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Marc kommt von einem erfolgreichen Job zurück und bemerkt, dass seine Frau einen Liebhaber hat. Er konfrontiert beide mit der Situation, doch weder der sich spirituell gebende, ältere Heinrich, noch seine Frau Anna schaffen klare Verhältnisse. Das Familienleben spitzt sich immer mehr zu einem Psychodrama zu, bei dem sich Marc und Anna gegenseitig und auch selbst verletzen. Mit allen Mitteln versucht der verzweifelte Marc, seine Frau zurückzugewinnen, dazu lässt er sie unter anderem von einem Detektiv beschatten. Doch als der verschwindet, entdeckt Marc, dass nicht Heinrich der eigentliche Konkurrent ist ... Der Filmemacher Andrzej Zulawski zeigt dem Zuschauer seine Vision der Hölle, die Geschichte wurde dabei angeblich auch von seinen eigenen Erlebnissen mit seiner früheren Frau inspiriert. Was noch zu Beginn wie ein Drama der exaltierten Art wirkt, weitet sich schnell zu einer abgründigen Geschichte um Liebe, Gewalt und Besessenheit aus. Die Schauplätze zeigen ein tristes West-Berlin mit zerfallenen, menschenleeren Kreuzberger Straßen und den Blick auf die Mauer. Sicher verschweigt Zulawski seine künstlerische Herkunft zu keinem Zeitpunkt, die Inszenierung ist höchst minutiös, in der Umsetzung aber geht er schonungslos vor. Der Plot mit der ominösen Kreatur als heimlichen Liebhaber scheint zunächst genau so phantastisch, wie die Schauspieler mit ihrer ausufernden Gestik nicht jedermann zugänglich sein werden. Doch lässt man sich auf die ungewöhnlichen Performances von Isabelle Adjani (in einer Doppelrolle) und Sam Neill ein, entfaltet sich die ganze Dramatik und Spannung bis zu einem unglaublichen Ende. Auf dem Weg dorthin wird viel Blut vergossen, wenngleich die SFX niemals in selbstzweckhaftes Gesplatter abgleiten. Das Drehbuch, dass Andrzej Zulawski zusammen mit Frederic Tuten schrieb, mausert sich mehr und mehr zu einem europäischen Sicko, wie man ihn sonst eher aus Japan vermuten würde. Verbote und extreme Kürzungen (ehemals 45 min in den USA !) waren die Quittung für den Unverstand einiger Zensoren an einer überraschenden Story über die Abgründe der Seele. Dabei setzt dieser Film mehr auf Bildsprache und Dialoge (oft auch hysterisches Geschrei), statt mit plumpen Effekten aufzuwarten. Viel zu nüchtern ist die Narration, welche inhaltlich bereits phantastisch genug ist. Oftmals unterkühlt ist die Szenerie, in der sich die Protagonisten das Leben zur Hölle machen. Die Darsteller sind durchgehend überdurchschnittlich und die Charakterzeichnungen mit ihren Lebensphilosophien sind hervorragend. Auf Filmfestivals wurde dieser bemerkenswerte Thriller nicht umsonst mit Preisen bedacht, wenn man eine Offenheit für solche Experimente hat, wird man über zwei Stunden jenseits von Popcorn-Kino gefesselt. Selbst nach über zwanzig Jahren wirkt "Possession", trotz des typischen 80er Jahre Flair Berlins, nicht abgegriffen oder überholt. Eine echte Perle, wenn auch für den einen oder anderen sicher zu sperrig.

Fazit: Ungewöhnlicher Arthouse-Sicko, abgründig und verstörend. 8/10 Punkten

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