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Ein Fotograph verliebt sich in eine unerfolgreiche Schauspielerin, welche zudem verheiratet ist. Um ihr näher zu sein finanziert er ein Theaterstück, in welchem sie eine große Rolle spielen kann. Doch der ausbleibende Erfolg und die Suche nach der wahren Liebe aus der Einsamkeit heraus machen allen Beteiligten schwer zu schaffen.
Ums gleich vorweg zu schicken französisches Arthouse Kino ist eine Sache, um die ich eigentlich einen Bogen von Äquator Ausmaßen mache, allerdings hört man speziell über Nachtblende viel von exzellenten Darstellerleistungen, dazu gibts noch Romy Schneider und Klaus Kinski in wichtigen Rollen, also ZDF Kulturkanal angeworfen und reingeblickt.
Um es fazitös gleich vorweg zu schicken, der Film ist sehr anstrengend und verwirrend, die Charaktere die auftreten sind von erlesener Schrägheit und stehen eigentlich kollektiv kurz vor dem Selbstmord. Ein unglücklich verliebter Photograph, eine abgetakelte Schauspielerin, ein verunsicherter Ehemann oder ein Regisseur in Braveheart Gedächtnis Kriegsbemalung sorgen mit ihren unzähligen Sorgen und Nöten für ein zunehmendes Downgefühl seitens des Zuschauers.
Zudem sorgte diese mehr als seltsame, dreieckige Liebesgeschichte bei mir für Verwirrung. Also wenn sich in Baguette Country im wirklichen Leben solche Dialoge und Verhaltensweisen Usus sein sollten, wäre mir das Leben dort deutlich zu kompliziert. Da scheint jeder mit jedem in die Kiste zu steigen, Ehemänner animieren Beinahefremde zum Beischlaf mit der Ehefrau, alles irgendwie strange und zudem noch kompliziert geschildert. Zudem enthält der Film noch einige Szenen die am Rand der Pornografie stehen und dramaturgisch gesehen eigentlich überhaupt nicht notwendig sind.
Dickes, dickes Plus sind dafür die Schauspieler, die mit brillant ganz gut umschrieben sind. Kinski darf einen exaltierten, homosexuellen Schauspieler mit Hang zur Aggression geben und tut dies auf gewohnt eindringliche Weise, aber auch Romy Schneider bekam zu Recht einen Preis für ihre Kunst. Sie verkörpert ihre gefallene Existenz sowohl zerbrechlich als auch kämpferisch echt gut. Auch das restliche Ensemble spielt überdurchschnittlich gut.
Mir persönlich ist die Story zwar zu sehr verschroben und unrealistisch (oder ich hab die Symbolik einfach nicht kapiert), aber sonderlich unterhaltsam fand ich Nachtblende nicht besonders. Die starken Darsteller kämpfen sich tapfer durch den inszenatorischen Nebel. Etwas weniger künstelerische Dramatik wäre hier wohl besser gewesen, so ist Nachtblende absolut kein Mainstream kompatibler Film geworden, der jedoch auf seine Weise auch viele Anhänger gefungen hat.
5/10

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