Review

Klischeealarm!

SPOILER

Ein Agent der Volkrepublik China fliegt nach Paris, um dort der französischen Polizei, geleitet übrigens von einem Typ, der mit leicht deutschem Akzent Englisch spricht und sicherlich mal wieder ein böser Nazi sein soll, passenderweise auch ein WK-II-U-Boot-Bild in seinem Büro hängen hat und von zwei wasserstoffblonden Kampfhunden in Bomberjacke begleitet wird, zu helfen, irgendetwas aufzuklären. Natürlich ist, und das muß ja so sein, der Nazikommissar der Böse.
Dann gibt es noch die ganz gut davonkommenden französischen Bahnhofspolizeibeamten sowie die Special-forces-Kollegen derselben, die sich halbwegs professionell anstellen und annähernd so was wie realistisch wirken.
Sonst finden sich noch bilaterale Diplomaten, die natürlich als bar jedweder Entscheidungsgewalt dargestellt werden; dazu ein armes amerikanisches Landmädchen das so lange attraktiv wirkt, wie es den Mund geschlossen hält und deren Tochter von dem Nazigestapokommissar festgehalten und die selbst zu Drogenmißbrauch und Prostitution gezwungen wird.
Prügelnde Zuhälter laufen natürlich auch en masse durchs Bild und als Zuhälter-Endgegner gibt es einen muskelbeklebten großstadtamerikanischen Ghettofighter. Ist also viel los in Frankreich.

Ok. Ich hab den Film als angeberischer O-Ton-Fetischist natürlich in selbigem geschaut - weshalb ich wohl auch den Anfang nicht ganz mitbekommen resp. verstanden habe.
Das erste Verwunderliche ist, daß - der Film spielt in FRANKREICH - alle Leute nur Englisch und bis auf den deutschen Gestapokommissar auch noch nahezu akzentfrei sprechen und das ganze Land irgendwie primär anglophon geworden zu sein scheint. Aber gut, man wollte vielleicht sparen und es auch nicht komplizierter als nötig machen und die Vision einer gemeinsamen Weltsprache hat ja durchaus ihren Charme und Französisch kann ich nun auch nicht.
Das zweite ist das doch wohl leicht übetrieben-massive Agentenaufgebot in einem der pariser Hotels, dessen Größe irgendwie schon den halben EU-Sicherheitsetat auffressen dürfte (was jetzt nicht den EU-Etat herabsetzen sondern das Übermaß an Hotelvergeheimagentierung hervorheben soll).
Dann passiert eine verwirrende Handlung, deren Sinn ich nicht so ganz mitbekommen habe und in der Folge ticken alle völlig aus und einer der Agenten (mit einem angenehm britischen Akzent übrigens) ballert aus zwei vollen Mac-Rohren unkontrolliert im Foyer herum. Normal eben.
Später geht es auf einem Boot weiter mit der exzellenten französischen Gestapoarbeit: Bevor sie sich daran machen, den Gesuchten zu verhaften, knallen sie erstmal locker irgendeinen Typen weg, der dummerweise gerade mit dem Gesuchten zusammen am Tisch sitzt und nebenbei auch noch ein bedeutungsvoller chinesischer Diplomat ist. So einfach geht das, wenn man nur will. Wortspielerischerweise konstatiert der Frankapochef danach auch, daß die Diplomatie nun an ihrem Ende und es stattdessen Zeit zum Handeln wäre. Alles ganz easy.

In dem Stil zieht sich das Filmchen dann fort, der chinesische Geheimagent wird immer übermächtiger - die Kampfhunde auch - und kurz vor dem Endkampf - als Einleitung desselben sozusagen, prügelt sich der chinesische Geheimagent durch eine ganze Meute schwarzbegürtelter Taekwondo- oder Kungfu- oder was-auch-immer-Leute, die nun noch schlechter Taekwondo oder Kungfu oder was-auch-immer kämpfen als ich das jetzt auf Japanisch formulieren kann. Auch wenn die dargestellte Kampfweise nun nicht origin aus Japan kommen sollte, so wirkt diese Szene trotzdem so, als ob sie einen - mißlungenen - Seitenhieb auf den ehemaligen WK-II-Gegner darstellen sollte, womit die weiland Achsenmächte filminhärent natürlich aus jedweder Form von Diskursfähigkeit herausgedrängt werden.

Ach ja, und außerdem, darauf sei noch zu achten - für jden, der mal das Pech haben sollte, ein französisches Krankenhaus besuchen zu müssen (das Bezugswort zu "Pech" ist "Krankenhaus", nicht "französisches") - vor dem Haupteingang stehen parkende Krankenwagen, deren Warnlichter, sozusagen als Erstz für Standbeleuchtung, laufen, bis die Batterie leer ist.
Tja, und wenn man dann reingeht, dann steht man erstmal ganz allein auf weiter Flur. Dann muß man schreien und plötzlich ist man mitten in einem Pulk medizinischen Personals und auch schon ins OP-Tuch gehüllt und alles geht ganz schnell.

Der ganz gute Endfight und die lustigen bis wirklich fiesen Akupunkturnadeltricks (including den Ein-Punkt-Kopf-Explosions-Stich, Schrillbill läßt grüßen - ach nein, der kam ja erst später) des chinesischen Geheimagenten durchmengen das, was ich subjektiv als geistigen Dünnpfiff wahrnehme, dann doch mit etwas Festigkeit und somit gibt es dennoch:

3 v. 10 Punkten.

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