„Ihr bürgerlich-liberalen Spießer müsst erkennen, dass eure Zeit aus ist!“
Der Sleaze-Gangster-Thriller „Im Knast der perversen Mädchen“ aus dem Jahre 1978 ist die einzige Regiearbeit des italienischen Schauspielers Giovanni Brusadori („Zeder – Denn Tote kehren wieder“). Der deutsche Titel ist irreführend, denn es handelt sich mitnichten um einen Women-in-Prison-Film. Das Drehbuch stammt von George Eastman, der sich vor allem als Schauspieler („Man-Eater“) einen Namen gemacht hat.
Vier, ähm, „Damen“ brechen aus dem Gefängnis aus. Die Anführerin der flügge Gewordenen ist die verurteilte „Linksterroristin“ Monica (Lilli Carati, „Oben ohne, unten Jeans“), die die Flucht mit ihrem Bruder Pierre plante. Doch der wird während der Flucht angeschossen und das Fluchtauto in einen Unfall mit einem mit Tennisspielerinnen besetzten Bus verwickelt. Da dieser noch fahrtüchtig ist, sattelt man kurzerhand um und nimmt die Sportlerinnen mitsamt Fahrer als Geiseln. Die Reise geht zum Landhaus des Vaters einer der Entführten, der pikanterweise derjenige Richter (Filippo De Gara, „Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger“) ist, der seinerzeit Monica verurteilte. Dort verschanzt man sich mit den Geiseln und lässt seinen Trieben freien Lauf. Doch nachdem man mit dem Richter eine Apotheke aufsuchte, um Medikamente für Pierre zu holen, wird die Polizei in Form von Inspektor Zamboni auf die Situation aufmerksam…
„Du bist sogar zum Bumsen zu blöd!“
Der mit einer kräftigen deutschen Schnodder-Synchro versehene Streifen zeigt vier recht unterschiedliche Gefängnisausbrecherinnen, von denen lediglich die als Anführerin auftretende Monica politische Motive hatte. Diese wird zunächst als skrupelloses Monster dargestellt, das für seine ideologischen Ansichten über Leichen geht. Sie liefert sich fleißig Streitgespräche mit dem Richter, voll von klischeehaften Parolen und Beschimpfungen. Ob man Monicas Charakter auf diese Weise bewusst oberflächlich hielt, um sie als wahnhafte Terroristin mit markigen Sprüchen, jedoch ohne wirklichen politischen und menschlichen Tiefgang zu entlarven oder ob man schlicht hierbei schon an seine Grenzen stieß und es gar nicht besser gekonnt hätte, vermag ich nicht zu beurteilen. Ausstrahlung hat die Carati jedenfalls und in ihren besten Momenten erinnert die später ins Hardcore-Porno-Fach gewechselte Schauspielerin an die Französin Isabelle Adjani. Seinen Sleaze-Gehalt bezieht „Im Knast der perversen Mädchen“ aus den Vergewaltigungen durch die drei anderen Frauen, die jedoch eher Männerphantasien gleichen denn tatsächlichem sexuellen Missbrauch. Zudem zeigt man die Knastvögel bei der Körperpflege. Den Richter zwingt man zwischenzeitlich, sich in die Hose zu pinkeln, um ihn zu entwürdigen.
„Bist du taub oder hat dich der Kerl gerade durchs Ohr gebumst?“
Der Beziehung zwischen Monica und dem Richter sowie zum übrigen Ausbrecher-Trio räumt der Film einen gewissen Raum ein und er beginnt zu variieren: Plötzlich erscheint Monica eher sanftmütig und die anderen skrupellos. Der Richter liefert sich eine Prügelei mit Monica und misshandelt sie, nachdem sie einige Flashbacks erlebte. Er schlägt sie ohnmächtig und vergewaltigt sie! Von den anderen wird dies süffisant mit „Die Liebesgeschichte eines Kapitalistenschweins und einer Terroristenhure!“ kommentiert. Vermutlich wollte man durch diesen ungeheuerlichen Vorgang darstellen, wie ähnlich sich die Terroristin und der stets auf Rechtstaatlichkeit pochende Richter letztendlich sind bzw. letzteren als triebhaften Wolf im Schafspelz zeigen, der hinter seiner bürgerlichen Fassade seine niederen Instinkte verbirgt, während sein Opfer wenigstens noch höhere Ziele als Motiv zumindest angab. In der schludrigen Art der Inszenierung jedoch kann diese Szene problemlos auch als legitimierte Racheaktion des männlichen Parts interpretiert werden, was ein Indiz dafür ist, wie schablonenhaft und oberflächlich sowie tendenziell sexistisch „Im Knast der perversen Mädchen“ stets bleibt. Dass Brusadori bei der Umsetzung jegliches Feingefühl vermissen lässt, beweist auch, dass er die Geiseln als fröhlich feiernde Meute zeigt, sobald sie Alkohol zu trinken bekommen: ein Haus voller Mädels + Alkohol = Party, ist doch klar! Als Running Gag hat die etwas Beleibtere der ehemaligen Insassinnen ständig etwas zu essen in der Hand – und in etwa so ernst kann man auch die ja eigentlich sehr akute Bedrohung nehmen bzw. den Film als Ganzes.
Letztlich richtet Monica sich gegen ihre Ausbruchsgenossinnen und das bald folgende Finale lässt den Film ziemlich abrupt mit vielen Toten enden. „Im Knast der perversen Mädchen“ ist ein typisches Beispiel für einen Film, der sich sehr viel besser liest (vermutlich auch in dieser meiner Kritik), als er letztlich ist. Er wurde trotz seines exploitativen Stils recht dröge und spannungsarm umgesetzt und der eher selten wirklich erotische Sleaze-Gehalt reißt da genausowenig raus wie der (Pseudo-)Anspruch, der möglicherweise in Eastmans Drehbuch noch in ernstzunehmenderer Form vorhanden war, jedoch nicht adäquat von Brusadori verfilmt werden konnte. Zur Ehrenrettung sei jedoch angemerkt, dass die deutsche Fassung um satte 17 Minuten (!) in der Handlung gekürzt wurde und sie eventuell deshalb nicht nur ziemlich holterdipolter, sondern generell unrund und profan wirkt. Für Sleaze-Fans womöglich noch von Interesse: In den Nebenrollen findet man mal mehr, mal weniger bekleidet die mal mehr, mal weniger bekannten Ines Pellegrini, Dirce Funari, Ada Pometti, Marina Daunia, Artemia Terenziani und Angela Doria.