Review

An intellektuellem Geschwurbele bezüglich Zulawskis Werk aus dem Jahre 1981 kann und möchte ich mich nicht beteiligen, deshalb versuche ich einfach mal, zu abstrahieren: Was Zulawski mit „Possession“ erschaffen hat, ist zunächst einmal ein intensives, emotionales, anscheinend autobiographisch geprägtes Beziehungsdrama, das die Gefühlswelt ihrer Protagonisten, Sam Neill als Mark und Isabelle Adjani als Anna, nach außen kehrt und deren Extreme auslotet. So liefern sich die schöne Adjani und der ausdrucksstarke Neill heftigste Gefühlsausbrüche und Streitereien, die in körperlicher Gewalt, Verzweiflung, Verwahrlosung und Selbstverletzung münden. Sozusagen ein Extrembeispiel für das Gefühlschaos, das eine uneinvernehmliche Trennung mit sich bringen kann. Die schauspielerischen Leistungen, insbesondere Adjanis, sind dabei im wahrsten Sinne des Wortes der reinste Wahnsinn. In erschreckendem Ausmaße und bis an ihre Grenzen gehend eruptiert und explodiert sie und setzt damit einen überdeutlichen Kontrastpunkt zu ihrem attraktiven Äußeren. Unvergesslich geriet dabei ihre Fehlgeburtsszene in einem U-Bahn-Tunnel, die ihr nun wirklich alles abverlangte. Die Kulissen des geteilten Berlins mitsamt seiner Mauer, Grenzpolizisten etc. unterstützen symbolisch die Trennungsthematik der Handlung und sorgen mit ihren menschenleeren Straßen und ganz eigenen, ungemütlichen, leblosen Ästhetik für eine unbehagliche Atmosphäre. Als gäbe es keinen Ausweg aus der Mauerstadt, ebenso wenig wie aus der eigenen Gefühlswelt. Doch dabei belässt es Zulawski nicht, sondern erweitert seinen Film um surreale und groteske Elemente, allen voran einen schleimigen Kopffüßler, den man eher in einem Horrorfilm vermutet hätte sowie eine Doppelgängerthematik, die schwer an alte Science-Fiction-Paranoia-Streifen à la „Die Dämonischen“ erinnert. So richtig verstanden habe ich das alles nicht, soll man aber vermutlich auch nicht auf Anhieb, sondern sich eher in Hinsicht auf Interpretationsmöglichkeiten das Resthirn zermatern. Inwieweit das zielführend wäre, sei einmal dahingestellt, doch soviel sei gewiss: Mit seiner mutigen, einzigartigen Mischung aus „Arthouse“-Kino und diesem Bereich eigentlich eher fremden Zutaten erschuf Zulawski mithilfe seiner großartigen Schauspieler ein zwar etwas sperriges, aber umso faszinierenderes Werk, das den offenen, interessierten Zuschauer in seinen Bann zieht und ein echter Tipp für Freunde des ungewöhnlichen Filmerlebnisses ist. Laut Zeitzeugen fiel das Bild Berlins, das „Possession“ zeigt, zudem überaus authentisch aus, weshalb es für Liebhaber von Zeit- und Lokalkolorit ebenfalls von Interesse sein dürfte.

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