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Wenn der (deutsche) Titel so dick aufträgt, sollte man ja mindestens Werwölfe, Vampire oder Ghouls erwarten, die sich über ein Dutzend nackter Jungfrauen hermachen. Doch die nächtlichen Vorfälle im Zug tendieren eher in Richtung Terror mit Softsex. Dabei hätte der bereits 1967 entstandene „Incident“ eine gute Steilvorlage geliefert, wie man es effektiver hätte angehen können.

Ein Nachtexpress irgendwo im südlichen Europa: Während bereits verschiedene Gäste ihr Schlafabteil aufgesucht haben, zetteln drei Provokateure perfide Spiele mit den Anwesenden an, um sie entweder sexuell zu bedrängen oder per Waffengewalt in Schach zu halten. Unter ihnen auch ein Polizist mit einem Gefangenen…

Die Geschichte bringt es fertig, kaum einen Sympathieträger hervorzukitzeln, obgleich die illustre Gästeschar recht individuell ausfällt. Es gibt die Zugprostituierte, einen korrupten Schaffner, eine Familie mit pädophil veranlagten Vater und ein älteres Paar mit kranker Frau. Der dazugehörige Mann kümmert sich immerhin einigermaßen liebevoll, doch im weiteren Verlauf bleibt dieser zu passiv.

Schlimmer ist es jedoch um den Polizisten bestellt, der sich mit simplen Mitteln austricksen lässt und anschließend selbst in Handschellen landet. Da unter den übrigen Gästen niemand vehement aufbegehrt, können die drei Schurken freien Willens schalten und walten, was natürlich auch das Ausnutzen weiblicher Anwesenheit impliziert.

Zwar werden die meisten Damen komplett entkleidet, doch dem folgt etwa nicht ein rauer Umgang, wenn man mal vom penetranten Ablecken der Triebtäter absieht, als wäre die Frau eine lebensgroße Briefmarke. Ergo wird geschmust und geknutscht und rasch geben die Frauen ihren anfänglichen Widerstand auf, weil das Anfang der 80er so Brauch war. Terror und daraus erfolgendes Leid sieht anders aus. Dabei fand sich mit Werner Pochath gar ein richtig überzeugend performender Anführer der Fieslinge, der manch schwach auftretenden Mimen grundlegend die Show stielt.

Wie uninspiriert die Chose zusammengewürfelt wurde, offenbart sich nicht nur anhand der Zwischenschnitte auf fahrende Züge bei Nacht, welche kaum Details erkennen lassen. Die Stimmung unter den Gästen schwankt recht willkürlich, verstärkt wird dies durch unbeholfene Schnitte und einer recht eingängigen Melodie, welche im Verlauf jedoch maßlos überstrapaziert wird. Jenes Finale wird ferner zu rasch abgehandelt, um überhaupt ein Mitfiebern aufkommen zu lassen.

Leider wird bereits jede Form von Gesellschaftskritik im Keim erstickt, während der Terroraktionen fließt nahezu kein Blut und wer ein paar erotische Einlagen erwartet, muss sich mit aneinander schmiegenden Körpern begnügen, die nicht gerade prickelnde Aktionen vollziehen. Die knapp 81 Minuten im Nachtexpress gestalten sich nicht gänzlich langweilig, reißerischer Terror sollte jedoch nicht erwartet werden.
Knapp
5 von 10



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