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Anfang der Neunziger gab es tatsächlich mal eine Zeit, als Craig Sheffer („Nightbreed“) zu den „heißesten Eisen Hollywoods“ gezählt wurde – vornehmlich aufgrund seiner Rolle in Robert Redfords „a River runs through it“. Nach einer Reihe von guten Produktionen, die jedoch finanziell enttäuschend abschnitten, wie zB „the Program“ oder „Fire in the Sky“, stieg Craig schnell und hart in die B-Film-Liga ab, wo er sich seitdem mit Werken wie „Ritual“, „Flying Virus“, „Dracula 2“ oder den beiden „Turbulence“-Fortsetzungen über Wasser hält.

In „the Fall“ spielt Sheffer den amerikanischen Ex-Anwalt Adam, der nach der Aufgabe seines Jobs zusammen mit Freundin Lisa (Kim Huffman – „Shadowchaser“) nach Budapest gezogen ist, wo sie für den einflussreichen Geschäftsmann Jozsef Kovacs (Jürgen Prochnow – „das Boot“) arbeitet und er sich mit dem Schreiben eines Krimis endlich mal selbst verwirklichen möchte. In der Beziehung kommt es zwischen ihnen aus diesem Grund oft zu Streitereien, da sie ihren Job sehr ernst nimmt und seine sorglose Art nicht nachvollziehen kann.
Kurz nachdem Lisa am Tage eines großen Empfangs für Kovacs zur Arbeit geht, klopft die junge Marta (Helene de Fougerolles – die schöne Leiche aus „Mortal Transfer“) an Adams Tür und stürmt nach dem Öffnen plötzlich in die Wohnung hinein, wobei sie verängstigt sowie verwirrt zu sein scheint – und ein blutiges Messer dabei hat. Sie behauptet, von Männern verfolgt zu werden, welche ihren Mann getötet, ihre Tochter entführt und sie selbst in den letzten Monaten förmlich als Gefangene gehalten haben. Das Blut stamme daher, dass sie einen von ihnen auf ihrer Flucht getötet habe. Abgesehen davon, dass Adam die Sprache der Behörden nicht spricht, kann sie ihn davon überzeugen, nicht die Polizei einzuschalten, da die Verbindungen der Hintermänner bis in höchste Kreise reichen würden. Nicht nur aus seinem Interesse für Krimis heraus, fasziniert ihn die geheimnisvolle Schönheit mitsamt ihrer Geschichte – und so hat sie leichtes Spiel, ihn zu verführen und als aktiven Unterstützer ihres Anliegens zu gewinnen.
Natürlich verspricht er, ihr soweit möglich zu helfen, doch die Lage spitzt sich immer weiter zu: Ihr Verfolger hat seine Suche inzwischen bis auf das alte Apartmenthaus eingrenzen können und geht nun die nur wenigen okkupierten Wohnungen nach und nach ab. Währenddessen offenbart sich auch Martas Rolle als zunehmend mysteriöser, da sie scheinbar vor Adam und Lisa in genau dieser Wohnung gelebt hat und zudem irgendwie in Verbindung mit dem mächtigen Kovacs zu stehen scheint. Ein Katz- und Maus-Spiel entbrennt, in welches alle Beteiligten im Laufe der Zeit und Entfaltung der Ereignisse immer stärker verstrickt werden…

„the Fall“ von Regisseur Andrew Piddington („Supersleuth“) ist ein verschachtelter Thriller, der konsequent auf das Finale zusteuert, in welchem dann die einzelnen Elemente, Aussagen und Zusammenhänge mit einem interessanten Twist aufgelöst werden, der einige Zuschauer jedoch aufgrund seiner Art verärgern dürfte (mir persönlich gefiel er). Die ganze Sache entfaltet sich recht schlüssig sowie nicht allzu weit hergeholt, wodurch der Film positiv abgeschlossen wird.

Der Einstieg ist hervorragend – Marta wird von den beiden Verfolgern durchs nächtliche Budapest gehetzt, bevor sie im Morgengrauen einem von ihnen die Kehle durchschneiden und den anderen abhängen kann. Allein die Einstellung, wie der tödlich Verwundete noch von ihr wegzukriechen versucht und sie ihm dabei nur mit versteinerter Miene beim Sterben zusieht, ist nicht nur von der Kameraführung her perfekt umgesetzt worden. Später, bei Adam in der Wohnung, bekommt man Martas Geschichte in Form von Rückblenden präsentiert, welche ebenfalls das Interesse halten können und sich mit den Aussagen einiger Beteiligten in der Gegenwart einfach nicht decken, so dass man sich ein eigenes Bild darüber machen muss, wessen Version nun glaubwürdiger erscheint. Genau diese Gedanken beschäftigen ja auch Adam im Film – doch da liegt ein Schwachpunkt verborgen, denn diese Hin- und Hergerissenheit wird nie ganz überzeugend deutlich. Natürlich wird er von ihr manipuliert, indem sie ihn verführt und mit ihm schläft, aber man hat zeitweise das Gefühl, dass alles etwas zu einfach verläuft. Zusätzlich häufen sich gerade im Mittelteil die Klischees, was schade ist, denn sie wären fast allesamt vermeidbar gewesen (vor allem die „klassische“ Szene mit der hervorspringenden Katze).

Darstellerisch gibt es hier natürlich nirgends einen Oscar zu gewinnen, doch Helene de Fougerolles („the Race“) spielt die Rolle der Marta absolut herausragend – konstant zwischen lasziv-erotisch und verstört-verschreckt pendelnd, ist sie das (nicht nur optische) Highlight des Films und versprüht genau die nötige geheimnisvoll-faszinierende Ausstrahlung. Gleichzeitig erweckt sie zudem den (vorwiegend männlichen) Beschützerinstinkt, weshalb man auf eine gewisse Weise nachvollziehen kann, warum ihr Adam (trotz des Verhaltens, welches sie zeitweise an den Tag legt) überwiegend glaubt und letztendlich hilft.
Jürgen Prochnow (“Replacement Killers“/“House of the Dead“) mimt den zwielichtigen Geschäftsmann mit kommunistischer Vergangenheit routiniert und ohne herausragende Attribute – derartige Parts hat er schon zuhauf gespielt, weshalb man seinen Auftritt eher unter der Rubrik „been there, done that“ abhaken kann.
Das Problem ist der eingangs erwähnte Craig Sheffer: Es gelingt ihm einfach nicht, die Zerrissenheit zwischen Furcht vor und Faszination für Marta überzeugend zu vermitteln. Er bleibt während der gesamten Dauer blass, was dem Werk ein Teil seines Potentials raubt – schließlich bildet die Interaktion der beiden Figuren einen entscheidenden Faktor fürs Gelingen des Gesamteindrucks. Mit einem würdigeren Partner für de Fougerolles wäre schon deutlich mehr gewonnen gewesen…

Der Drehort Budapest mitsamt seiner „alten“ Architektur bietet einen passenden Hintergrund für die Handlung – dabei ist zu bedenken, dass das 1998 war, also noch bevor jede zweite Produktion aus Kostengründen in die ehemaligen Ostblock-Staaten verlegt wurde. Zudem hat man die politische Geschichte des Landes gut mit eingebunden (aus ehemaligen Vertretern der kommunistischen Partei sind teilweise reiche Geschäftsleute geworden / die Bevölkerung misstraut den Behörden etc) sowie auf die aufstrebende Wirtschaftslage übertragen, in deren Rahmen Männer wie Kovacs sowohl Hoffnung für die Zukunft als auch Angst vor dieser (wegen den weggebrochenen (sichernden) Strukturen) darstellen.
Positiv fällt vor allem die Optik auf: Von den Ansichten der Stadt bis hin zur verwinkelten Architektur der geräumigen Wohnung im größtenteils leer stehenden alten Gebäudekomplex ist alles stimmig sowie mit einer sehr gelungenen Kameraarbeit eingefangen worden. Wilde Schnittfolgen oder Videoclipästhetik sucht man vergebens, was hervorragend zur erzählten Story passt und darüber hinaus nicht von ihr ablenkt.

Leider gelingt es dem Werk nur ganz selten, wirkliche Hochspannung zu generieren. Trotzdem kann das Interesse am Geschehen gehalten sowie auf diese Weise potentielle Langeweile umgangen werden – auch wenn der Verlauf dabei strikt auf die finale Auflösung zusteuert. Es ist schade, dass es dem Regisseur nicht besser gelang, die Möglichkeit einer spannungsgeladenen klaustrophobischen Atmosphäre im Apartment zwischen den beiden Charakteren effizienter auszuschöpfen.

Fazit: „the Fall“ ist ein verschachtelter und schön fotografierter Thriller mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin sowie einem blassen männlichen Hauptdarsteller, der neben letzterer Tatsache zudem noch an einigen verschenkten Möglichkeiten leidet … knappe 6 von 10.

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