Zwei Gangster in schwarzen Armani-Anzügen treffen auf ein Mädchen namens Amelie, einen Kerl mit Gitarrenkoffer und einen ohne Kurzzeitgedächtnis und schlittern mit ihnen auf der Suche nach dem „Mulholland Drive“ von einer schrägen Situation in die nächste…
„My Big Fat Independent Movie“…? Ja, von wegen: “My Big Fat Piece of Shit” hätt’s wohl ein wenig besser getroffen.
Ihr werdet’s wahrscheinlich schon ahnen: Bei diesem Brechdurchfall von Film handelt es sich um eine Art Persiflage, welche sämtliche Sternstunden der Indie-Filmszene zusammenkratzt und durch den Kakao zu ziehen versucht (Betonung liegt auf dem Wörtchen „versucht“!).
Dass dabei leider ein Gagfeuerwerk im Stile der „Römischen Kanone“ oder „Schindlers Liste“ herausgekommen ist, wird von mir später noch angeschnitten.
Mit am Start sind also, wie bereits oben angedeutet, Vincent Vega und Sam Jackson im Retro-Look, die fabelhafte Amelie und der Mariachi, doch auch „Memento“, „Reservoir Dogs“, „Pi“ (ein eher unbekanntes Frühwerk vom „Requiem for a Dream“-Macher) und, unglaublich aber wahr, „Lola rennt“ dienten diesem ausgekotzten Stück Scheiße als Kanonenfutter.
Soweit so gut. Der Aufbau dieser Schenkelklopfer-Parade sieht anfangs stupider Weise erstmal so aus, dass einfach Sketch an Sketch gereiht wird.
Oh Pardon, sagte ich gerade Sketch an Sketch? Was ich meinte, war eigentlich Unulk an Spaßbremse.
Egal. Irgendwann und zwar dann, wenn man als Zuschauer den Streifen schon total abgeschrieben hat, kommt so etwas ähnliches wie Handlung auf, welche dem heilen Durcheinander wohl ein wenig Form verleihen sollte.
Ich mach’s kurz (wie der Schwanz des Regisseurs wohl war): Das Konzept geht nicht auf. Nicht im Geringsten und in keinster Weise.
Schuld dran: die Gags. Die sind nämlich so richtig, richtig scheiße. Die sind so scheiße, das glaubst du gar nicht, wie scheiße die sind. Die sind so scheiße, dass man für Scheiße jetzt fast ein neues Wort erfinden müsste. Die Kalauer von Rudi Carrell, Didi Hallervorden und Steve Urkel sind bares Gold dagegen, ehrlich.
Die Jokes reflektieren nämlich heftig die im Indie-Bereich gängigen Stilmittel:
Was sollen eigentlich immer diese inneren Monologe?
Warum ist auf einmal alles Schwarz-weiß?
Wieso ist die Handlung nicht in chronologischer Reihenfolge?
Und warum sterben in solchen Filmen am Schluss die Guten eigentlich ständig?
Na!? Liegt ihr auch schon prustend mit Magenkrämpfen und Seitenstechen unterm Tisch?
Nein??? Ich zugegebenermaßen auch nicht.
Ich glaub, ich weiß auch woran es hapert:
So was ist nämlich nicht nur nicht witzig, solche Filme zu verarschen, ist darüber hinaus auch einfach komplett für’n Arsch. „Pulp Fiction“ & Co. gehören doch zu den Guten, die haben keinem Menschen was getan, also bitte Finger weg von Filmen, die der Menschheit einen Gefallen getan haben.
Ferner fehlt es hier an allen Ecken und Enden an schauspielerischem und komödiantischem Talent. Die Knallchargen, die hier so unterwegs sind, stammen nämlich zweifelsfrei aus dem Amateur-Sektor, kommen sich für ihre Verhältnisse leider aber ein wenig zu toll vor und nerven schlicht und ergreifend so sehr, dass in einem das Verlangen wächst, in die USA zu fliegen und den Schweinpriestern die Fresse zu polieren…
…was mich ohne Umschweife auf einen weiteren Mangel bringt: das Budget, das hier verbraten wurde, war mit Sicherheit kein großes. Dies erkennt man an den Sets, den Darstellern und vor allem an den hypermiserablen FX. Jedes Mal wenn nämlich hier Blut spritzt oder irgendwas explodiert, spritzen die Pixel, sprich übelst madige CGI-Fontänen, aber das nur so am Rande.
Die Härte ist aber einfach die nach allen Regeln der Kunst in die Hose gegangene deutsche Synchro. Solche unpassende und unmotiviert vor sich hin nuschelnden Stammelrochen ist man eigentlich nur im Splatter- oder Pornobereich gewohnt.
Ich hab mir sogar die Mühe gemacht, die englische Fassung ein bisschen zu erforschen, doch ich musste feststellen, die Gags hatten immer noch Fehlzünd-Garantie.
So was Unlustiges ist mir echt schon lange nicht mehr unter die verkrusteten Äuglein gekommen…
Auch wenn es Pauly Shore hier den Schädel zerfetzt und das Geheimnis des leuchtenden Koffers aus „Pulp Fiction“ gelüftet wird (sein Inhalt: ein Corned Beef Sandwich!), fällt der Streifen bei mir, weil er mir so viel Lebensenergie gekostet und Freudlosigkeit und Missmut beschert hat, in einfach jeder erdenklichen Kategorie durch.
Mein Fazit daher:
Null Handlung + Null Spannung + Null funktionierene Gags.
Ergo:
Fast so lustig und unterhaltsam wie Hungersnöte, Sterbebegleitung oder ein Nachmittag mit dem Vollspasti aus "Art Attack" und wirklich so schlecht und unwitzig, dass man meinen könnte, das Hause stürze gleich ein.
„My Big Fat Indie Movie“ ist ein dicker, fetter Griff ins Klo. Wer Humor á la „Scary Movie“, „Loaded Weapon“ oder „Men in Tights“ erwartet, wird dieses Brechmittel keine fünf Minuten ohne Tobsuchtsanfall überstehen.
Selten so wenig gelacht, kein Flax ey…