Jet Li schaffte mit den kommerziell erfolgreichen Filmen „Romeo must Die“ und „Lethal Weapon 4“ in Hollywood den Durchbruch, von seinem Talent war hingegen nicht mehr viel zu sehen. Weitere, kaum bessere Filme, sollten bald folgen. Doch halt, es gab eine Ausnahme die bewies das westlichen Kino sich sehr wohl mit asiatischen Eastern/Kung Fu Elementen vermengen lässt: „Kiss of the Dragon“.
Der Name erinnert nicht nur zufällig an den Bruce Lee Klassiker „Way of the Dragon“, in gewisser Weise ist es eine kleine Hommage an den größten Kampfsportler aller Zeiten. Der französische Erfolgsproduzent und Regisseur Luc Besson (Leon – Der Profi, The Transporter) holte Li nach Europa, das Script stammt von Li selbst. Das Besson ein Händchen für gute Actionfilme hat ist kein Geheimnis, durch seine Leitung und mit den Fähigkeiten des Wushu Meisters Jet Li ist das Actionfeuerwerk quasi vorprogrammiert.
„Kiss of the Dragon“ kann man durchaus als moderne Neuinterpretation diverser Bruce Lee Filme verstehen. Liu Jian (Jet Li), ein chinesischer Geheimagent, erhält einen Auftrag in Paris. Er soll dem französischen Kommissar Richard (Tcheky Karyo) bei der Aufdeckung eines Gangsterrings helfen. Doch Richard ist auch Kopf einer gigantischen Verschwörung und Liu als Zeuge eines grausamen Mordes schon bald auf der Abschussliste. Von einer Armee schwerbewaffneter Handlanger wird Liu quer durch Paris gejagt, nur seine herausragenden Kung Fu Kenntnisse können ihn vor dem sicheren Tod bewahren. Lediglich die drogenabhängige Prostituierte Jessica (Bridget Fonda) scheint ihm etwas Sympathie entgegenzubringen. Als sich heraus stellt das Sie ebenfalls Zeugin des Mordes war, geht Liu in die Offensive...
Schon der Grundplot istvergleichbar mit „Way of the Dragon“. Im Klassiker von 1972 wurde Bruce nach Rom geschickt um seinem Onkel gegen das organisierte Verbrechen zu helfen. Liu, der von dem skrupellosen Verbrecher Richard liebevoll Johnny getauft wird, verschlägt es hingegen in eine andere große europäische Metropole: Paris. Die Ausgangssituation bleibt aber unverändert. Allein in einem fremden Land, konfrontiert mit einer fremden Kultur gilt es seine persönliche Identität zu wahren. Es finden sich aber noch weitere Querverweise auf Bruce Lee Filme. Eine meiner Lieblingsszenen ist als Liu plötzlich in den Kampfsportunterricht einer Polizeiwache stolpert und die ganze Gruppe krankenhausreif schlägt. Diese Szene erinnert sicher nicht nur zufällig an „Fist of Fury“, wo Bruce ein ganzes japanisches Dojo aufmischt. Im Remake „Fist of Legend“ ebenfalls mit Jet Li, ist diese Szene auch enthalten.
Was die Durchschlagskraft angeht nahm man sich wohl ebenfalls Bruce Lee als Vorlage. Im Gegensatz zum sonst in Hongkong/Amerika üblichen Wire Fu, also Kämpfe fernab der geltenden physikalischen Gesetze, setzt man auf ziemlich realistische Kämpfe. Also keine übertriebenen Verrenkungen und dergleichen, dafür aber sehr harte Schläge und Tritte wie es die Situation erfordert. Es wundert daher nicht das die Brutalität vergleichsweise hoch ausfällt. Jet Li darf Essstäbchen in den Hals rammen, Genicke brechen oder Gegner mithilfe von Akupunkturnadeln lähmen. Da „Kiss of the Dragon“ aber nicht nur Martial Arts sondern auch Actionfilm ist, wird auch mit Explosionen, Verfolgungsjagden und Schusswechseln nicht gespart. Die besten Szenen sind aber fest in der Hand von Jet Li, den Besuch im Dojo hab ich ja schon erwähnt aber auch der Fight mit den russischen Karatekämpfern oder dem schwarzen Boxer sind klasse. Kein Wunder, immerhin zeichnet sich Corey Yuen (Fong Sai Yuk), der auch für Besson „The Transporter“ choreographierte, für die Kampfszenen verantwortlich.
Kleine Kritikpunkte am Rand, die bei einem Actionfeuerwerk dieses Kalibers aber kaum ins Gewicht fallen sind die oberflächige Charakterzeichnung z.B. die von Jessica und eine Story die leider nicht konsequent zu Ende erzählt wird. Das Jet Li kein Charakterdarsteller ist sollte hinlänglich bekannt sein, grimmig gucken kann er aber wunderbar. Als Kämpfer ist er hingegen Weltklasse und darauf kommts am Ende an.
Fazit:
„Kiss of the Dragon“ ist ein klasse Martial Arts Actioner der härteren Gangart made in Frankreich. Selten zuvor wurde asiatische Kampfkunst so gut in westliches Actionkino eingearbeitet, ohne sich dem Mainstreamgeschmack anpassen zu müssen. Die Fights sind hart und brutal, besitzen aber trotzdem reichlich Schauwerte. Von den Jet Li Filmen die abseits von Hongkong produziert wurden ist dieser bisher ohne Frage der Beste, auch wenn er nicht an seine früheren Werke wie Fist of Legend“ oder „Once upon a time in China“ heranreicht.
Vom 16`er Cut, also der deutschen Kinoauswertung, möchte ich abraten. Der Film ist uncut ab 18 freigegeben.