Dieses Review bezieht sich auf den Director's Cut.
Auf der technischen Seite kann Königreich der Himmel vollkommen überzeugen, was bei einem Meisterregisseur wie Ridley Scott auch kaum verwunderlich ist. Das wunderschöne Setdesign, atemberaubend in Szene gesetzt, der abwechslungsreiche Score und die guten Special Effects lassen nichts zu wünschen übrig. Lediglich die Gewaltdarstellungen empfand ich teilweise als übertrieben, nicht jeder Schwertschlag muss von einer Blutfontäne begleitet werden.
Auf der inhaltlichen Seite sieht es etwas anders aus. Die in über drei Stunden erzählte Handlung lässt einen konventionellen Spannungsbogen vermissen, weicht zu wenig von der historischen Realität ab, um Fantasy zu sein und zu sehr, um als Historienfilm durchzugehen. Die Charaktere bleiben größtenteils eher flach, die moralische Fragen aufwerfenden Dialoge nutzen sich mit der Zeit deutlich ab und sind teilweise auch für die damalige Zeit unglaubwürdig, da sie religionskritische Standpunkte vertreten, die erst mit der Aufklärung einige hundert Jahre später aufkamen. Die von Orlando Bloom verkörperte Hauptfigur bleibt ohne Ecken und Kanten und ist offensichtlich wie so häufig unsterblich (einziger Überlebender eines Schiffsunglücks, was für ein Zufall!). Auch andere Charaktere wissen nicht zu überraschen. Die Guten sind gut, die Bösen böse, Grautöne gibt es kaum. Positiv hervorzuheben ist lediglich, dass die Gut/Böse-Grenze nicht zwischen den Religionen verläuft, sondern innerhalb der jeweiligen Lager. Trotzdem beginnt der Film mit fortschreitender Laufzeit leider immer mehr zu langweilen, statt zu unterhalten und auch das Happy-End wirkt mit seiner aufklärerisch-pazifistischen Message eher aufgesetzt als überzeugend.
Insgesamt ist Königreich der Himmel eine episches Mittelaltermärchen, dessen meisterhafte Machart nicht über die inhaltlichen Schwächen hinwegtäuschen kann.
6/10