Review

Vorab eines: Die Kritik befaßt sich mit der Director's Cut Version und ist daher nicht repräsentativ für den Kinocut.

Die Bildqualiät ist wie fast schon normal für Ridley Scott Filme wirklich großartig, die FArbgebung ist schon recht kühl gehalten, die Ausstattung ist ebenfalls richtig gut, man darf außerdem nicht vergessen, dass Ridley Scott es wie kaum ein zweiter versteht, seine Filme hochästhetisch und wunderschön aussehen zu lassen.
Zuweilen geht das zu Kosten der Qualität der Handlung, man hat (ich zumindest) öfters Identifikationsprobleme mit den Hauptakteuren oder oft wird einfach nicht genug erklärt. So auch hier.

Die Handlung ist sogar in dieser 180-minütigen Fassung meines Erachtens zu kurz gehalten, locker hätte man weitere 30-50 Minuten mehr hinein packen können.
Denn dann hätte man schon mehr über Balians Beweggründe erfahren oder warum er so verfährt wie er es tut. So aber bleibt es seltsam leer und nicht tatsächlich nachvollziehbar. Dass er ein grundguter Mensch sein soll, ist als Erklärung einfach zu schlecht.
Dadurch dass er überdurchschnittlich begabt ist und recht wortkarg, bieten sich Vergleiche mit dem Film Gladiator (ebenfalls von Ridley Scott) geradezu an. Aber Orlando Bloom hat weder die Leinwandpräsenz eines Russel Crowe, noch ist sein Hintergrund halb so interessant.
Das ist auch die große Schwäche dieses Films: Der Protagonist wird einfach nicht stark genug in Szene gesetzt.
Und um dem noch die Krone aufzusetzen wird ihm ein Antagonist entgegen gestellt, der dermaßen undifferenziert beschrieben wird, dass man das Gefühl hat, beide wären deplatziert.
Auch ist die Liebesgeschichte nicht gerade der Knüller, ganz zu schweigen von den Denver-Clan-Mäßigen Klamotten der Königin Israels.

Prinzipiell ist das dementsprechend dann auch nur ein in die Kreuzzüge verlagerter Film, der mehr an Gladiator erinnert als Ridley Scott lieb sein mag.
Wobei selbst die Massenszenen und Schlachten nicht halb so episch ausfallen wie das, was die Trailer und Anfänge der Schlachten versprechen.

DEnnoch gibt es zwei Sachen, die ihn mehr als nur bemerkenswert machen, und deswegen auch zum einzigen Film von Ridley Scott, den ich wirklich sehr gerne mögen würde (was aber dann doch nicht passiert wegen der üblichen Ridley Scott-Machart):

1. Die Director's Cut DVD Version mit 4 (!!!!!) DVDs ist mit das Beste und schönste was ich im Bereich DVd je gesehen habe, richtig liebevoll dargestellt. Man kann gar nicht anders als den Film zu mögen, wenn man diese Version sich mal reinzieht. (Es sei denn man hat schon von vornherein Vorbehalte gegen die Werke der Scott-Brüder - so wie ich.)

2. Die universelle Message des Films ist sehr indifferent gegenüber irgendeiner Seite. Vielmehr wird der religiöse Fanatismus sowie die Heuchelei auf beiden (allen) Seiten angeprangert. Aufrechte (das ich nicht lache) Herrscher müssen sich somit dem politischen Druck beugen.
Zugegeben auch hier offenbaren sich erzählerische Schwächen seitens Ridley Scotts, da er auf beiden Seiten immer nur einen Mann als Öl-ins-Feuer-Giesser ausmacht und damit den Film unnötig plump macht. Aber wie gesagt, würde man dem Film seine ganze Komplexität zugestehen, wäre er nicht nur 30 Minuten länger gewesen. Aber zweifelsohne interessanter und tatsächlich das, was er hätte werden können: Ein Meisterwerk.
Und das Potential hat er tatsächlich gehabt.

Aber das ist auch der Unterschied zu richtig großen Regisseuren wie beispielsweise David Lean, dem würde es auch in dieser Spielzeit eine bessere Geschichte zu erzählen einfallen.

Nichtsdestotrotz, die Grundintention ist sehr löblich (gibt einen Punkt extra), die 4er DVD spitze (noch ein Punkt), die grundliegende Geschichte eigentlich auch sehr schick, daher verdient dieser sogar in dieser Version allenfalls durchschnittliche Film 7 Punkte.

Und wie gesagt: Sehr gerne hätte ich ihm mehr gegeben.

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