Wer denkt, der Post - Festtag-ÖPNV sei die schlimmste Form psychischer Folter seit dem berüchtigten Sylter Punkrock - Massaker, dem seien ein paar Dinge gesagt: 1. Ich feier die bunthaarigen Brüder immer noch und 2. steigt mal in irgendeinen Zug eurer Wahl an irgendeinem durchschnittlichen Bundesligawochenende, dann wisst ihr, was grausam ist. Alternativ tun es auch Trips, auf denen man sich das Abteil mit tourenden Kegelbrüdern, marodierenden Rentnerbanden auf dem Weg in den Saufurlaub oder JunggesellInnenabschiedsgesellschaften teilt. Die etwas harmloseren Variante dazu wäre "Horrorsex im Nachzexpress". Das Grauen hier mag zwar eine ganz andere, bedeutend fiesere Dimension einnehmen, ist aber nach knapp 90 Minuten endlich vorbei, während das Gegröhle oben genannter Gruppen noch am Ziel Bahnhof weitergeht und sich im schlimmsten Fall im Folgezug fortsetzt. Nein danke. Dann doch lieber Schänderkino gemütlich vom Sofa aus.
Das ist hier ein ähnlicher Fall wie bei "Malabimba" und "Im Sexschloss des Satans" : beide Filme ähnlich sich stark, beide Filme machen Spaß. Dieses schmierigere, kunstbereinigte äquivalent zu "Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien" packt mich nicht ganz so wie die offensichtliche Vorlage, hat mir aber dennoch durchaus gefallen.
Wer die Auffassung vertritt, dass sich abends nur Gesocks am Bahnhof rumtreibt hat hier tendenziell Recht, wenn auch eher auf die Fahrgäste der Oberschicht bezogen. Da hätten wir beispielsweise eine junge Prostituierte, die den ICE als fahrendes Bordell nutzt, ihr Quasi - Zuhälter, einen früh ergrauten Zughelfer (sozusagen ein Zughälter), ein unschuldige Rentnerpärchen auf dem steinigen Weg in eine Spezialklinik und eine reiche Familie, deren Vater unangenehm auf seine eigene Tochter fixiert ist. Dazu gesellen sich ein genervt es Trophäenweib, dass gegen ihren Göttergatten rebelliert, ein Geschäftsmann, der mit seinem smithersartigen Adjutanten anreist, einen Polizisten mit auszuweisendrm Sträfling im Schlepptau und zu guter Letzte ein Haufen Oberschichtassis, die laut, unverschämt und psychopathisch über den Zug und seine Fahrgäste herfallen.
Und das alles nur, weil die drei Kerle chronisch übersrogt, abgefuckt und untervögelt sind: erst muss die Trophywife in einem sexuellem Doppel mit zweien der Drei dran glauben, dann verhandelt man über die Jungfernschaft der Tochter es Fritzlverschnittes, deren Schändung dann wiederrum nur abgewendet werden kann, indem alle Insassen für ein Extragehalt der Schienennutte zusamnenwerfen. Zwischendurch denkt man sich immer wieder kleinere Sadismen aus und am Ende rettet nur einnungeplanter Halt und der Terrorist im Gepäck des Provinzbullen den Tag. Ende.
Der Gialloanteil der Aldo Lado-Vorlage geht hier gen 0, der Sleazeanteil ist hier allerdings so hoch aufgedreht, dass man den Film am liebsten in der hintersten Ecke seiner Sammlung verstecken will. Allein die Sexszene zwischen Carlo De Mejo und Zora Kerova ist das Eintrittsgeld schon wert. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem Andrea Scotti sich dazugesellt und alles in Vergewaltigung Umschläge. De Mejo cosplayt hier übrigens David Hess' Rolle aus "Das letzte Haus links" und driftet dabei gelegentlich mimisch in schräge Will Ferrell - Abgründe ab.
Wo wir gerade beim Cast sind: der hat neben De Mejo (aka Psychologe Jerry aus "Ein Zombie hing am Glockenseil") und Kerova (die "Hängetitte" aus "Die Rache der Kannibalen") mit Werner Pochat (aka "Mosquito der Schänder") und Venantino Venantini (der Bohrmaschinentyp aus dem Glockenseil Zombie, ebenfalls bei den Kannibalen zu Gast) noch weitere beliebte Genregesichter im Cast. Ein kleines Italohorror-Allstartteffen also, scripttechnisch von "Maneater" Luigi Montefiori aka George Eastman orchestriert und von Marcello Giombini auf dem schmalen Grad zwischen Krautrock, Disco und Orgelrequiem beschallt.
Viele Wege führen nach Rom und einige sogar bergab mit Umleitung über Stockholm. Im Grunde genommen vereint der Film Stoffe für mehrere Kurzthriller in sich und bietet einen krachenden Tabubruch nach dem nächsten. Wer also gerade nicht damit beschäftigt ist, seinen Adjutanten zum Porno kaufen vor zuschicken oder sich wegen seiner fragwürdigen Sexualvorlieben therapieren zu lassen kann dem Film eine Chance geben. Als Hintergruddbeschallung zum Pimpern mit dem eigenen Geiselnehmer oder zu einer rebellischen Kurzromanze im fahrenden Amokzug könnte der Streifen sich aber auch gut eignen. Oder halt als bloße Erinnerung, dass es in Sachen ÖPNV-Horror immer noch schlimme kommen könnte.