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Damals, als der Bart noch nicht so grau, das Portemonnaie noch nicht so prall gefüllt und der Idealismus als Filmemacher wohl noch etwas größer war, ja damals drehte unser Steven Spielberg ein Filmchen, das uns allen als „Duell“ bekannt sein sollte. Ein Film, der nicht auf großartigen Effekten basierte, sondern seinen Reiz aus einer ganz besonderen Spannung bezog.

Der unschuldige Autofahrer David Mann (Dennis Weaver) wird auf seinem Nachhauseweg von einem wahnsinnigen Truckfahrer terrorisiert. Es beginnt ein verzweifelter Überlebenskampf, ausgefochten zwischen einem PKW und einem LKW…

Klingt vielleicht nicht sonderlich spannend, ist es aber irgendwie dann doch. Mit einfachsten Mitteln bastelt Spielberg in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm einen Spannungsverlauf zusammen, der seinesgleichen sucht. Und das alles hat seinen Handlungsrahmen in einer Geschichte, die älter nicht sein könnte (aber dennoch immer wieder gerne für Filme jedweder Art genutzt wird): Der Kampf zwischen David (Mann) und Goliath; der Kampf zwischen (David) Mann und 40-Tonnen-Maschine. Die Sympathien schlagen sich sofort auf die Seite des Außenseiters und verbleiben dort auch beharrlich. Dies liegt wohl auch daran, dass der bedrohlichen – vermeintlich stärkeren Seite – bis auf den Kühlergrill des Trucks kein Gesicht gegeben wird. Den verrückt gewordenen Fahrer dieses Schwergewichts bekommt man nie zu sehen. Das macht den Psychopathen für den Zuschauer nicht bzw. nur schwer greifbar, man kann/muss seiner Phantasie freien Lauf lassen und bildet sich so ein Bild vom Truckfahrer, das alles andere als menschlich ist. Spielberg konstruiert somit ein Bild der Unmenschlichkeit, das in seiner Eindringlichkeit nicht banaler, aber auch nicht eindringlicher sein könnte. Und wenn sich David Mann dann wieder im Geschwindigkeitsrausch befindet (bzw. befinden muss), dann fiebert der Zuschauer unweigerlich mit. Da passiert es dann auch mitunter, dass man sich dabei ertappt, wie man auf dem heimischen Sofa sitzt und den rechten Fuß verkrampft durchdrückt; als ob das dem Gaspedal von David Manns Auto den finalen Stoß in die Höchstgeschwindigkeit geben könnte.

„Duell“ ist eine Katz-und-Maus-Jagd, wie sie Steven Spielberg heutzutage vermutlich nicht mehr auf die Leinwand bekäme; denn heute würde wohl aus diesem genial einfachen, aber dennoch fesselnden Drehbuch entweder eine CGI-überladene Actionbombe, die zwar optisch zu gefallen wüsste, jedoch dennoch ihre Einordnung im Einheitsbrei der Traumfabrik Hollywood finden würde, oder ein spaßiger Film für die ganze Familie, an dessen Ende David Mann und der LKW-Fahrer heiraten und bis an ihr Lebensende glücklich sind. Seien wir froh, dass Spielberg diese Story vor über 30 Jahren verfilmt hat; so wurde daraus ein raffinierter Thriller, der auch heute noch für beste Unterhaltung und einen spannenden Filmabend sorgen kann. 8,5 von 10 Punkten.

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