Mit "Gladiator" erweckte Regisseur Ridley Scott (Blade Runner) das Historien-Epos wieder zu neuem Leben. Was folgten waren Filme wie "Troja", "King Arthur", "Alexander" und "Last Samurai", die von unterschiedlicher Qualität waren. Außer Tom Cruises Kamikaze-Show konnte allerdings keiner dieser Werke den Erwartungen gerecht werden, die "Gladiator" zuvor erfüllte. Darum dauerte es nicht lange, bis Ridley Scott selber beschloss, sich abermals für ein Historien-Spektakel auf dem Regie-Stuhl niederzulassen. Aus seinem vorherigen Werk "Black Hawk Down" rekrutierte er rasch Orlando Bloom (Fluch der Karibik) als Hauptdarsteller für seinen Streifen über einen Hufschmied, der auszog, um den Fanatismus der Kreuzzüge zu überwinden und den Frieden zu bewahren. Doch ein zweiter "Gladiator" ist Scott damit nicht gelungen.
Nach dem Tod seines Vaters wird Hufschmied Balian (Orlando Bloom) zum Ritter und begibt sich ins Morgenland, wo sich Kreuzritter mit einer muslimischen Herr im Krieg um die heilige Stadt Jerusalem befinden. Als der an Lebra erkrankte König (Edward Norton) Jerusalems stirbt, übernimmt Balian die Verteidigung der Stadt, wobei ihm die Menschen mehr am Herzen liegen als Gott...
Durch Bart und langen Haaren verdeckt Orlando Bloom hier sein Milchbubiface und macht einen auf großen Krieger. Das gelingt ihm aber nur zur Hälfte. Zwar kann er kämpfen und auch in den ruhigen Momenten weiß er zu überzeugen, doch den kampferfahrenen Krieger will man ihm einfach nicht abnehmen. Bei Darstellern vom Schlage eines Mel Gibson, Tom Cruise, Eric Bana oder Clive Owen wäre das kein Problem gewesen. Allen hat man den kampferprobten Recken um Schlachtfeld abgenommen. Vielleicht hätte Scott besser Ewan McGregor aus "Black Hawk Down" rekrutieren sollen. Doch der Schotte war vermutlich durch das letzte Kapitel der Sternenkriege und seinem Ausflug auf die Insel verhindert. Was solls... ändern kann man es ja auch nicht. Bloom zur Seite stehen dennoch drei erfahrene Mimen. Zum einen wäre da Liam Neeson (Batman Begins), der Balians Vater verkörpert, und zum anderen Jeremy Irons (Stirb langsam - Jetzt erst recht), der den Berater des Königs mimt. Dieser wird wiederum von Edward Norton (Fight Club) dargestellt, der durch eine Maske allerdings am Mimenspiel gehindert wird. Alle drei können in ihren Rollen überzeugen und so Bloom locker in den Schatten stellen. Und Norton schafft das sogar mit Maske. Aber auch den weibliche Love Interest hat Scott nicht vergessen und hat daher mit Eva Green (Die Träumer) ein unverbrauchtes Gesicht ins Geschehen gewürfelt. Wie so viele Darstellerinnen in einem Historien-Epos ist aber auch sie ein austauschbares Gesicht.
"Königreich der Himmel" handelt also von den Kämpfen der Kreuzritter gegen die Bewohner des Morgenlandes. Überraschenderweise sind hier Letztere keineswegs die fiesen Finsterlinge, sondern vielmehr die Templer und die Kirche als ihr Befehlsgeber. Doch so war es damals ja nun mal. Denn als im 12. Jahrhundert in Europa nix mehr los war, wurde eine Eliteeinheit namens Kreuzritter ins Morgenland beordert. Dort wurden dann die Ungläubigen einen Kopf kürzer gemacht und das wurde dann noch als kirchliche Schwerstarbeit angesehen. Danach wurden die Besitztümer und Länder der gemeuchelten Heiden beschlagnahmt. Im Endeffekt wurde das aber mehr aus Gier als aus religiöser Überzeugung getan. Mmh... irgendwie erinnert das doch an aktuelle Ereignisse, oder? Und hier kommt nun der von Bloom verkörperte Balian ins Spiel, der wie gesagt den Fanatismus beseitigen und den Frieden heraufbeschwören will. So, so... ein Krieger, der sich auf die Seite des Feindes schlägt. Kommt mir auch irgendwie bekannt vor. So was bekam man nämlich schonmal in "Lawrence von Aarabien", "Der mit dem Wolf tanzt" und zuletzt eben mit "Last Samurai" serviert. Nun also ein Kreuzritter auf der Seite der Bewohner Jerusalems. Was kommt da wohl als Nächstes? Ein US-Soldat im momentanen Golfkrieg, der sich auf die Seite der Iraker schlägt? Eher nicht. Doch zurück zum Film. Historien-Epen bestehen ja oftmals auch aus spektakulären Schlachten. Natürlich gibt es die auch in "Königreich der Himmel". Mag Scott die Schlachten um einiges besser gestaltet haben als Stone in "Alexander", so sind besagte Schlachten aber auch hier eindeutig zu kurz und aufgrund einer Freigabe ab 12 auch entsprechend entschärft. Zwar werden einige Infasoren recht anschaulich in lebende Fackeln verwandelt und es fließt stellenweise Blut, doch allzu oft krepieren Gegner nur im Off oder es wird rechtzeitig weggeblendet. Da hätte man Scott nach "Gladiator" mehr Mut zutrauen können. Vermutlich hatte am Ende wieder mal das profitgeile Studio die Finger im Spiel gehabt. Bei "Gladiator" dachte man seitens des Studios wohl noch, dass jenes Mammutprojekt ja eh nix werden würde, und ließ Scott so freie Hand. Nach dem Erfolg des Gladiators haben die Produzenten aber Blut bzw. Geld gewittert, und haben nebst "King Arthur" und "Alexander" auch "Königreich der Himmel" zu jugendfreundlichen Gewaltakten verdonnert, damit man mehr zahlungskräftige Zuschauer in die Lichtspielhäuser lotsen konnte. Bei den Rittern der Tafelrunde und deren Metzeltaten wurde man glücklicherweise später mit einem härteren Directors Cut auf DVD entschädigt. Ob das auch bei "Königreich der Himmel" der Fall sein wird? Man darf gespannt sein. Doch im Film selber können Optik und Soundtrack, für die fehlende Härte entschädigen, wobei einem der oft eingesetzte Singsang auf Dauer einfach nur nervt. Hier war im Gegensatz zu "Gladiator", "King Arthur" und "Last Samurai" eben kein Hans Zimmer am Werk gewesen, was man auch merkt, womit der Score einen nur stellenweise zufrieden stellen kann. Nicht zufrieden stellen kann einen das Ende. Vielmehr ähnelt der Ausgang der finalen Schlacht um Jerusalem dem Ende eines Freundschaftsspieles der National-Elf. Ganz nach dem Motto "Ihr habt 'n duften Kampf gemacht und sorry wegen den ganzen Leichen" wird am Ende zwischen Balian und dem Moslem-Anführer eine friedliche Abmachung geschlossen, nach der die überlebenden Jerusalem-Bewohner den Moslems ohne weiteres die Stadt überlassen und in die Ferne ziehen. Das ganze Kämpfen also für die Katz? Hätte man auf solch eine Abmachung nicht vorher kommen können und so unzählige Menschenleben verschont?
Im Grunde fehlt "Königreich der Himmel" der gewisse Funke, ein glaubhafterer Hauptdarsteller und die entsprechende Härte, um ein wirklich monumentales Historien-Epos zu werden. Dennoch immer noch um einiges besser als der Griff ins Klo namens "Alexander". Ob und wann die Flut an Historien-Epen enden wird, steht noch in den Sternen. Ich persönlich sehe mir gerne solche Filme an, finde aber, dass man die Sache auch nicht zu sehr ausreizen sollte. Bisher haben mir die Abenteuer von Maximus, Achilles, Arthur, Nathan Algren und wie sie alle heißen mögen gefallen, auch wenn der eine oder andere Film nicht unbedingt historiengetreu umgesetzt wurde. Der Punkt ist nämlich der, dass nach "Gladiator" und "Last Samurai" sich Historien-Filme immer mehr auf das Spektakel an sich konzentrieren und dabei die Charaktere mehr oder weniger außer Acht lassen. Gut, bei "Königreich der Himmel" hat man noch größtenteils auf Handlung und Charaktere gesetzt. Auch mag die Optik stimmen und die Musikuntermalung ist nur stellenweise mangelhaft. Allerdings scheinen die ganzen Historien-Filme der letzten Monate von Film zu Film an Qualität zu verlieren, da man wohl mit manchen Produkten einfach nur das schnelle Geld machen will. Eigentlich Schade!