Story: Elite-Cop aus China gerät in den Schmuddel-Bezirken von Paris in eine mörderische Intrige aus Verrat und Korruption, die er mithilfe einer Prostituierten, welche Kontakt zum Oberboss hat, bewältigen will.
„Kiss of the Dragon“ markiert eines der ersten Highlights in der noch jungen Hollywood-Karriere des Jet Li, was vor allem an der makellosen Regie Chris Nahons und am routinierten Drehbuch Luc Bessons liegt, der gleichzeitig als Produzent fungierte. Besson erfindet das Action-Genre zwar ebenso wenig neu wie Nahon, aber was geboten wird, ist durchweg zufriedenstellend.
Verschnaufpausen gibt es zunächst nicht, die erste halbe Stunde besteht aus makelloser Action inklusive Hochspannungsmomenten in einem Hotel, wo Jet Li gleich mal beweisen kann, was er drauf hat. Die Glaubwürdigkeit verabschiedet sich da zwar schon (Stichwort: Billardkugel!), aber aufgrund der tollen Inszenierung kann man das ohne weiteres verschmerzen. Neben der anfänglichen Sequenz im Hotel bleiben actionmäßig vor allem die One-Man-Show Jet Lis im Polizeirevier sowie eine Verfolgungsjagd auf einem Schiff in Erinnerung, die in ihrem Ausgang ein wenig an „Auf der Flucht“ erinnert.
Zwischendurch wird die Story der Hure Jessica erzählt, deren Schicksal zwar nicht unbedingt neu ist, aufgrund der tollen Leistung Fondas dennoch zu Herzen geht. Ein Glück, dass sich die Geschichte nicht in Richtung Schmalz entwickelt, sondern stets unterschwellig humorvoll bleibt, da die Charaktere und Lebensumstände Jessicas und Jians verschiedener nicht sein könnten, was ein paar recht amüsante Situationen zur Folge hat. Bloß für die letzte Szene hätte man sich den Kitsch sparen und ein wenig mehr Einfallsreichtum an den Tag legen sollen.
Die Gewalt bewegt sich übrigens auf recht hohem Level, sei es die psychische (der zwanghafte Heroinschuss bei Jessica ging mir extrem an die Nieren) oder auch die graphische, Richards Tod ist beispielsweise der gewalttätigste, der mir in Hollywood in den letzten Jahren unter die Augen gekommen ist, wenn auch nicht ganz glaubwürdig inszeniert.
Abgesehen von einige klischeebehafteten Stellen und kleineren Unglaubwürdigkeiten ist „Kiss of the Dragon“ absolut gelungenes, hartes Actionkino, mit einer tollen Bridget Fonda, Vorzeigebösewicht Thécky Karyo und einem aufstrebenden Jet Li, der immer noch besser kämpfen als schauspielern kann, was in diesem Fall nicht unbedingt schlecht ist. Sehr unterhaltsamer Actionthriller, in atmosphärischen Kulissen eingefangen und nicht ohne ernste Untertöne. Kann man sich ohne Bedenken anschauen.