando Bloom, steckt mittendrin und sucht doch nur Vergebung für seine Sünden, ein modern eingestellter Mensch inmitten von reichlich Fanatismus.
Leider hat Bloom mimisch wenig zu bieten, um das Interesse des Zuschauers auf sich zu ziehen. Er durchlebt den 145-Minuten-Film beinahe mit nur einem, verkniffen-traurig-schuldbewußten Gesichtsausdruck, geht amurösen Verwicklungen aus dem Weg und plädiert auf Vernunft und Ausgewogenheit, was zu diesem Zeitpunkt der Geschichte gar nicht geht.
Ein Held jedoch, mit dem man nicht richtig mitleidet und der einen nicht mitreißt, läßt starke Lücken, bindet die Zuschauer nie an sich. So bleibt nur ein faszinierender historischer Bilderbogen, der sich halbwegs brauchbar an die historischen Gegebenheiten hält.
Also rauscht nur ein wilder Abenteuerbilderbogen aus historischer Zeit über die Leinwand, elegant und aufwändig in Szene gesetzt (wenn auch das Überleben des Schiffsuntergang durchaus diverse Lacher provozieren kann) und am Ende mit einer großen Schlacht um Jerusalem gekrönt. Die ist allerdings auch nicht größer oder besser oder schlechter als Vergleichbares aus dem trojanischen Krieg oder dem fernen Osten, Peter Jackson ist auch hier wieder nicht geschlagen worden.
Fakt ist, daß einfach zu wenig hängen bleibt, mit dem man den Film in sein Herz schließen möchte, allenfalls die solide Kompetenz von Größen wie Liam Neeson (viel zu schnell tot), Jeremy Irons (viel zu plötzlich verschwunden) und Edward Norton (nicht zu erkennen) setzt Highlights, wobei der arrogante adelige Bösewicht bisweilen etwas zu gewollt überspitzt daherkommt.
Aber wo es an Chemie mangelt, geht auch nichts wirklich zusammen – so geht die Karriere von Herrn Bloom bald die Luft aus. (6/10)