Review

Eigentlich kennen wir sie alle eher als gestresste Mutter und geplagte Hausfrau, aus der Hit-TV-Serie "Desperate Housewives", Felicity Huffmann. Doch schon bevor es die gestressten Hausfrauen gab, hatte Huffmann mehrere Auftritte in verschiedenen Filmen, so u.a. in der Stephen King-Verfilmung "Golden Yars" oder in "Magnolia". Doch ein wirklich überragender Filmerfolg sollte ihr bisweilen vorenthalten werden. Bis sie sich den Mut nahm und für die Hauptrolle in "Transamerica" unterschrieb. Von da an ging es auch außerhalb der Hausfrauen-Serie steil bergauf. Ein Golden Globe und eine Oscar-Nominierung sollten der Lohn, für ihre mutige Performance einer transsexuellen Frau, die eines Tages über ihren Sohn stolpert, sein. Endlich hat es "Transamerica" nun auch in die hiesigen Kinos geschafft und auch das deutsche Publikum sollte die Chance bekommen, sich von Huffmann zu überzeugen. Und was soll man sagen? "Transamerica" ist wirkliche eine ungewöhnliche Road-Movie-Komödie der charmantesten Art geworden, die vor allem durch ihre Hauptdarstellerin so gut überzeugen kann.

"Transamerica", dass ist die Geschichte der transsexuellen Bree bzw. dem transsexuellen Stan, der/die kurz vor ihrer finalen Operation zur 100% Frau steht. Doch eines Tages ruft ein junger Mann an und behauptet sein Sohn zu sein. Nach anfänglichem Shock nimmt sich Bree dem Jungen an und fährt mit ihm quer durch Amerika, um ihn "nach Hause" zu bringen. Doch die Fahrt wird turbulenter als man denkt, vor allem als der Junge entdeckt, mit wem er da wirklich unterwegs ist... Die Geschichte und das Drehbuch kann man eigentlich, alles in allem, nur als wunderbar warmherzige Kinounterhaltung bezeichnen. Man hat sich wirklich eine schöne Story ausgedacht, die nicht nur Tiefgang und Würde besitzt, sondern auch viel feinen Humor und unglaublich charmante und zu Herzen gehende Figuren besitzt. Kleinere Plotholes, auf die ich später noch zu sprechen komme, sind zwar leider vorhanden, doch im Großen und Ganzen kann man die Geschichte nur als gelungen bezeichnen.

Dabei ist es vor allem dem wunderbaren Witz zu verdanken, dass der Film so gut geworden ist. Denn "Transamerica" ist eigentlich eine feinfühlige Komödie durch und durch, die erst zum Ende hin ins dramatische kippt. Bis dahin regieren wunderbare Schmunzeleinheiten, die natürlich hauptsächlich aus Brees einzelnem Verhalten und Problemen resultieren und das auf eine positive Art und Weise. Denn zu keinem Zeitpunkt macht sich der Film über Transsexuelle lustig oder zieht sie gar ins Lächerliche, sondern kitzelt einfach nur, auf eine tiefgreifende und feinfühlige Art und Weise, die komischen Seiten des transsexuellen Daseins heraus, so wie sie auch beim ganz "normalen" männlichen und weiblichen Geschlecht vorhanden sind. Als Bsp. sei da die herrliche Transsexuellen-Party erwähnt, die wirklich rundum köstlich ist.

Aber natürlich will "Transamerica" nicht nur komisch sein. Denn genauso wie man über die einzelnen Probleme schmunzeln kann, so können sie einen mitunter auch berühren. Und so kippt das Ganze dann auch immer wieder zwischendurch und vor allem am Ende ins Dramatische um, in dem u.a. gezeigt wird, wie Bree ihren Sohn für kurze Zeit "verliert" als dieser herausfindet, das er die ganze Zeit mit seinem Vater unterwegs war, in den er sich als Bree, nichtsahnend, verliebt hat. Des weiteren werden auch Themen wie die Probleme des Elternhauses eines Transsexuellen angeschnitten und eben der ewige Kampf, endlich 100% das zu sein, was man im Inneren fühlt. Und auch diese (verhältnismäßig geringen) dramatischen Seiten des Films sind absolut gelungen, ohne sonderlich kitschig zu wirken oder auf die Tränendrüse zu drücken. Es geht einem einfach nur zu Herzen.

Doch nicht nur der Inhalt des Films stimmt, auch das ganze Drumherum ist Gold wert. Zwar ist die Inszenierung, Genrebedingt, natürlich nicht sonderlich aufwändig geraten, dennoch bekommt man genau das, was man bei einer Tragikomödie erwarten darf. Die Kulissen sind stimmig, die Musik (incl. dem Oscarnominiertem Song von Country-Legende Dolly Parton) noch viel mehr und die Arbeit der Maskenbildner ist einfach nur grandios. Die Maskerade der Huffmann ist wirklich ideal und glaubwürdig in allen Belangen. Wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man glatt meinen es mit einer echten Transe (bitte nicht falsch verstehen) zu tun zu haben. Allein schon was man aus Huffmanns Gesicht gemacht hat, ist schlicht Oscarreif.

Aber nicht nur die Maskerade macht aus Huffmann einen glaubwürdigen Mann der eine Frau sein möchte, auch die Darstellerin selbst ist hier schlichtweg atemberaubend. Man kann ihre Leistung kaum in Worte fassen. Nicht nur das sie ihre Rolle verdammt glaubwürdig meistert, man spürt als Zuschauer regelrecht, wie viel Freude ihr diese Figur gemacht haben muss. Intensiv, realistisch und mit unglaublich viel Mut, stellt sie ihre transsexuelle Rolle so perfekt da, wie es nur irgendwie möglich ist. Sogar bei zwei kurzen Nacktszenen (einmal mit künstlichem Penis und einmal ohne) zeigt sie keinerlei Scheu und geht dadurch förmlich in ihrer Rolle auf. Wer Angst hatte, dass sie eventuell irgendwie in ihre Rolle als Lynette (aus "Desperate Housewives") rutschen könnte, der kann hiermit jedenfalls beruhigt sein. Huffmann vermischt diese beiden Rollen zu keinem Zeitpunkt, sondern ist hier einzig und allen Bree! Absolute Spitzenklasse, kann man da nur sagen!

Dazu dann noch einige andere bekannte Gesichter, wie z. Bsp. Kevin Zegers, der hier den schwulen Sohn von Bree darstellt und seinen kaputten, drogenabhängigen und dabei dennoch recht munteren Charaktere wirklich ideal und ohne Scheu verkörpert. Weiterhin Fionnula Flanagan als geschockte Mutter von Stan/Bree und Burt Young als sein/ihr Vater. Aber egal wenn man da nimmt, auch die Nebenrollen sind wirklich allesamt, bis zum letzten Part, ideal besetzt.

Das es trotz aller positiver Details dennoch nicht ganz zur Höchstwertung reicht, dafür sind leider vor allem zwei Sachen zuständig. Zum einen sind es die, schon angesprochenen, Plotholes, die zwar gering, aber doch spürbar vorhanden sind. So verwundert es den Zuschauer z. Bsp. das Brees Sohn Toby so mir nichts dir nichts mit der merkwürdigen Frau mitfährt, obwohl er sie doch eigentlich in keinster Weise kennt und auch erst nach einiger Zeit auf die Idee kommt zu fragen, warum sie das alles überhaupt für ihn tut. Und auch im späteren Verlauf hat man leider immer wieder das Gefühl, dass irgend etwas fehlt.

Zum anderen enttäuscht einem zudem das Ende ein wenig. Nachdem Toby herausgefunden hat, das Bree in Wirklichkeit sein Vater ist, haut er ab und fängt an Pornofilme zu drehen. Doch schon nach wenigen Tagen kehrt er zu seinem Vater (der nun wirklich voll und ganz eine Frau ist) zurück und alles ist plötzlich wieder in Butter und der Abspann beginnt. Da hätte ich mir persönlich doch etwas mehr erhofft, als das nach fünf Minuten Film plötzlich wieder alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Aber nun gut.

Fazit: Wunderbares, witziges und zu herzergehendes Roadmovie der besonderen Art, mit einer (vor allem für Amerika) unglaublich mutigen Thematik, die in eine schöne und charmante Geschichte verpackt wurde, die vollauf überzeugen kann. Sanfter und niemals lächerlich wirkender Humor, gepaart mit einer kleineren Portion Dramatik und grandios gezeichneten Figuren, ergeben 100 Minuten beste Kinounterhaltung, die zudem durch ihre wunderbare Inszenierung und einer Hauptdarstellerin, die wirklich alle Erwartungen des Zuschauers sprengt, auch exzellent auf Zelluloid gebannt wurde. Hätte es da nicht ein paar Stolpersteine, in Form von Plotholes, in der Geschichte gegeben und wäre das Ende etwas ausführlicher ausgefallen, dann wäre eine Benotung in den höchsten Wertungsregionen durchaus drinnen gewesen. Somit reicht es aber immer noch zu sehr guten 8 Punkten, die wirklich mehr als verdient sind!

Wertung: 8/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme