Traumfrauen der Traumfabrik…?
Wer „The Graduate“ in seinen früheren Jahren gemacht hat, sollte mein Interesse auf ewig haben. Einen dickeren Stein in meinem Brett kann man nicht haben. Umso komischer, warum ich Mike Nichols „Postcards From The Edge“ noch nicht gesehen hatte bzw. er sogar zugegebenermaßen noch nie wirklich auf meinem Radar aufgetaucht ist. Trotz Hollywood als deutliches Thema, was für Filmfreaks wie uns ja immer ein top Argument ist. Trotz etlicher bekannter Gesichter und großer Namen bis in kleinere Nebenrollen. Trotz fucking Meryl Streep mal etwas lockerer und lustiger als sonst. Aber nein, er war mir bisher noch nie aufgefallen, weder im TV noch fürs Heimkino. Obwohl eigentlich bei ihm alles nach „Budgettitel“ oder „Grabbeltischdisc“ schreit. Vielleicht weil er bisher das HD-Zeitalter weltweit (?!) komplett geskippt hat. Schade eigentlich. Nun konnte ich Nichols Hollywoodsatire über einen drogensüchtigen Star (und den Schatten ihrer Mutter) auf dem beruflich absteigenden, privat allerdings sich fangenden Ast endlich in der modernen Videothek - dem Streaming - nachholen…
Die Streifenprüfung
„Postcards From The Edge“ hat einen seltsamen, literarischen, sperrigen und gestelzten Titel. Dafür ist das Poster ganz cool. Und der Film - gerade für Filmfans - mit einigen Hollywoodinsidern eigentlich auch. Die MacLaine hatte es noch immer drauf. Die Streep war nie meine Favoritin, dennoch hat sie sich ihren Legendenstatus verdient. Und ist hier voll in ihrem Element. In Nebenrollen gibt’s etliche Aha-Momente. Und Alkohol, Drogen, Sex, Familienprobleme, Altersunterschiede - da ist Mike Nichols Handschrift zu erkennen und da ist er daheim. Und doch bin ich etwas geschockt, wie kalt mich vor allem die Mutter-Tochter-Geschichte lässt. Da sind dann mehr Klischees als man meint. Vielleicht liegt’s auch an Streep, mit der ich noch nie allzu viel Empathie hatte. Für mich wirkt sie immer recht kalt und eben wie Meryl Streep - selten wie ihre Figur. Das ist hier nicht anders. Und da das Werk größtenteils emotional auf ihren Schultern liegt, fehlt mir hier etwas Herz. Es wirkt wie Kino, Staffage, Collage, Set - nie wie echte Schicksale. Da habe ich mich viel eher über jeden neuen „Film im Film“ gefreut als über weitere Querelen des struggelnden Alki-Filmstars.
Starlet Boulevard
Fazit: beeindruckende Powerdamen, ein cleveres Drehbuch und einige augenzwinkernde, freche bis köstliche Einblicke in das Filmemachen reichen nicht mehr für Nichols um auf sein bestes Niveau zu kommen. Bei weitem nicht. Dafür sind mir die Figuren und ihr Drama irgendwie zu egal. Für Hollywoodnerds aber trotzdem ein süßer Backstagepass.