Review

Kaufhauskillerkapitalismus


Auf Alex de la Iglesia ist Verlass - einen schlechten Film habe ich vom „spanischen Tarantino“ noch nicht gesehen. Ganz im Gegenteil, meist gefallen mir seine Genremixe sogar ausgesprochen gut und unterhalten saumässig stark. „Crimen Ferpecto“ ist da eher ein Vorreiter als eine Ausnahme zu dieser Regel, denn die kurioses Kaufhausgroteske hat mich voll und ganz weggeblasen. (Milder) Horror, freche Gesellschaftskritik und oberflächliche Shopping Malls gehen gut zusammen, das weiß nicht nur der geneigte Zombiefreund. Doch was dieser temporeiche Schreibfehler hier fabriziert, hat meine kühnsten Erwartungen und Hoffnungen doch nochmal geschickt unterlaufen und überboten. Wir folgen einem geborenen Verkäufer, Rafa, der in einem madrilener Kaufhaus der King ist. Zumindest meint er das oder will es bald endgültig sein. Denn der Job des Abteilungs-/Etagenleiters steht aus und der soll, zusätzlich zu den vielen Affären mit den attraktiven Kolleginnen und dem eiskalten Luxusleben, seinen Status unterstreichen. Doch dann kommt ihm sein biederer Konkurrent aus der Herrenabteilung in die Quere, was zu einer folgenschweren Auseinandersetzung in der Frauenumkleide führt, zu der es auch noch eine mysteriöse Zeugin gibt... 

Während Deutschland noch irgendwo zwischen „Harte Jungs“ und „Keinohrhasen“ unterwegs war, lieferte Spanien vor 15 Jahren solche Querschläger und Kracher ab - Schlussfolgerungen seien da jedem selbst überlassen. „Crimen Ferpecto“ ist jedenfalls köstlich, clever und amüsant bis zum Gehtnichtmehr, spielt gekonnt mit den Schubladen und unseren eigenen Angewohnheiten und Oberflächlichkeiten, setzt uns einen angeknacksten Spiegel vor und grinst dabei diabolisch vor sich hin. Irgendwo zwischen feuchter und Alptraum, zwischen Kaufrausch und Katerstimmung, zwischen ad absurdum geführter Klischees und verdrehter Erwartungen. Hier etwas von „The 'burbs“, da etwas von „An American Werewolf In London“, dann noch eine Brise von de la Iglesias' ganz eigenem Flair und spanischer Hyperaktivität (da braucht man beim Untertitellesen schnelle Augen!). Ich hatte, wie immer bei de la Iglesia, einen guten, flotten Spaß erwartet. „Crimen Ferpecto“ hat mir aber noch viel, viel mehr geliefert und mich positiv überrascht. Daher gibt’s eine dicke Empfehlung für alle, die auf schwarze Sozialkritik und rabenschwarzen Humor stehen. Warum der Mann in Hollywood nicht nochmal eine Chance bekommt... 

Fazit: nicht weniger als höllisch unterhaltsam und außergewöhnlich genial - „Crimen Ferpecto“ ist eines der früheren und besten Werke von Alex de la Iglesia. Intelligent, frech, flott und völlig unberechenbar. Über Machotum und Hässlichkeit, über Clowns und Mode, über Erfolg und Egoismus, Konsum und Kreativität, Kapitalismus und Körperkult. Dieser Film hat Wert, Wichtigkeit & vor allem Cochones! 

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