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Und Marvel sagte „Nein!“

Zuerst unübersehbar als erste „Dr. Strange“-Verfilmung geplant, dann dauerte die Vorproduktion länger als die Rechte von Marvel taugten. Aber Charles Band und seine Full Moon-Schlawiner benutzten die bis dahin hart erarbeiteten Grundlagen trotzdem stoisch, machten ein paar namentliche und inhaltliche Änderungen und schufen dann ungeniert Jeffrey Combs als „Dr. Mordrid“, einen interdimensionalen Zauberer und Superhelden in New York, der es mit intergalaktischen Geistern, neugierigen Nachbarinnen, muskulösen Eidgenossen und fiesen Terroristen zu tun bekommt… 

Maledick Copybatch

Zusammen mit „Howard the Duck“ ist „Dr. Mordrid“ wohl eine der interessantesten Superheldengeschichten - vor wie hinter der Kamera! - die es aus der Zeit vor der Jahrtausendwende zu entdecken gibt. Im Grunde niemals guter Film. Weder als direkte noch indirekte Comicverfilmung, nicht als Doktor und nicht als Stümper, weder strange noch morbid, nicht von Marvel und nicht von Full Moon. Aber interessant und verrückt ist das vorzeitig gekommene Ding in jedem Fall. Für Comicfans besonders. Deutlich besser als die „Fantastic Four“ oder der „Captain America“ aus dieser dunklen Marvelepoche. Der deutsche Titel „Rexosaurus“ schreit zum Himmel. Jeffrey Combs und Charakterfresse Brian Thompson sind geil. Einige nackte Damen sind es (Full Moon-typisch) nicht minder. Tonal ist das all over the Universe. Die vielen klarsten Parallelen zum Marvelzauberer sind der Wahnsinn und zaubern viele Lächeln ins Gesicht. Es gibt sowohl trashige als auch horroraffine Einflüsse. Und das Budget dürfte für Full Moon gar nicht super gering gewesen sein. Aus einer Zeit in der sowas noch ging. Ein echter Curveball. Unfassbar komisch. Sehr, sehr interessant, ich kann mich da nur wiederholen. Die Wertung beruht vor allem auch auf seiner chaotischen Entstehung, seinen schlampigen Verschleierungen und lächerlichen Querverweisen, die allesamt komplett sichtbar sind. Jetzt nicht so cool wie Lundgrens „Punisher“. Irgendwo zwischen den „Turtles“ und „The Crow“. Insgesamt sicher mit fehlenden Setpieces und Actionsequenzen, wenig Sinn, Spannungsbogen und kaum rotem Faden. Man spürt das Produktionschaos enorm. Aber das gehört zur Faszination. Ein enorm augenöffnender Guck. Auf etlichen Ebenen. Ein verschollener Wegbereiter. Ein verlorener Cousin. Ein kurzes Zwischenhoch. Ein tolles Tohuwabohu. Eine furchtbar-famose Fußnote. Ein sackfeuchtes Skelett. 

Hexenmeister & Markenkleister

Fazit: verkappte und verplante Comicverfilmung von Full Moon wie aus einem bizarren Paralleluniversum. Schau mal, MCU - so geht's auch! „Dr. Mordrid“ ist nicht nur aufgrund seiner Entstehungsgeschichte ein erstaunlich unterhaltsames Unikum und Kuriosum! Kann ich nicht haten. 

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