Review

Invasion der Ehefresser


Keine Mutter oder gar Oma von uns kennt wohl „Possession“ von Zulawski. Anders als etwa „Shining“ oder „Exorzist“. Dabei ist Zulawskis vielseitige Horrormetapher ohne Frage qualitativ und bedeutungstechnisch für das Genre auf deren Level. Zwar weniger mainstream und zugänglich, in Deutschland besonders wenig damals verbreitet und vermarktet - aber zweifellos ein unumgänglicher Klassiker. Den ich nun endlich nachholen konnte. Und jede Sekunde von ihm liebe. Erzählt wird von einem englischen Ehepaar, das im geteilten Berlin der Achtziger lebt und deren Liebe massiv kriselt. Worunter vor allem deren unschuldiger und verwirrter Sohn leidet. Doch zwischen all den Vorwürfen, der Eifersucht und dem regelrechten Hass, der sich gegenseitig immer mehr hochfeuert, lauern noch ganz andere zerstörerische Tentakel und eine gefährliche „Besessenheit“…

„Possession“ ist theatralischer Arthouse-Horror der feinsten Sorte. Absurd. Abstrakt. Anders. Künstlerisch wertvoll. Ausnahmeklasse. Verdammt intelligent. Sam Neill total fantastisch und fanatisch. Isabelle Adjani absolut famos und total drüber. Schreie und Hysterie. Overacting war selten passender und inspirierender. Zwischen kaltem Krieg und heisser Eifersucht. Zwischen Ersatzehemann und Lovecraft. Zwischen Schwanzvergleich und Monsterorgasmus. Besessen und nicht vermessen. Das ganz intime Finito der Welt. Persönlich. Politisch. Menschlich. Die letzten Bilder vergisst man nie. Das Monster ist absurd ekelhaft. Nihilistisches Ende. Blut und Bomben. Leichenteile im Kühlschrank. Drogenmetapher. Kriegsanalogie. Eheschlusswort. Der bleibende Alptraum eines jeden Kindes. Eines jeden Verheirateten. Eines jeden Menschen. „Possession“ ist ein giftiges Goldstück. 

Fazit: Berlin ist eiskalt, die Gefahr lodert allgegenwärtig, das Unwissen zerfrisst, die Eifersucht nagt, das Menschsein zerfällt und die Mitspieler befinden sich in einem teuflischen Sog. „Possession“ ist ein horrender und abstrakter Ehealptraum, der niemals seine enorme Wirkung verfehlen wird. Reizend. Verstörend. Heftig. Großes Welt- und Kunstkino! 

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