Historie trifft wieder wuchtiges Hollywoodkino
Ridley Scott, ein ganz grosser Name, der hinter so zahlreichen Mammutprojekten steht; angefangen mit dem genialen "Alien" und berühmt berüchtigt mit zeitlosen Meisterwerken wie "Blade Runner", sammelte auch bereits Erfahrungspunkte in Historienknallern wie "Gladiator". Also Entertainment at his best vom Mann aus England. Nach dem Riesenerfolg des Schlachtengemäldes "Gladiator" versuchte er sich an einen weiteren geschichtlichen Stoff heran und konnte dafür einen glänzend hervorstechenden Cast gewinnen. Das Budget von stattlichen 130 Mio. Dollar sieht man dem 3 Stünder an, allem voran der Austattung, die wahrlich gelungen war.
Der Schmied Balian trauert um seine verstorbene Ehefrau, die sich nach dem Verlust des Kindes selbst das Leben nahm. Da durchstreift der Kreuzritter Godfrey von Ibelin das karge Land und erklärt Balian, das er der uneheliche Sohn Godfrey's sei und bittet diesen, mit nach Jerusalem zu ziehen. Das geheiligte Land ist in tiefer Aufruhr, da die muslimische Armee des Herrschers Saladin in Bereitschaft ist, die christlich geführte Stadt Jerusalem zu übernehmen. Der dort herrschende König Balduin IV, der über sein Volk mit Sänfte herrscht, ist dem Tode geweiht. Den er leidet unheilbar an der Leprakrankheit und muss einen Nachfolger würdigen. Balian, inzwischen in Jerusalem angekommen und zum Ritter auserkoren, steht vor vielen Aufgaben, den das friedliche Zusammenleben in der Heiligen Stadt steht vor dem Zusammenbruch. Kann ein Krieg abgewendet werden?
Ein Monumentalfilm der Spitzenklasse? Bombastisches Kino Entertainment allemal. Leider muss hier auch fairerweise erwähnt werden, das historischer Stoff zu Hollywood-Popcornformat verwurstet wurde und das, sich ohne dabei vor Fakten verbürgen zu müssen. Auch wenn nur alles lose um die real existierenden Figuren gesponnen, das ein oder andere abgeändert und weggelassen wurde, gelang es Filmmaster Scott, durch panoramahafte Territorien, authentische Bilder, die es schaffen, mittelalterliche Atmosphäre zu zeugen, die der Zuschauer deutlich einsaugen kann, einen dreistündigen (nur im sagenhaften Director's Cut) Schlachtentümmler zu fabrizieren.
Abgerundet, wie es sich für filmhistorischen Stoff gehört, mit saftig geführten Schwertkämpfen, Massenschlachten, die leider etwas spärlicher ausfielen, wie bei "Braveheart" und spritzenden, roten Nass zwischen den Zeilen. Dazu bindet der Kinofilm, der klasse mit kampferprobten Stars wie Orlando Bloom (Fluch der Karibik) und Liam Neeson (Rob Roy) besetzt wurde, im Vordergrund die Lebens-und Liebesgeschichte des jungen Balian mit ein, dessen Aufstieg zum Ehrenritter mit allen Widrigkeiten versehen wurde. Und so wird der eigentliche Erzählkern im Drehbuch durch gewohnte Algorithmen in der Geschichte der Menschheit, wie beharrliche integrante Vorgehensweisen mit allen Schmutzigkeiten durchgewaschen. Präferenzen, die so jeden Geschichtsfilm prägten und ohne Sie kaum funktionieren dürften. Aber auch die Nebenrollen wurden hier exzellent gecastet: Von Jeremy Irons bis Brendan Gleeson und Edward Norton, unerkannt hinter der Eisenmaske, liefert hier jeder seine Performance souverän ab.
Ridley Scott berauscht wieder einmal mehr in sagenhaften Bildern, lässt diese in sanften, antiken Klängen schwelgen und lässt einmal mehr die Kameraarbeit sprechen, die einen Grossteil dieser effektvollen Arbeit ausmacht, auch wenn kein Michael Ballhaus hinter der Linse stand. So vermittelt der anspannungsgeladene Kampf um das Heilige Jerusalem die Wurzeln der bis heute anhaltenden Religionskriege zwischen Christentum und Islam, die spätestens mit den Kreuzzügen ihren bedeutenden Anfang nahm und die Sinnlosigkeit verdeutlichen. All diese Motive verpackte Scott nebenher in den Streifen, der sich neben oben genannten Gegenstand, vor allem um Machtgebaren, falschen Ruhm und Selbstgefälligkeit dreht.
Sagenhaft pompös polierte Kulissen, dreckig-blutige Massenszenen und ein vollgepacktes, wenn auch historisch ungenaues Skript, fesseln von der ersten Minute an. Auch der hervorragenden Darstellerriege ist es zu verdanken, das hier Popcornlastiges Hollywoodentertainment heraussprang. Ridley Scott hat es wieder einmal geschafft, wenn auch nicht so anspruchsvoll wie einstige Erfolge, den Zuschauer zu verzaubern.
Ist die FSK:16 Freigabe gerechtfertigt? Im Director's Cut, den ich hier naheliegen will und bevorzuge, ist diese Freigabe gerechtfertigt, da es einige blutig-barsche Szenen gibt.