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Es ist noch gar nicht allzu lange her, als ein Schock durch die Gemeinde der eingefleischten Disney-Fans ging: Disney will keine Zeichentrickfilme produzieren! Da die neue Art der Computer-Animationen, die sowohl Dreamworks mit "Shrek" als auch Pixar mit all ihren Filmen perfektioniert haben, die Massen ins Kino zerrte, ging das Interesse an handgezeichneten Abenteuern, vor allem in Amerika, stetig zurück und Filme wie "Der Schatzplanet" oder "Bärenbrüder" floppten gewaltig, obwohl sie gewohnte Disney-Qualität boten. Kurz entschlossen ließ Disney-Chef Eisner, nebenbei bemerkt, der wohl mieseste Chef den der Konzern je gehabt hat, die Disney-Zeichentrickfilme sterben. Wie sich nun allerdings nach und nach herausstellte, galt dieser Todesstoß bloß für die Studios, die für die Kinofilme zuständig waren. Auf Video geht das gezeichnete Treiben nämlich, Gott sei Dank, doch noch weiter. Und neben "Lilo und Stitch 2" (September 2005) und "Ein Königreich für ein Lama 2" (Dezember 2005) geht vor allem ein großer Disney-Held hier in seine nächste Filmrunde: Tarzan. Herausgekommen ist dabei eine typische Disney-Fortsetzung, die hinter dem genialen Original aber weit zurück bleibt!

Storymäßig wandelt "Tarzan 2" dabei eigentlich auf recht annehmbaren Pfaden. Wie bei vielen Disney-Fortsetzungen üblich, spielt auch das Tarzan-Sequel mitten in der Geschichte des Vorgängers. "Tarzan 2" erzählt die Geschichte des jungen Tarzan und wie er sich auf die Suche nach "sich selber" begibt. Dabei trifft er auf den merkwürdig mürrischen Zugor, der ihm dabei mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn auch nur wiederwillig. Doch was wäre ein Disney, ohne Bösewichter? Bei diesem Streifen handelt es sich dabei um eine Gorilla-Familie, genauer gesagt um zwei bösartige Gorilla-Jungs, zusammen mit ihrer verrückten Mutter (sozusagen, "Muttertag" für die ganz Kleinen;))! Also heißt es für Tarzan die Bösewichter zu besiegen und sein Ziel, sich selber zu finden, zu erreichen. So gesehen, wird einem hier somit wirklich typischste Disney-Unterhaltung geboten, die mal wieder alles beinhaltet, was einen Disney-Streifen ausmacht. Spaß, Spannung, liebevolle Charaktere, schrullige Bösewichter und viel Musik. Alles ist im zweiten Tarzan durchaus vorhanden und lädt die Disney-Freaks somit zu einer guten Stunde kurzweiliger Unterhaltung ein.

Doch wie es bei allen Sequels so ist, so muss sich auch "Tarzan 2" mit dem Original vergleichen lassen und da sieht es dann doch nicht mehr ganz so sonnig aus. Sowohl Action als auch richtig fesselnde Momente besitzt der Film leider, so gut wie, überhaupt nicht. Größtenteils bleibt das Treiben wirklich extrem familienfreundlich und kann somit nicht alle Generationen der Disney-Freaks rundum begeistern. Während "Tarzan" ja durchaus einiges an knackiger Action zu bieten hatte (zumindest in der ungekürzten Fassung) und auch mit der ein oder anderen dramatischen Sequenz nicht geizte, bleibt hier leider alles auf dem Level eines harmlosen, wenn auch liebevollen, Kinderfilms. Etwas mehr Power hätte durchaus noch reingepasst!

Was die Animationen betrifft, so sind sie auf dem Niveau angesiedelt, dass man bei einer Direct-to-Video-Produktion des Studios erwarten darf. Sprich die Figuren wurden allesamt recht flüssig animiert, während der Hintergrund meist eher steif bleibt und sich beide Elemente auch nicht sonderlich in einander einfügen können. Dafür ist das Ganze aber mächtig farbenfroh ausgefallen und bietet somit dennoch eine nette Optik, für die Augen des Zuschauers.

Auf musikalischer Ebene gibt es dafür aber nichts zu kritisieren! Disney hat es nämlich wirklich geschafft, Phil Collins, der schon dem Original solch grandiose Songs wie "So ein Mann" oder "Dir gehört mein Herz" beisteuerte, auch für das Sequel zu verpflichten. Und somit sind auch diese Hits hier absolute Ohrwürmer und verbreiten in ihren Momenten eine grandiose Stimmung. Collins gehört einfach mit zu den besten Liedermachern und Sängern, die es jemals gab, und das beweist er hier wieder einmal eindrucksvoll.

Ein weiteren Pluspunkt kann sich zudem die Synchro einheimsen. Wie jeder Disney-Streifen, so kann sich auch "Tarzan 2" mehr als nur hören lassen. Wunderbar ist dabei vor allem die Tatsache, dass man auch hier wieder (so gut wie) alle Sprecher aus dem Original verpflichten konnte. Durch die bekannten Stimmen kann dann sogar eine gewisse Atmosphäre aufkommen, die vor allem immer dann in Erscheinung tritt, wenn Tantor ("Ist das Wasser auch wirklich keimfrei?") und Terk die Klappe aufmachen! Im Original leihen übrigens Stars wie Glenn Close, Ron Perlman oder Lance Henriksen ihre Stimmen. Kurzum, die Synchro könnte nicht perfekter sein!

Fazit: Typisches Disney-Sequel, dass mit seiner netten Geschichte, den liebevollen Charakteren, wunderbarer Musik und herrlichen Gags, für seine 68 Minuten Laufzeit, durchaus zu unterhalten weiß. Schade nur, dass die, aus dem Original bekannte, Action hier leider etwas sehr kurz kommt und auch in Sachen Dramatik relativ wenig geboten wird, was die groß gewordenen Disney-Fans überzeugen kann. Somit bleibt es eine nette Fortsetzung für die kleinen Zuschauer am Nachmittag, während sich die ganze Familie dann am Abend noch einmal das geniale Original anschaut!

Wertung: 6,5/10 Punkte

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