Taguchi hat gerade den finalen Kampf der Pro-Wrestling-Saison gewonnen und hält triumphierend seinen Meisterschaftsgürtel in die Luft, als dieser ihm plötzlich aus den Händen gerissen wird. Der Kommentator stammelt ungläubig: „Egal, wie man es betrachtet... ein Tintenfisch hat gerade den Ring betreten.“ Und tatsächlich steht da dieser zwei Meter große Tintenfisch im Ring und fordert Taguchi heraus. Dieser hat keine Chance, denn wie soll man einen Full Nelson anwenden, wenn der Opponent doch gar keine Knochen hat.
Minoru Kawasaki bezeichnet sich selbst wohl gerne als „japanischen Ed Wood mit Talent“. Er hat diesem zumindest voraus, dass er augenscheinlich weiß, wie schlecht seine Filme sind, Trash könnte kaum schöner sein.
Ausgehend von dieser umwerfenden Eröffnungssequenz entfaltet sich nämlich ein dramatischer Handlungsbogen voller Herzschmerz, dämlicher Plottwists, skurrilen Situationen und Männern in riesigen Latexkostümen. Der mysteriöse Tintenfischwrestler entpuppt sich als der schon seit Jahren als tot geltende Wrestlingmeister Kan-ichi Iwata, für den seine damalige Freundin und jetzige Verlobte von Taguchi, Miyako noch immer einiges übrig hat. Sorgt diese Dreiecksbeziehung schon für genügend Stress, steht auch noch die Revanche Taguchi – Tintenfisch an, die Prognosen für Taguchi allerdings stehen äußerst schlecht, bis ihm ein sehr zwielichtiges Angebot unterbreitet wird. Soviel sei verraten: Freunde von Meeresfrüchten kommen voll auf ihre Kosten, denn ein Tintenfisch bleibt nicht der einzige wrestlende Meeresbewohner in diesem vor abstrusen Überraschungen triefenden Machwerk mit fulminanter Schlusspointe.
Was Kawasakis Inszenierung so bemerkenswert macht, ist, dass man dem Film zwar ansieht, dass er sich in keiner Sekunde ernst nimmt, die Schauspieler aber trotzdem ernsthaft auf Soap-Opera-Niveau spielen, also nicht gut, aber auch nicht übertrieben schlecht, was den Film noch sonderbarer macht. Er setzt nicht darauf, einen Witz nach dem anderen loszureißen, sondern strotzt vor Situationskomik, gerade weil das Auftreten von mannshohen Meeresfrüchten im Film so normal behandelt wird. Außerdem ist da noch der hohe Kitschfaktor, beispielweise wenn Miyako Kan-ichi versichert, dass sie ihn immer lieben wird, auch wenn er ein Tintenfisch ist. Und die spektakulären Actionszenen kämpfender Gummitiere. Nicht zu vergessen die unvergleichliche Dramatik als die Seegurke ihre wahre Identität enthüllt. Alles ist so unglaublich schlecht, dass man den Film lieben MUSS.
Man kann das Wort „skurril“ gar nicht oft genug im Zusammenhang mit ihm nennen, und es ist eigentlich wider die menschliche Vernunft, diesem Film sieben Punkte zu geben, aber es war einfach ein solch, ähmm, skurriler Spaß, dass ich gar nicht anders kann. Am besten nicht zu viel erwarten, das Gehirn zu Hause lassen oder ihm Theaterkarten schenken, wenn man den Film zu Hause guckt, und mitfiebern, wenn ein Tintenfisch seine alte Liebe zurückerobert und eine zerrüttete Familie wieder zusammenfindet.
Skurril.