Endlich wieder Luft und Freiheit wird sich Pfarrer Braun stellvertretend für den leidigen Zuschauer nach seinem wenig ruhm- und ereignisreichen Komplettzölibat hinter finsteren Klostermauer, bei Episode 5 Bruder Mord und der langersehnten Entlassung gedacht haben. Eigens vom Kardinal und dessen Chauffeur in der Limousine abgeholt und selbst im Wagen noch mit Keksen beköstigt, stehen nun der Sinn nach Freude und Mehr und der Genuss daran im Mittelpunkt der nächsten Szenerie. Die neue Wirkstätte wird umschwärmt und gepriesen, von Erinnerungen getragen und Seligem umflort, was nicht nur den Geistlichen ergötzt, sondern das Land und Leute bestaunende Publikum noch viel mehr:
Nun anwesend in Helsingweiler am Rhein, von Bischof Hemmelrath [ Hans-Michael Rehberg ] als Kleinod, Paradies und dergleichen in den höchsten Tönen gelobt, verschlägt es Pfarrer Braun [ Ottfried Fischer ] samt seinem Gefolge aus der Haushälterin Margot Roßhauptner [ Hansi Jochmann ] und Messdiener Armin Knopp [ Antonio Wannek ] prompt erneut in einen Kriminalfall. In den Dunstkreisen des Baron Friedrich von Falkenberg [ Mathieu Carrière, der als schwächliche, aber wenigstens durchlauchte Hochwohlgeburt das Leiden Christie nachspielt ] geht gar Schauriges um, wird nicht nur der Haus- und Hoffalke angegriffen, sondern laut einem Fluch auch der Nachwuchs der Familie bedroht; dabei trifft es beim einem Autounfall zuallererst den ältesten Sohn Wilhelm [ Matthias Walter ], Da nun auch der kleine Mann Patrick [ Marian Lösch ] in Gefahr ist, und die gerade volljährig gewordene Tochter Julia [ Melanie Wichterich ] mit ihrem wesentlich älteren Galan Georg Westphal [ Urs Remond ] eine zwielichtige Gestalt an ihrer Seite hat, mischt sich Braun schnüffelnd in die verzwickten Angelegenheiten ein. Dabei stößt er auf Verbindungen, die auch Lydia von Falkenberg [ Eleonore Weisgerber ], die Ehefrau von Friedrich und Baronin, in verräterisches Licht rücken.
Noblesse Oblige.
Weiter verfasst von Neuzugang Hans-Jörg Bruckner wird hier der direkte Anschluss an die Vorgängerfolge, und gleich das Gegenteil dazu und prompt das selige Lächeln auf dem feisten Gesicht des Pfarrers erzählt. Abermals und dies als überraschender Faktor, noch beileibe nicht Konstante neu ist auch hier der Kardinal statt dem Widersacher der Ermittlungen und dem drohenden Zeigefinger der Obrigkeit der Initiator der bald stattfindenden Ermittlungen, und abermals ist der sonst so darauf erpichte Braun hier eher wieder das Gegengewicht. Zudem und das auch beibehaltend, wenn auch bald die Ausreden dafür ausgehen, ist der scheinbar direkt dem Pfad Gottes und seiner Diener nachreisende Kommissar auch wieder die Allzweckwaffe, wird die Polizei und deren Amtshilfe unter den Scheffel der Kirche und in deren ausführenden Belange gestellt.
Warum man sich die Mühe mit dem Organ des Gesetzes trotz steter Entfernung der letzten Würde und des Missachtens jeglicher eigener Fähigkeiten weiterhin macht, und was aus dem Trottel von Dienst in den folgenden Jahren und Geschehnissen noch mehr an Degradierung passiert, möchte man angesichts der hiesigen Idiotien leider nicht missen. Die Rolle des Geiger hatte anfangs der Serie noch ein Privatleben, eine Familie, ein Motiv und auch so etwas wie zumindest etwas Bissigkeit, was allesamt in den anschließenden Erlebnissen komplett verlorenging und so richtig keine Freude mehr macht. Genau einmal wird hier noch gegen die barschen Worte des privat ermittelnden Amateurs im eigenen Dienstkreis reagiert, ein letztes Aufbäumen, dass bald Schluss hat, auch wenn anschließend noch ein Männerabend, um den aber bittgestellt wird, ansteht.
Überhaupt ist das Privatleben der Figuren, nun immerhin schon längst fest umrissen und wie zur zweiten Heimat im Fernsehen der Öffentlich-Rechtlichen zur besten Sendezeit geworden, nun auch von größerer Aufmerksamkeit, wenn auch wie mit der Zeitschleife behandelt oder auf sich ständig wiederholender Spur. Der Eine, der Messdiener hat sich erneut verguckt, –
quasi ein Hund in jedem Dorf – und theoretisch fallen gleich zwei Mädchen in den Augenschein, während die Andere, die Haushälterin abermals nicht ihren Pflichten, sondern eigenen Interessen und Gelüsten nachgeht. Eine Routine der Serie, die in ihrem ca. jährlichen Turnus, also zwei bis drei Folgen direkt hintereinander und dann wieder Schluss bis zum nächsten Jahr, entweder den kreativen Köpfen hinter der Produktion nicht aufging, nicht störte, oder gar und wohl eher so gewünscht, als Wiedererkennungswert, gleich direkt neben Martin Böttchers Soundtrack aus den Sechzigern so platziert war.
Immerhin findet man sich so trotz wechselnder Orte und Personen und im Grunde auch durchaus wechselnder Geschichten, die sich hier erstmals unter Hochwohlgeborenen und deren Fehden, quasi abgeschrieben vom "Fürsten-Roman" und den "In Adelskreisen" drehen, so Jeder Neuankömmling ebenso zurecht wie auch der wartende Konsument mit dem Wissen um die Vorgeschicht'. Man kann untereinander mitreden, verändert hat sich ja nichts, Der Eine flirtet, die Andere streikt, der Pfarrer selber steckt seine Ohren und Augen und die voluminösen Hände in Angelegenheiten, die ihm nicht wirklich etwas anzugehen haben, aber das Steckenpferd der Kriminologie und somit sein Hobby und Leben schlechthin begehren. Flüche werden ausgesprochen und Autos manipuliert, heimliche Andeutungen gemacht und ebenso konspirative Treffen getätigt, fremd geknutscht und sittenwidrig gelauscht und anderweitig die Herzfrequenz der älteren Zuschauerschaft in die drohende Tachykardie genötigt.
Hierbei, da zusätzlich zum Kriminalfall für die gesamte Familie auch mit dem Schlag der Seifenoper und so zusätzlichen Konfliktpotential versehen, ist der Gang an den Main-Rhein, die prächtigen Kulissen in groß wie den Weinbergen und dem entsprechenden Winzerfest und in klein dem Rosarium nebst davor prunkenden Schloss von tatsächlich beschaulichen und auch leicht prickelnden, hier mal belustigenden, ob nun freiwillig oder auch nicht, und da auch mal spannenden, da in Tat und Komplott und Bewandtnis verzwickten Gemüt.