Review

Men In Grey

Hong Kong nimmt sich in „Mutant City“ einem abartigen und ziemlich geilen Anime aus Japan an und lässt zwei abgebrühte Spezialagenten gegen Reptilienfreaks (!) vorgehen, die seit neuestem die Menschheit bzw. Großstädte Asiens unterwandern… 

Da fällt's dir wie Schuppen von den Augen!

Man spürt Anwandlungen von „Akira“ bis „Men In Black“, von John Woo bis Tarantino in dieser cheesy-klumpigen Asiasuppe voller Krokodilsschwänze, Spinnenbeinen und Kakerlakenpanzern… Ein bisschen viel SloMo hier, ein Stückchen weit Hektik und Kitsch ist vorprogrammiert mit Hong Kong, der Vorlage und dem Team am Start. Und dennoch ist „Mutant City“ genau die Art von Fantasy-Schmu aus diesem Territorium, der mich wieder zum Kind werden lässt. Trash, Traum, Tragik, Todesmut. In einer Sekunde explodieren Köpfe, in der nächsten wackelt die Kiste, in der wieder nächsten schäumt die Bromance im strömenden Regen über. Ein Betondschungel im Neonglanz, angespannt und eingesponnen. Null Leerlauf. Immer nach vorne. Der Wahnsinn kennt keine Grenzen. Kreaturen, Kitsch, Kacke, Kante - alles am dampfen! Ein bisschen sexy, ein bisschen dreckig. Immer gänzlich abseitig und freaky - und doch irgendwie Hochglanz! Ziehe ich aktuellen Produktionen dieser Art (wie etwa „Demon City“ auf Netflix) definitiv vor. Stylisch, schleimig, steamy. Waghalsige Kamerafahrten, praktische Kostüme und Effekte, wenn Kinderzimmer auf Erwachsenen-„Wet Dream“ trifft. Da singen die Meerjungfrauen, da jaulen die Werwölfe, da trällern die Nachtigallen, da spucken die Spinnenfrauen und da sabbert der Leimbacher ein wenig… Gore trifft Naivität, Comic trifft Komik, Fantasie trifft Fiebertraum. Hochexplosiver Hong Kong-Cocktail. Ein Ritt auf der Rasierklinge des guten/schlechten Geschmacks. Man weiß nie was kommt. Man weiß oft nicht was abgeht. Man weiß teils gar nicht mehr wo der Hase läuft, der Frosch die Locken hat und wo einem der Kopf steht. Von Farbfiltern über humanoide Motorräder oder Flipperautomaten (!) bis zu Flugzeugen, die in/durch Wolkenkratzer fliegen (weit vor 9/11) - „Mutant City“ ist wild wie es nur Hong Kong konnte! Kakophonie. Leere Kalorien. Aber doch in Momentaufnahmen geil. 

Fazit: Skuriller, flotter, exotischer, bescheuerter, bunter und sehr unterhaltsamer Monsterklopper, den man locker als Vorbild für etliche spätere Hollywoodhits wie Animehighlights identifizieren kann. Chaotisch. „Mutant City“ ist ein irrsinniger Trip! 

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