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Ein Kameramann im Delirium mit einem Fetisch für Blaufilter, ein FX-Team mit einem Plastikfolienüberschuss und Hauptdarsteller, deren Eignungstest das Auf- und Absetzen ihrer Brillen war, das dürfte wohl den Eindruck für einen Mitteleuropäer normalen Zuschnitts sein, wenn er sich in eine Ausstrahlung von "Mutant City" verirrt.

Dabei ist es ein löblicher Versuch, endlich mal einen berühmten Anime als Realfilm umzusetzen - nur leider muss da auch das Budget stimmen und handwerklich muss es wie am Schnürchen laufen. Aber man kann ja nicht alles haben und deswegen wirkt die ganze Produktion so wild und unbändig improvisiert, dass man sie einfach gern haben muss. Dass der Film dabei nicht unbedingt erträglicher wird, ist ein unschöner Nebeneffekt.

Man muss schon einen Faible für den asiatischen Film haben, um das Gerenne, Geschubse, Gespringe und Gebeame zu ertragen, was hier abläuft, wenn zwei Agenten einer Erdbehörde (Anti-Reptoid-Behörde, yoho!), davon einer mit Reptoid-Blut versehen, Jagd auf die Invasoren (also die Reptoids) machen, von denen ein Anführer mal wieder die Freundschaft der Menschen sucht und ein friedliches Auskommen, sein Sohnemann aber alle Menschen platt machen will.

Angemacht ist das noch mit einer gemischtrassigen Liebesgeschichte, viel Trubel um Vergiftungen, Kompetenzstreitigkeiten, Vertrauen gegenüber Besitzern von Reptoidgenen und viel Glitsch und Blitzeffekten.

Kennzeichen von Action ist da weder die kontinuierlich geschnittene Bilderfolge der schnellen Art, als vielmehr diverse Montagen von Zooms, Großaufnahmen und Standeinstellungen. Mangelnde ILM-Effekte werden durch C-Klasse-Lichteinspielungen und Schatteneffekte ersetzt und wenn den Protagonisten die Haare wehen und sich die Kamera etwas schief stellt, dann weiß man, ist Leben in der Butze. Dass keiner von den Hampelkarls spielen kann und die Reptoids kaum Kampfstern-Galactica-Niveau erreichen, ist da nebensächlich, dafür sieht die Hauptdarstellerin sahnemäßig aus.

Für ein paar Actionszenen vergisst man dann auch die nervige Farbwahl (vorwiegend blau mit Nebel darin, damit man die Kulissen nicht sieht) und bekommt so hinreißende Szenen vorgesetzt, in der Reptoid-Schleim (schnell abfotografierte gezogene Plastikfolie) ein Auto samt Insasse überwuchert. Am Ende ist der Bösling samt Gummitentakeln durch eine Flugzeugturbine gesaugt worden, alles ist Eitel Sonnenschein und ein baldiges gemeinsames Zusammenleben ist gewiss. Fragt sich nur, wie das hätte aussehen können, hätte man 95 Millionen Budget mehr zur Verfügung gehabt (also 100 Millionen).

Für alle, die es hektisch (und interessanterweise nicht zu albern) mögen und nicht allzu viele Drogen eingeschmissen haben, vielleicht ganz interessant, aber wer den Anime kennt, wird höchstens abfällig schnauben. (3/10)

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