Ok, zuerst einmal ein allgemeines Statement: Jeder, der hier an dieser Stelle eine stimmige Fortsetzung von Gladiator erwartet hat, der wird definitiv enttäuscht. Natürlich sind gewisse Stilmittel von Herrn Scott unabdingbar, sprich seine ausgefallenen Kamerafahrten oder die Eindrücke, die er im Zusammenspiel mit Landschaft und Musik vermittelt. Das mag typisch Scott sein, ansonsten finde ich es im Allgemeinen doof, Äpfel und Birnen zu vergleichen.
Also, zur Story: Das ganze beginnt gegen Ende des zweiten Kreuzzugs. Wir schreiben das Jahr 1184. Ein renomierter und erfahrener Kreuzritter kehrt nach Frankreich zurück, um sich seinem unehelichen Sohn zu offenbaren. Er bietet ihm an, mit ihm nach Jerusalem zu reisen, wo er die Möglichkeit habe, sich beim Kampf gegen die Araber von sämtlichen irdischen Vergehen rein zu waschen.
Noch auf der Reise dorthin kommt sein Vater ums Leben und Balian (Orlando Bloom) muss seinen Weg alleine gehen. Der Film schildert nun die Ereignisse zwischen 1184 und dem Winter von 1187, als der Papst schließlich zum dritten und letzten Kreuzzug aufrief. In dessen Verlauf sehen wir Balian immer mehr charakterlich reifen. Als wahrscheinlich einzig aufrichtige Gestalt in ganz Jerusalem ist er ständig bemüht, seine christlichen ursprünglichen Werte auszuleben und an andere weiter zu geben. Dabei trifft er auf Intrigen, Kriegshetzerei, religiösen Fanatismus (sehr objektiv von beiderlei Seiten dargestellt) und auf Machtbegierden.
Natürlich muss auch dieser Film ein wenig schwarz und weiss unterscheiden, allerdings ist dies in keiner Relation zu der üblichen „Erleuchtet, superstark umd megapotent“ gegen „Böse, saublöd und fehlgeleitet“ Verfahrensweise geschehen. Schön zu sehen ist, dass es auf beiden Seiten fanatische Einflüsse gibt, die die Beweggründe für einen Krieg immer nur auf leere religiösen Phrasen reduzieren. Gerade deswegen hat dieser Film auch eine aktuelle Thematik, denn Streiteren „zwischen Islam und Christentum“ gibt es ja dieser Tage auch. Geändert hat sich aber nix: Nach wie vor dient die Religion nur als Ausrede oder fadenscheinige Begründung.
Zitat:
„Ein Heer, dass das Zeichen des Herrn vor sich herträgt ist unbesiegbar! Wenn ihr wagt, das anzuzweifeln, dann ist das Blasphemie…“
„Gott will es!“
Kommen wir zum technischen Aspekt:
Die Kamera ist erstklassig und trägt einen großen Teil zur gelungenen Stimmung des Films bei. Gelegentliche Kamerafahrten und Farbverfremdungen tun ihr Übriges dazu. Eine konsistente Grundstimmung wird vermittelt und sorgt dafür, dass der Film auch „aus einem Guss“ wirkt. Die Landschaftsdarstellungen sind atemberaubend. Man fühlt förmlich die Sandkörner zwischen den Zehen…
Der Soundtrack ist schlichtweg genial. Hier und da lief mir eine Gänsehaut über den Rücken, denn die Musik hat ständig etwas klagendes und trauriges, dass einen unterbewusst auf die Stimmung drückt und in gewissem Masse die Hoffnungslosigkeit der späteren Szenen sehr gut untermalt.
An der Ausstattung gibt es überhaupt nix zu meckern. Kostüme und Requisiten sind absolut erstklassig und stimmig. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, aber etwas anderes wäre von so einer Megaproduktion auch enttäuschend gewesen.
Fazit: Es ist kein zweiter Gladiator, aber all zu weit ist er meiner Meinung nach auch nicht davon entfernt. Er hat einige Längen, die vielleicht nicht sein müssten, allerdings kann man dies locker verkraften. Wäre die Story an manchen Stellen etwas weniger vorhersehbar und der Charakter Balian nicht ganz so stereotyp, dann hätte ich auch die volle Punktezahl vergeben, so reicht es nur zu einer 8.