Review

Im zarten Alter von 26 Jahren legte Steven Spielberg (Jurassic Park, Krieg der Welten) den Grundstein für seine Karriere. Diesen legte er beim Fernsehen, denn "Duell" ist ein simpler TV-Film, welcher erst später in die Kinos gebracht wurde, auch international. Schon hier zeigten sich Spielbergs Talente, wie er aus solch einer minimalen Geschichte einen durchweg spannenden Thriller auf die Beine stellt. Nur Drehbuchautor Richard Matheson war schon durch seine Novelle "I Am Legend" berühmt, die im selben Jahr mit "Der Omega Mann" zum zweiten Mal verfilmt wurde. Als Zugpferd übernahm Dennis Weaver (Sturm-Angst, Das Mondkalb) die Hauptrolle. Er hatte zu dieser Zeit schon über vierzig Rollen gespielt und sehr angesagt.

Der Geschäftsmann David Mann (Dennis Weaver) hat einen weiten Weg vor sich, er will einen Kunden wegen eines wichtigen Auftrags besuchen. Doch mitten in der Einöde überholt er einen verschmuddelten Tanklastzug, der ihm von nun an nicht mehr von der Pelle rückt. Aus anfänglichen Überholspielchen wird bald bitterer Ernst, denn bald jagt er David unerbittlich über die einsamen Straßen. Jegliche Versuche von David Hilfe zu organisieren oder dem Lastwagen aus dem Weg zu gehen schlagen fehl. Das Duell auf Leben und Tod hat längst begonnen.

Eigentlich wollte Spielberg den Film erst komplett ohne Dialoge drehen, auch so ist er immer noch sehr wortkarg. Spielberg nimmt sich nicht mal Zeit für eine Vorbereitung, sondern schmeißt den Hauptcharakter direkt ins Geschehen. Normalerweise gilt es oberflächliche Charaktere immer zu kritisieren, denn über David Mann erfahren wir nicht sonderlich viel. Eigentlich bringt nur ein kurzer Telefonanruf mit seiner Frau ein bisschen Klarheit, ansonsten muss man sich selbst ein Bild über ihn machen. Er ist recht schick gekleidet, fährt einen roten Plymouth der zu dieser Zeit nicht gerade billig war, joblich scheint er also recht angesehen zu sein. Nur daheim steht er unterm Pantoffel und auch sonst ist er ein ruhiger Mensch, der eine Weile braucht bis er mal den Mund aufmacht. Über den Fahrer des Lastwagens erfahren wir nichts, wir bekommen ihn nicht mal zu Gesicht. Ziemlich zu Beginn darf man kurz einen Blick auf seine blaue Jeans und die braunen Lederstiefel werfen, auch seine Hand ist mal kurz im Bild. Doch gerade sein Motiv für die Jagd nach David wird uns ganz vorenthalten. Genau daraus zieht "Duell" seine Faszination. Der Mensch sucht immer nach einem Grund für derartige Ereignisse und kriegt ihn hier nicht geliefert. Dies nagt nicht nur an David, sondern auch am Zuschauer und daraus bezieht der Film einen Großteil seiner Spannung.

Doch auch die Verfolgungsjagden über die kurvenreichen Straßen haben es in sich. Dabei bekommt man eine Gänsehaut wenn man sieht, wie der Fahrer den Lastwagen am Limit über die Landstraße manövriert. Auf der Geraden ist er wesentlich schneller als David und dank der brillanten Kamera von Jack A. Marta rast der Stahlkoloss immer direkt auf den Zuschauer zu. Überhaupt wurden die Kameras sehr kreativ platziert, um diese atemlose Hetzjagd noch spektakulärer wirken zu lassen. Dabei kommt Spielberg ohne jegliche Brutalitäten aus und das Geschehen wir nur einmal unterbrochen, als sich David in den Diner rettet und dort versucht den Fahrer auszumachen. Danach geht die Jagd ununterbrochen weiter und vor allem wird es für David immer gefährlicher. Der Lastwagenfahrer versucht in an einem Bahnübergang vor einen fahrenden Zug zu schieben, er überfährt David fast in einer Telefonzelle und scheint wirklich erst zu ruhen, wenn David tot ist. Ein kompletter Unmensch kann er aber auch nicht sein, sonst würde er dem liegengebliebenen Schulbus nicht helfen, was zuvor auch David versucht hat. Und mit solch einer simplen Geschichte hält Spielberg die hohe Spannung über die gesamte Distanz aufrecht, selbst der sparsam gesetzte Score ist eine Wucht und Dennis Weaver meistert seine Rolle als ängstliches Opfer mit Bravur.

"Duell" ist ein Paradebeispiel wie man mit minimalen Mitteln einen spannenden Film kreiert. Nicht mal die Unwissenheit stößt hier übel auf, denn diese Nonstop Hetzjagd weiss den Zuschauer durchgehend zu fesseln und kommt dabei ohne jegliche Gewalteinlage aus.

Details
Ähnliche Filme