Die riesige, pulsierende Metropole ist seit geraumer Zeit von Dämonen infiltriert. Sie leben unerkannt und bestens getarnt inmitten der Menschen. Um diese bösartigen, Raptors bzw. Reptoiden genannte Wesen in Schach zu halten, wurde einerseits ein starkes Magnetfeld errichtet, und andererseits wurde eine Spezialabteilung bei der Polizei gegründet, deren Mitglieder dämonischen Aktivitäten nachspüren. Zwei Polizisten dieser von Sgt. Kayama (Yuen Wo-Ping, Iron Monkey) geführten Einheit sind Taki (Leon Lai Ming, Bodyguards and Assassins) und Ken Kai (Jacky Cheung Hok-Yau, Bullet in the Head), die nun mit einer neuen Strategie ihrer Gegner konfrontiert werden. Mit der gefährlichen Superdroge Happiness planen ihre Widersacher, die Menschheit ins Verderben zu stürzen und die Kontrolle über die Stadt zu übernehmen. Taki und Ken läuft indes die Zeit davon. Verkompliziert wird die Situation dadurch, daß Taki in die schöne Dämonin Gaye (Michelle Reis, Fong Sai Yuk) verliebt ist, die in diese mysteriöse Sache involviert zu sein scheint. Ken wiederum trägt reptoide Gene in sich (seine Mutter war ein Dämon) und muß deren verlockendem Drang nach Übernahme seiner Zellstruktur widerstehen. Die Spur führt das Duo zum Raptor-Oberhaupt Daishu (Tatsuya Nakadai, Yojimbo) und dessen machthungrigen Sohn Shudo (Roy Cheung Yiu-Yeung, Beast Cops).
The Wicked City basiert, wie auch Yoshiaki Kawajiris großartiger Anime-Klassiker Yôjû toshi (Wicked City, 1987), auf der gleichnamigen Romanreihe von Hideyuki Kikuchi, welche in Japan 1985 veröffentlicht wurde. Peter Mak Tai-Kits (To Spy with Love) filmische Adaption ist ein dermaßen furioses Action/Fantasy-Spektakel, daß man es mit eigenen Augen sehen muß, um zu glauben, was da abgeht. Hauptverantwortlich für dieses irrwitzige Bombardement der Sehorgane ist vermutlich Tsui Hark (Peking Opera Blues), der nicht nur zusammen mit Roy Szeto Wai-Cheuk das Drehbuch schrieb, sondern auch an der Produktion beteiligt war. The Wicked City trägt einfach seine außergewöhnliche Handschrift. Oder besser formuliert: Dieser schwindelerregenden Achterbahnfahrt hat Tsui Hark nicht nur seinen fetzigen Stempel aufgedrückt; es sieht eher so aus, als hätte er mit besagtem Stempel wie ein amoklaufender Derwisch irre lachend darauf herumgehämmert. Die Handlung ist so konfus wie das Tempo halsbrecherisch ist, und die Figuren sind lediglich grob skizziert, sodaß man sich weder für sie noch für ihr Schicksal interessiert. Selbst die plump eingeflochtene Liebesgeschichte kann nicht überzeugen, was das große Manko des Streifens nur augenscheinlicher macht. Es mangelt dem Film an Herz.
Gut, The Wicked City ist bei weitem nicht so seelenlos wie zahlreiche Big-Budget-Hochglanzprodukte aus Hollywood, aber von wunderschönen Klassikern wie zum Beispiel A Chinese Ghost Story trennt ihn leider doch einiges. Was ihm jedoch an Herz und Seele fehlt, macht er mit bizarrem Einfallsreichtum und unbändiger Energie (fast) wieder wett. Da "fickt" ein Mann beim Spielen das dämonische Flippergerät, welches orgiastisch stöhnt; später wird ebendiese biomechanische Dämonin in die Gestalt eines lebendigen, kaum zu bändigenden Motorrades gezwungen, welches wie ein wilder Hengst bockt, um den lästigen Fahrer abzuwerfen. An den Sequenzen mit der fliegenden Mörderuhr wiederum hätte bestimmt Salvador Dalí seine helle Freude gehabt. Die kultige, bereits aus Yôjû toshi bekannte Spinnendämonin (auf ihre Vagina dentata mußte leider aus naheliegenden Gründen verzichtet werden) ist ebenso mit dabei wie ein liquides Blob-Wesen, welches sich bevorzugt über Autos hermacht. Und die Reptoiden zeigen sich natürlich in allerlei verschiedenen Monstergestalten, mit meterlangen Gummiarmen, riesigen Freßwerkzeugen oder peitschenden Tentakeln. Daß sie mit ihren Gegnern nicht zimperlich umgehen, veranschaulicht ein deftiges Massaker, in dessen Verlauf unter anderem ein Schädel zerplatzt und heller Schleim aus dem Halsstumpf gischt.
Die vielen, enthusiastisch umgesetzten Spezialeffekte mögen bisweilen einen billig-trashigen Eindruck hinterlassen; trotzdem zolle ich den FX-Künstlern vom Cinefex Workshop, die das alles vor dem CGI-Zeitalter auf die Beine gestellt haben, dafür Respekt. Daß die Schwerkraft in Filmen wie diesen scheinbar nicht existent ist, sollte jene, die mit wilden Fantasyfilmen Hongkong'scher Prägung vertraut sind, kein bißchen verwundern. Eher verblüfft es da schon, daß der Showdown auf einem fliegenden Jumbo-Jet stattfindet, der schließlich auf dem Dach eines Wolkenkratzers "notlandet". Das führt zu einem weiteren Problem von The Wicked City. So sehr ich die überbordende Kreativität, die surrealen Schauwerte und den chaotischen Anything Goes-Spirit bewundere, so sehr beginnt dieser extravagante Overkill mit all seinen grotesken Spitzen mit der Zeit zu ermüden. Die abgefahrenen Ideen, die einem bei The Wicked City um die Ohren geschleudert werden, sollten normalerweise für mindestens zehn Filme reichen; hier hat man sie alle in die knapp neunzig Filmminuten reingepfercht, was dazu führt, daß vieles nur kurz angerissen und dann wieder fallen gelassen wird. Bei aller Liebe, das ist einfach zu viel des Guten! Und dennoch spreche ich für The Wicked City eine klare Empfehlung aus. Und sei es nur, um hinterher mit großen Augen, offenem Mund und verständnislosem Kopfschütteln sagen zu können: "Also so etwas habe ich echt überhaupt noch nie gesehen."