„Medicine Man – Die letzten Tage von Eden“ ist trotz des charismatischen Sean Connery einer der schwächeren Filme John McTiernans.
Dr. Rae Crane (Lorraine Bracco) soll im Regenwald den exzentrischen Forscher Dr. Robert Campbell (Sean Connery) aufsuchen, da dieser keine Forschungsberichte schickt, sein Basislager willkürlich verlegt und trotzdem immer noch Unterstützung fordert, weshalb sie für den investierenden Konzern prüfen soll, ob er noch weiter finanziert werden soll. So beginnt der Film direkt mit einem Kulturschock für die New Yorkerin wie man ihn aber schon ziemlich oft in Dschungelfilmen gesehen hat, wobei er hier weder besonders dramatisch noch besonders komisch wirkt.
Rae ist bald nicht nur von dem Dschungel, sondern auch von dem Forscher selbst entsetzt: Robert feiert munter mit den Einheimischen und benimmt sich äußerst unhöflich. Er will sie am liebsten schnell wieder zurückschicken, da er andere Leute als Assistenten angefordert hatte und glaubt, dass sie den Strapazen nicht gewachsen ist. Da klärt Rae ihn auf, dass sie quasi seine letzte Chance sei und er sie verspielt habe. Connery und Bracco sind ein ganz ordentliches Duo, das sich am Anfang natürlich so gut versteht wie Hund und Katz, aber die Chemie will nicht so ganz stimmen.
Doch Robert kann die erboste Rae zum Bleiben bewegen, als er ihr das Ergebnis seiner Forschungen präsentiert: Er hat ein Heilmittel gegen Krebs gewonnen. Doch leider misslingen seine Versuche die Formel wieder zu erstellen und eine Straße soll durch das Eingeborenendorf und die Forschungsstation gebaut werden, wobei möglicherweise die Ressourcen für dieses Heilmittel vernichtet werden. Die beiden beginnen fieberhaft mit ihrer Arbeit...
John McTiernan kann man sich den geringsten Vorwurf daran machen, dass „Medicine Man“ leider bloß Durchschnitt ist. Seine Leistung als Regisseur ist auf jeden Fall ordentlich (auch wenn er schon mehr Können gezeigt hat), was man vor allem an den stimmigen und eindrucksvollen Dschungelbildern sieht, die wirklich sehr exotisch und schick daherkommen. Zudem kann der Film mit ein paar weiteren recht spektakulären Aufnahmen, meist Kletterszenen punkten, die große Schauwerte bieten.
Leider kann der Film inhaltlich nur teilweise überzeugen. So gibt die Suche nach dem Krebsheilmittel zwar den roten Faden, aber der Film verliert sich andauernd in Nebenhandlung wie Roberts Streit mit dem Medizin oder der obligatorischen Regenwaldromanze zwischen ihm und Rae. Leider leidet sie Spannung unter diesem andauernden Abschweifen, da die Haupthandlung hierbei zu sehr in den Hintergrund gerät und man nie weiß, auf welche Aspekte man sich besonders konzentrieren soll.
Recht ambitioniert ist die Botschaft des Films, die ganz klar für den Schutz des Regenwaldes plädiert und menschliche Dummheit anprangert. So ist es ganz klar Ansicht, dass das Heilmittel gegen einer der schlimmsten Krankheiten durch menschliche Profitsucht und Ignoranz in Gefahr gerät. Leider sind nicht alle Botschaften des Films so klar wie dieses und man weiß nie so genau, ob der Plot jetzt mehr als Ökothriller oder doch eher als Regenwaldromanze gedacht war, da beide Elemente nicht hinreichend bedient werden und der Film immer etwas unentschlossen dazwischen pendelt.
Die Chemie zwischen Sean Connery und Lorraine Bracco stimmt leider nicht immer, was gerade bei dieser Art von Film schade ist. Zudem spielt Bracco auch nicht immer überzeugend, während Connery gute Arbeit leistet. Ihm kauft man jedoch den Forscher mit Pferdeschwanz nicht so sehr ab wie seine übliche Gentleman-Rolle. Die sonstigen Darsteller spielen allesamt ganz ordentlich und lassen keinen Grund zur Klage.
So entpuppt sich „Medicine Man“ als Film mit schönen Naturaufnahmen und ambitionierter Botschaft, ist aber aufgrund des unsicheren Schwankens zwischen Ökothriller und Romanze nur Durchschnitt.