Review


"Hör mal zu, du Dreckschwein. Ich hab zwar viel Sinn für Humor, aber das geht entschieden zu weit."

Lo chiamavano Trinità..., ursprünglich bereits 1966 in Richtung Django entwickeltes Projekt, welches sich dann nach und nach in die komödiantische Schiene verlegte, die Besetzung auch gewechselt, die gesamte Herangehensweise, der Weg fortgeführt, den zuweilen schon die Colizzi-Trilogie vorweg schritt, die Partnerschaft zwischen Hill und Spencer oder Spencer und Hill weiter gefördert. Es wird sich noch auf die Reduktion konzentriert, nicht auf Tempo und Schnelligkeit, nicht auf Haudrauf und Hauruck gefilmt, einzig die Musik ist von Anfang an spielerisch, ohrwurmartig, durchgängig eingespielt, ein Merkmal, dass sich später auch fortführt; Hill hier übrigens noch die Führung, im Originaltitel und in den englischen Übersetzungen auch so festgesetzt:

Trinità [ Terence Hill ], ein zwar cleverer und schneller, aber ebenso fauler und schlampiger Revolverheld, verschlägt es zusammen mit einem vor Kopfgeldjägern geretteten mexikanischen, und verletzten mutmaßlichen Verbrecher [ Michele Cimarosa ] in eine Stadt, wo er seinen Bruder, einen korpulenten und schroffen Pferdedieb namens Bambino [ Bud Spencer ], in der ungewöhnlichen Gestalt eines Sheriffs vorfindet; sehr zur Missgunst von Major Harriman [ Farley Granger ], einem rücksichtslosen örtlichen Gutsherrn. Der Deputy Jonathan Swift [ Ferruccio Amendola ] und auch Bambino selber sind dafür von dem Neuankömmling und dem Mexikaner wenig begeistert, dürfen sie beide doch beköstigen und hinterher räumen, zumal der Sheriff nur vorgibt, Gesetzeshüter zu sein, und einen Raub vorhat; alle haben allerdings bald andere Probleme. Major Harriman will sich in der Gegend niedergelassene Mormonen unter Führung von Tobias [ Arturo Dominici ] gerne von ihrer reichen Weide vertreiben, um sie in Besitz zu nehmen und dort seine Pferdeherde gedeihen zu lassen. Zu diesem Zweck bedient er sich auch des mexikanischen Banditen Mezcal [ Vinicio Sofia ] und seiner Bande grober Gesetzloser.

Der Colt schleift im Sand, die Mündung voran, die bloß von Brandlöchern, Fettflecken und Schweiß zusammen gehaltene Kleidung ist wie fest gewachsen, nicht nur die Füße verstaubt und verdreckt. Die Gegend ist Einöde, Himmel am Horizont, ansonsten bloß gelbe Weite, Kiesel mal, später auch ein kleiner Flusslauf, dann wieder gleißendes Sonnenlicht. Das Pferd ist Begleiter und Führer, Lenker und Mitstreiter, es geht rein ins Nirgendwo, spärlich auftauchende Bauten später sind eng mit der Natur verbunden, in den Kies gehauen, wacklig und schief. Es geht durch die 'Wüste', den Tuffsteinbruch, das Studio, es geht durch den Westen und es geht durch den Western, als versione commedia, die Postkutschenstation als erster Anlaufpunkt, die Vorhut an Bösewichten, die Hauptnahrung des Geschehens die jüngere amerikanische und europäische Filmkultur, die Hauptmahlzeit im Film ein riesiger Kanten Brot und eine Pfanne Bohnen mit Speck, der Wein als Zusatz, zur Unterspülung. Es wird gefuttert, es wird geflucht, es wird geblickt und die Umgebung abgeschätzt. Es wird kein Ärger gesucht, es wird Ärger angelockt, zwei Kopfgeldjäger auf steckbrieflich gesuchte Straftäter in die Aufmerksamkeit gerückt. “Sag mir wenigstens wie du heißt, damit ich dir ein Kreuz mit deinem Namen aufs Grab stellen kann.

Die Geschichte öffnet sich, ein Städtchen "am Arsch der Welt" kommt in die Produktion, der Beton ist ausgebleicht wie Marmor so weiß, die Gesellschaft besteht aus paar Mann nur, die beiden Hände des Teufels und ihre Gegenüberstellung, die Mythen vom Kampf gegen das Böse, gegen das Unkraut, hier durchaus prominent besetzt mit Farley Granger; zwei Stars von Heute und bis Morgen, und ein Bekannter von früher. “Gesetz ist Gesetz, und das wird respektiert, ob Euch das passt oder nicht.“ ist das Motto des Lebens hier, "Ihr habt eine Minute Zeit, Euch zu verziehen.", das Motiv des Filmes, auch “Gewalt heilt alle Mittel.

Fünf Tote in den ersten Minuten (die Fortsetzung verzichtet komplett auf Waffengewalt und 'Kollateralschäden', was hierbei bereits ausgiebig analysiert wird), zweimal wurde die Waffe gezogen, einmal als Duell auf den Straßen, vor dem Sheriffbüro, die Methoden rabiat, aber zweckdienlich, die Bilder dunkler, ein ungemütliches Drecknest, so heißt es hier. Wieder und erneut geht es um Landgewinnung und Landraub, um Siedlertum, um die Unterdrückung der Kleinen und Schwachen, erst die Mexikaner, dann die Mormonen, friedliche Siedler, um die Unterstützung durch das ungleiche Bruderpaar, eine Art Hassliebe, die Kumpanei zweier Streithähne, "Du bist schlimmer als Gelbes Fieber in einer Kolonie voller Leprakranken.", die Verbündeten weniger im Geiste, aber gegen den gleichen Feind. Es geht um Prinzipien, um Inklusion, Immigration und Integration, auch um die Ausübung des freien Willens, die Religionsfreiheit, um die “letzte Warnung an die Hühnerdiebe“. Man befindet sich nahe der mexikanischen Grenze, das Recht des Stärkeren gilt, hier im Verbund mit Bauernschläue und Gewitztheit, mit Gott auf seiner Seite, dem Glauben als uneinnehmbare Festung, mit dem Finger schnell am Abzug und auch viel Spaß und Prügel.

Das Thema ist alt, die Umsetzung von Enzo Barboni, der zuvor mit Django - Die Nacht der langen Messer (1970) baden und dann länger hiermit hausieren ging, nicht gänzlich neu, der Tradition verbunden, die Legalität nicht immer klar, es wird nur nicht (ganz) so zynisch behandelt und gesehen, es wird humoristisch und freiheitsliebend aufgelockert, es gibt visuelle Eigenheiten und Eigenarten, im Deutschen noch mit teils ungewohnter Stimme (Hill wird hier und bis einschließlich Vier Fäuste für ein Halleluja (1971) von Hartmut Reck gesprochen, aber dort bspw. schon von Danneberg neu instrumentalisiert), aber dennoch vollkommener, auch gedämpfter, nicht per se auf Klamauk und Sprücheklopferei abzielender Synchronisation. Es gibt sogar zwei verschiedene Parteien von Halunken, eine ein wenig edler im Ausdruck und Benimm, eine das Gegenteil dessen, viel Spielraum für Details, für Auftafelungen, für wichtige Entscheidungen und präzise Kleinigkeiten. Für eine Laissez-faire Herangehensweise der "Blechsterne", die den Stunk auch suchen aus schieren Selbstbewusstsein und bewusster Überlegenheit, für eine Herausforderung an scheinbar Gegensätzlichkeiten und Verantwortlichkeiten, eine technische Simplizität, und dennoch eine Einflussnahme auf Genre und die kommenden Sehgewohnheiten.

Hill ("Wo willst Du hin?" - "Ach, nur die Beiden umlegen.") ist hier bei auch bei der Colizzi-Trilogie die Hauptrolle, der einzelgängerische Schelm, der Harlekin mit den Badenixen, Spencer eher die mächtige Ergänzung, die Stütze, der unfreiwillige Mentor, das Fundament, der Erfahrene, die gute Seele, der Dampfhammer. Situativ wechselt man zwischen Sheriffbüro, Saloon und dem Tal mit seiner grasgrünen Weide selber, gedreht wurde in Mittelitalien, einem Vorgebirge der Abruzzen, speziell der Gemeinde Camerata Nuova, Region Latium, spielen tut man um 1895, dem Aufkommen der ersten Stummfilmwestern (von William Kennedy Dickson als Aufnahmen von Buffalo Bill's Wild West Show, gefördert in den Edison Studios), zudem wurde der spätere 'Hopalong Cassidy' in der Zeit geboren. Dem ungewaschenen, unrasierten, braungebrannten, gewitzten Stuntspektakel (speziell im Showdown) hier wird das nicht so bewusst sein, Spencer als Rammbock und bärbeißige Schlagbock, Hill provoziert eher und schaut sich das Treiben dann aus sicherer Entfernung an.

Nähe und Distanz, Entspannung, Eskapismus, Eskalation, teilweise rüder Umgang, einige Gewalttaten und verbale Grobheiten (“Na schön: Wenn kein Wein da ist, wie wär's, wenn wir uns deine Frau teilen?“) sind nicht fern, eine Abschwächung und/oder gar das Hinzuführen parodierender Versatzstücke in folgenden Varianten signifikant, hier wird noch in den Unterleib oder letal geschossen und das als marodierender Gag inszeniert. Eine richtige Dramaturgie kommt erst ab der Hälfte, ab der zunehmenden Bedrohung der Mormonen und dem Anheuern zweier Killer sowie dem Verbünden der Gegner, vorher ist es eher anekdotisch, etwas Tagewerk, paar Sketche, auch der Rhythmus ist recht gediegen: Einer will später fast sesshaft werden, der Andere das letzte große Ding vorm Ruhestand drehen; so pressant sind die Angelegenheiten hier nicht.

Barboni, schlitzohrig einmal auf die Goldader gestoßen, hat seine Formel anschließend nicht mehr geändert, nur noch fortgeführt und variiert, eingangs auch mit Erfolg beim Publikum und bei den Kritikern, später wurde man faul oder einfallslos oder insgesamt müder, weniger präzise, man hat sich erst gesteigert, dann verschlechtert; "Kann ich jetzt wieder schlafen gehen, oder hast Du heute Nacht noch etwas auf dem Programm?" Die Spiel- und die Inszenierungsfreude geht spätestens in den Achtzigern weg, analog zu den Corbucci-Brüdern, mit Trinity & Babyface - Vier Fäuste geh'n zum Teufel (1995) kopiert man sich gar selber; das macht Hill mit seinem Die Troublemaker (1994) ähnlich, man hat seine eigenen Werke mehr schlecht als recht studiert.











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