"Nekromantik" - Regisseur Jörg Buttgereit bezeichnet den Film "Possession" nicht umsonst als den "Einzig wahren Berlinfilm"... Fernab vom damals typischen New Wave "Ick steh auf Berlin!" - Klischee, dringt "Possession" direkt in die dreckigen Hinterhöfe und feuchten Altbauwohnungen der damaligen Mauerstadt hinein. Es stinkt hier förmlich nach Urin, Schweiß und Dreck...
Fast 30 Jahre nach seinem entstehen hat das kleine Independent - Label "Bildstörung" dieses Filmjuwel endlich erstmals in Deutschland veröffentlicht. Zu sehen sind hier u.a. die damals noch blutjungen Schauspieler Isabelle Adjani und Sam Neill - welche in "Possession" ihre jemals wohl besten schauspielerischen Leistungen abriefen (und welche nicht selten an die sprichwörtliche "Schmerzgrenze" gingen).
Mutet das Storykonstrukt zuerst eher wie eine "Berliner Variante" des Filmes "Kramer gegen Kramer" an - so gleitet der Film immer mehr hinab in einen surrealen und bizarren Alptraumtrip aus Sex, Blut, Gewalt und krankhaften Abhängigkeitsverhältnissen...
Regisseur Zulawski selbst beschrieb den Inhalt seines Filmes einst mit den simplen Worten: "It´s about a woman fucking an Octopus!"
...und wirklich ist "Possession" ein Film der eher schwer zu erklären ist. Man muss ihn fühlen! Ganz im Stile von David Lynch´s filmischen Meisterwerken wie "Eraserhead", "Blue Velvet" und "Lost Highway" - denn was ist schon Realität und was ist Wahnsinn? Wo fängt das eine an? Und hört das andere auf?
Kurzum:
"Possession" ist ein wirklich fesselndes Meisterwerk, mit teils wirklich eklig-bizarren Einfällen. Tollen Kamerafahrten, einem atmosphärischen 80er Jahre Soundtrack und durchweg grandiosen Darstellern.
Wer sich also nicht scheut in menschliche Abgründe zu blicken, dem sei diese "Bildstörung" - Veröffentlichung wärmstens ans Herz gelegt. Abgerundet wird die Kauf-DVD im Pappschuber (und Alternativcover) noch mit einem hochinteressanten 48-seitigen Booklet zum Film, mit Texten von Dr. Marcus Stigelegger, Daniel Bird, Jörg Buttgereit und Andrzej Zulawski.