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Mit "Königreich der Himmel" greift Hollywood eines der düstersten Kapitel der europäischen Geschichte auf: die Kreuzzüge. Kein geringerer als Ridley Scott ("Gladiator", "Black Hawk Down", "Alien") führt in diesem Epos Regie, in dem Orlando Bloom ("Herr der Ringe", "Fluch der Karibik") die Chance bekommt das Zugpferd eines großen Blockbusters zu sein.

Balian (Orlando Bloom), ein junger Schmied, folgt etwas widerwillig seinem Vater Godfrey (Liam Neeson) in das Heilige Land, um dort das Werk seines Vaters fortzusetzen und für Frieden zu sorgen. Doch auf der Reise gerät die Gruppe in einen Hinterhalt und Balian ist von nun an auf sich allein gestellt. Im Heiligen Land ist er Diener von König Baldwin IV (Edward Norton), der allerdings etlichen Intrigen ausgesetzt ist. Inmitten des Kriegsstrudels findet er die verbotene Liebe zu Prinzessin Sybilla (Eva Green), die allerdings nicht sehr von Glück gezeichnet ist. Zum Ritter geschlagen liegt es nun an ihm den Kampf der Religionen zu einem friedlichen Ende zu bringen. Doch kann er die Heilige Stadt Jerusalem gegen Saladin retten...

Die Story ist wohl die größte Schwäche des Filmes, denn eine ausgereifte, spannend erzählte Geschichte sucht man hier vergebens. Zwar ist der Film nicht langweilig, aber wirkliche Spannung kommt auch nicht auf, es plätschert einfach so vor sich hin. Die Leistungen der Schauspieler sind durchweg in Ordnung, lediglich bei Orlando Bloom vermisst man die Art von Charisma, die beispielsweise Russell Crowe in "Gladiator" oder Mel Gibson in "Braveheart" ausgezeichnet haben, so dass man ihrer Filmfigur mitgefiebert und mitgeleidet hat. Hier ist es einem als Zuschauer egal was mit dem von Orlando Bloom gespieltem Balian passiert, da hier nicht dieses Interesse für die Hauptfigur aufkommt.

Von der inszenatorischen Seite her kann man Ridley Scott wirklich keine Vorwürfe machen. Auch hier hat er hervorragende Arbeit geleistet, lediglich am Drehbuch bzw. der Geschichte krankt der Film. Die Optik ist, wie es sich für einen Film der epische Ambitionen hegt gehört, wirklich großartig gelungen. Die computeranimierten Effekte und die realen Bilder bilden eine gelungene Symbiose. Zu Beginn des Filmes ist der Blaufiltereinsatz sehr stimmig und erinnert an den Anfang vom ebenfalls von Scott stammenden "Gladiator".

Die kleineren Auseinandersetzungen während des Filmes sind zwar alle nett gemacht, aber wirklich große Action bekommt man erst am Ende bei der Schlacht um Jerusalem geboten. Mit Tribok und anderem Utensil versuchen die Moslems unter Saladin die Stadtfeste einzunehmen, jedoch wird diese vom christlichen Opponent unter Balian enthusiastisch verteidigt. Zwar kann das Gezeigte nicht mit der Schlacht um Minas Tirith aus "Herr der Ringe" mithalten, unterhaltend und entschädigend für die vorrangehenden Storyschwächen ist es aber allemal.

Was soll man nun von "Königreich der Himmel" halten? Nun, wenn der Film eine wesentlich ausgefeiltere und spannende Handlung vorweisen könnte, dann wäre er ein wunderbar pitoreskes episches Meisterwerk geworden. Aber so ist er nur ein opisch beeindruckendes, inhaltlich aber ziemlich leeres Werk des großen Ridley Scotts geworden, das man sich zwar anschauen kann, aber auch schnell wieder vergessen wird.
Noch 7 von 10 Punkten.

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