Angenehm konventionelles Material für einen Thriller, den zwei richtig gute Hauptdarsteller noch um eine Stufe aufwerten. Die Story bedient sich zwar hinlänglich bekannter Ideen, präsentiert diese aber ohne größere Hänger und nur gegen Ende mit einigen Unzulänglichkeiten.
Eine Millionärsgattin wurde soeben entführt und in einer Kiste irgendwo im Wald lebendig begraben, ihr bleiben maximal 24 Stunden Zeit, bevor der Sauerstoff ausgeht. Die geforderte Geldübergabe findet statt, danach wird der Entführer gestellt, doch der spielt ein perfides Spiel mit den Cops, indem er sich über den Aufenthaltsort seines Opfers ausschweigt, während die Zeit immer knapper wird.
Im Zentrum stehen zwei Figuren: Auf der Täterseite der Mann ohne Identität, der sich selbst Harry Houdini (Adrien Brody) nennt und dem Vorbild von Entfesselungskünstler erfolgreich nacheifert.
Seine Entführung war bis ins kleinste Detail geplant und erst mit seiner Gefangennahme beginnt ein fieses Katz und Maus Spiel.
Auf der Heldenseite haben wir Det. Madeline Foster (Maura Tierney), die im Privatleben mehr Schwierigkeiten als Erfolge vorzuweisen hat. Sie hat ein Alkoholproblem und lässt sich beim Fremdgehen Zigaretten auf dem Arm ausdrücken. Diese masochistische Veranlagung spürt auch Harry während des Verhörs und kann sie damit psychologisch unter Druck setzen.
Während sich die zweite Filmhälfte überwiegend dem Psychoduell zwischen Harry und Madeline widmet und dabei unweigerlich an Vorbilder wie „Schweigen der Lämmer“ erinnert, kommen zu Beginn noch ein paar kleine Actionszenen zum Einsatz.
Mit der Figureneinführung Madelines bringt man zumindest ein Paradebeispiel eines pflichtbewussten Cops, indem sie während ihrer Freizeit in der Bahn fährt, einen verdächtigen Fahrgast beobachtet, von irgendwoher eine Akte mit Fotos von Gesuchten hervorkramt und kurz darauf eine Verfolgung nebst Schießerei stattfindet.
Später, wenn sie Harry nach der Geldübergabe im Auto verfolgt, kommt ebenfalls ein wenig Tempo auf, auch wenn die Jagd an sich nichts Spektakuläres bietet.
Dank zweier herausragender Darsteller ist das spätere Duell zwischen Adrian Brody und Maura Tierney recht ansehnlich ausgefallen, da die Figuren durchaus psychologisch durchleuchtet werden.
Brody verkörpert gekonnt den überheblichen und zugleich coolen Part, der so unberechenbar facettenreich agiert, dass allein seine Figur Spannung erzeugt.
Tierney spielt ebenfalls überzeugend, nur zu ihrem Charakter erhält der Zuschauer zu wenige Hintergründe. Man erfährt leider zu keiner Zeit, was der Auslöser für ihre masochistischen Neigungen ist, noch warum es in der Ehe zwischen ihr und dem Polizeichef kriselt und warum sie ein Alkoholproblem hat oder hatte.
Das führt dann gegen Ende auch zu einigen Aussetzern in Sachen Logik, denn ihr Gegenüber entschlüsselt mehr über ihr Wesen, als der Zuschauer es je könnte und kann so seine geplante Tat ohne größere Hindernisse weiterhin durchziehen, was ein wenig überkonstruiert anmutet, - jedoch dadurch nichts an Spannung einbüßt.
Denn so simpel das Sujet der Story auch ist, es lässt nie Langeweile aufkommen und der Wettlauf mit der Zeit gestaltet sich angenehm kurzweilig.
Dabei steht über allem ständig die Frage, wie man bei einem gefassten Täter zu Werke geht, der lebensrettende Informationen hat, sie aber nicht preisgeben will und stattdessen mit den Ermittelnden spielt und sogar das FBI in die Irre führt.
Erstaunlicherweise werden Selbstjustiz und Folter nahezu ausgeklammert, lediglich ein FBI-Beamter spricht zur Einschüchterung über die Todesstrafe, was dem Streifen in moralischer Hinsicht zugute kommt, dadurch aber nicht weniger gemein wirkt.
Dabei steht das Opfer weitaus weniger im Vordergrund als zunächst vermutet und wird nur in kurzen Zwischenschnitten gezeigt. Glücklicherweise, denn wer will schon 90 Minuten einer hysterischen Frau mit Taschenlampe in einer Kiste beiwohnen.
Dann doch lieber Brody und Tierney, die mit einem packenden, wenn auch psychologisch nicht immer astreinen Duell den Laden schmeißen.
Ein ansehnlicher kleiner Film für Zwischendurch, der zwar ein wenig Raffinesse und unerwartete Wendungen vermissen lässt, mit den guten Darstellern aber einige Schwachpunkte ausbügeln kann.
7 von 10