Die Hoffnung auf ein intelligentes Dialogsystem ist in Read Lips ebenso eine Mogelpackung wie die dazugehörige Geschichte selber, erst als Vorwand, um sich mit wenigen Scherzen ins Gespräch zu bringen, und dann nach guten 40min wahrlich irrelevantem Aufgeputztsein so etwas wie ein Motiv auch für die zweite Hälfte zu haben. Natürlich wird getreu des Titels etwas von den Lippen abgelesen, allerdings kein Herzensbedürfnis bzw. ein Intuitives, was der Andere sich wünscht, sondern der Auftrag für eine kriminelle Angelegenheit, die die eigentlich unbeteiligte "Hörerschaft" in die Zwickmühle bringt. Etwas tun zu müssen, worauf er gar nicht eingestellt war, zumal ihm die zuständige Polizei die unglaubwürdig klingenden Fakten selber so schnell auch nicht abnehmen.
Das klassische Hitchcock-Dilemma hier in einer Aneinanderreihung slapstickreicher, schallend geräuschvoller und tobend geschwinder, aber ebenso flüchtiger Dauerbewegung, vorzugsweise Verfolgungsjagden sowie altertümliches Verstecken und Narren. Ein neckisch dekoratives, gleichfalls reaktionsfähiges und kurzerhand oberflächliches Gebaren, dem eindeutig genau die Ecken und Kanten fehlen, die der hiesige Leinwanddebütant Frankie Chan in seinen nachfolgend selbständigen Regiearbeiten später gewinnbringend einsetzen vermag.
Zu pflichtvergessen wird sich hier in einem stimmungsvollen Strudel aus Baufälligkeit, Unbestimmtheit und Achtlosigkeit ergangen, zu ungenau oder auch unkonzentriert sowohl das einleitende Vorspiel als auch der Aufruf zur Pirsch und die Jagd selber angegangen. Mit einer leichtlebig losen Un-Dramaturgie in einer so überaus frohgemut eingestuften Atmosphäre, dass nicht einmal eine temporäre Thriller light Variante, sondern nur der blanke short performance Spaß daran und darum entsteht. Nahezu jederzeit macht sich der Eindruck systematischer Selbstverkleinerung auf das diffus Periphere, der daseinsfreudigen Lebenslust und der Ausdruck vollständiger Erleichterung breit. Ein komplettes Komik- oder auch Comicmilieu, in dessen raumergreifend populistischer Wohllaune nichts und Niemand ernst genommen, sondern nur und dann auch umso energischer Alles ins Lächerliche oder Absurde oder zumindest Übersteigerte verdreht und nötigenfalls auch gezwängt wird. Lots of disco and a big brawl at the end.:
Frankie Fan, Spitzname "Tomato" [ Frankie Chan ] arbeitet auf Grund seiner früh erlernten und meist für Taschenspielertricks und Mogeleien angewendeten Kunst des Lippenlesen als Sychronautor und dubbing voice beim Film, hilft allerdings auch einem seiner Jugendfreunde, einem Privatdetektiv [ Chen Chi-Hwa ] zuweilen bei Tätigkeiten aus. Als Beide zusammen mit zwei weiteren Kumpels [ Eric Tsang & Ding Yue ] ín Macau auf die Hunderennbahn gehen, kommt Frankie durch ein aus dem Kontext gerissenen, zufällig aufgeschnappten Gesprächsfetzen in den Kontakt mit der Radiomoderatorin Shelly [ Suet Lee ], die er anfangs für eine Hure hält, sich aber trotzdem in die junge attraktive Frau verguckt, auch wenn er bei der ersten Annäherung unabsichtlich fast mit ihrer Schwester [ Michelle Yim ] in den Laken landet. Auch beim nachfolgend richtigen Date wird seine Aufmerksamkeit abgelenkt, erspäht er per Fernglas doch eine weit entfernte Konversation, die sich bruchstückenhaft um ein kommendes Verbrechen und seine Eckdaten dreht. Da Inspector Fatty [ Kent Cheng ], der zwar die eigentliche Zielperson ist, aber Fan durch mehrere Reibereien nicht ausstehen kann, den wenigen Hinweisen nicht nachgeht, beschließen dieser und seine neue Begleitung, der vierköpfigen Schurkenbande [ San Kuai, To Siu-Ming, Lung Ying, Paul Wong Kwan ] und ihres Hintermannes allein gegenüber zu treten.
Die Hommage an den Stummfilm, die Parodie der Vorbilder, das Bonmot der durchweg präsenten Karikatur. Das erinnert in besseren Momenten entweder an die noch folgenden Sammo Hung / Jackie Chan Vehikel vorzugsweise auch der frühen Achtziger, vielleicht auch ein wenig an die gleichfalls stimmungsvolle, die Stärken des Martial Arts zusätzlich einschränkende, insgesamt noch vergnügungssüchtiger gehaltene Aces Go Places Reihe mit ihrer mehrjährigen Kreation durch Destruktion. In einer schrottreifen Materialschlacht-Ära angesiedelt, die im Zwischenzustand aus Labilität, Orientierungs-, Perspektiv- und Ausweglosigkeit gefangen war und so mit aller Beflissenheit den Kniefall vor der lauten Ablenkung gemacht hat. Ein Schutzschild der Leichtfertigkeit, der sich im Folgenden mit vielen sehr kleinen, naiv ausgelassenen und so manch hanebüchenen Actionelementen [ z.b. eine Verfolgungsjagd, in dem der benutzte Linienbus trotz der Häscher fahrplangemäß an jeder Haltestelle und dann noch schlussendlich der Endstation heranfährt. ] artikuliert. Ein erstmal abwechslungsreiches amusement distraction um des Effektes unkomplizierter Pantomime willens. Unerschütterliche Zerstreuung um jeden Preis. Kalauer im steten Wechsel von Zu-, An- und Abneigung. Ein grund-, belang- und einflussloses Unterhaltungsgelage mit Selbstzweifel über die eigene gesellschaftliche Rolle, bei dem die einstmalige Ergötzung daran durch Reduktion auf Konvention, Permanentkonsum und Übernutzung schon so abgestumpft ist, dass nur noch die Extreme von angestrebten überraschenden Begegnungen ein wenig augenblickliche, gleichfalls vergängliche Wirkung auslösen.
Deswegen bleibt auch hier im stetigen Stolpern, Fallen, irgendwo Gegenlaufen nur eine Szene zurück, die, wiewohl nur episodisch gehalten und deswegen nicht fortbestehend für die divertissement-spectacle Handlung oder gar entscheidend oder wenigstens wichtig ist, dennoch am Stärksten Impressionen schinden und sich als surreales Erinnerungsbild gestörter Verhältnisse ins strapazierend übersättigte Gedächtnis einbrennen kann. Eine Szene, die Fan samt bezaubernden Anhang erst in eine geschlechtssensibel statt -spezifisch eingestellte Nachtbar, in die Bekanntschaft ihres extravagant kostümierten und geschminkten Sängers Meadow [ Danny Chow ] und anschließend auf sein Hausboot führt. Getreu des vorherrschenden Humorverständnisses, dass sachfremde Zusammenhänge, in denen Bekanntes unbekannt und Vertrautes absurd erscheint, gerne auch mittels Wortwitz in entsprechende Bilder umsetzen und die Ironie aus der buchstabengetreuen Anwendung pressen mag, befindet sich das Boot, eine stilechte Yacht mit allem Schnickschnack natürlich direkt im Haus. In dem sich auch ein anliegendes Hafenbecken vorfinden und per einigen nützlich wenigen Knopfdrücken auch ein täuschend urwüchsiger Sturm simulieren lässt. Die Suche nach dem Absoluten führt direkt in eine Traumfabrik, die medial fabrizierte Scheinwelt, die Schaufenster leerer Versprechungen.