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Acht Jahre sind vergangen, seit Joel Schumachers quietschbunter Zitatenmischmasch Batman und Robin den dunklen Superhelden samt seinem alter ego Bruce Wayne aus der Position der Hauptrolle hinaus gedrängt und gleichzeitig lächerlich gemacht hat. Bösewichter und Nebenfiguren gerieten in den Vordergrund, Vermengungen von unhomogenen Stilen und herumhampelnden Personen beherrschten das Drehbuch und alles geriet eine ganze Spur zu farbig, zu sehr kindisches Camp-Movie.
Regisseur Nolan und sein Co – Autor David S. Goyer kehren zurück an die Anfänge des Mythos und erzählen die Entstehung des Dark Knight; man versucht nicht erst, den entstandenen Schaden wieder gut zu machen, sondern fängt ganz neu.

Man sieht zuerst einen sichtlich müden und erschöpften Bruce Wayne [ Christian Bale ] irgendwo in einem asiatischen Strafgefangenlager, wie er sich noch vor dem Frühstück gegen sieben anderen Insassen wehren muss und diese auch erledigt. Bei dem resultierenden Vollzug in der Einzelhaft ist plötzlich ein ihm unbekannter Mann anwesend, Ducard [ Liam Neeson ]. Dieser kennt Wayne’s Identität, obwohl er seit mehreren Jahren als verschollen und fast schon tot gilt, und er kennt auch seinen Hass, seinen Zorn auf alles kriminelle. Er bietet Wayne die Chance, den wahren Weg zu zeigen, um das Kriminelle zu bekämpfen, die wahre Gerechtigkeit zu erlangen und sich einem Ideal zu verschreiben.
Gut 40min verfolgt man jetzt das Training Wayne’s, auf gefrorenen Eisseen und aufgespitzten Holzstämmen wird ihm das richtige Kämpfen erlernt und seine grösste, in der frühen Kindheit liegende Angst genommen. Es wird ihm eine Möglichkeit gewiesen, das Unrecht auf möglichste effektive Art zu bekämpfen, die Angst anderer zu manipulieren und die Mittel der Theatralik und Täuschung auszunutzen. Doch seine Lehrmeister entpuppen sich als die Gesellschaft des Schattens, die Gotham City vernichten will.

Der Film ist ein ganz anderes Kaliber als seine Vorgänger und auch die üblichen Superhelden – Filme; Wayne besitzt nämlich keine aussergewöhnlichen Kräfte, sondern ist einfach nur ein Mensch in einem Umhang. Sein Zorn auf Verbrecher geht ein mit dem Schuldgefühl, durch seine Ängste seine Eltern in den Tod geschickt zu haben; selbst Rache an dem Mörder seiner Eltern wurde ihm versagt, da er zu schwach dafür war und ein anderer sie für ihn ausgeübt hat.
Bei seiner Rückkehr nach Gotham City ist nicht viel von seiner Vergangenheit mehr da, die Stadt hat sich zu einem kaputten und selbstzerfressenden Moloch entwickelt, die nur noch geschmiert wird und sich als Gipfel der Dekadenz darstellt.
Wenige Personen wissen von Wayne’s Plänen und seiner Tätigkeit: Alfred [ Michael Caine ], der sich sehr um den richtigen Weg seines Schützlings sorgt und ihm dann beim Finden und der Ausführung tatkräftig unterstützt. Der Entwickler Lucius Fox [ Morgan Freeman ], der ihm die Ausrüstung bereitstellt. Und einer der wenigen nicht korrupten Cops der Stadt, Jim Gordon [ Gary Oldman ], der selber nur wenig von dem ausrichten und ändern kann, was er gern möchte.

Die Einführung der Charaktere ist mit ruhiger Hand inszeniert und lässt sich mehr Zeit für die Personenzeichnung, die aber immer in die Geschichte gestrickt wird und sie stetig vorantreibt. Die später sattsam bekannten Symbole und Eigenheiten des hier viel mehr als Einzelkämpfer ala Punisher wirkenden „Helden“ werden nach und nach mit in die ablaufenden Ereignisse verknüpft und bilden am Ende sogar so etwas wie einen Fingerzeig auf Burton’s Batman.
Doch von dessen opernhaft gigantischer Inszenierung und visueller Opulenz ist hier nichts zu spüren, der Film steht mit beiden Beinen auf dem Boden und ist bis auf einige Kleinigkeiten fest in der Realität verankert. Gotham City’s Ursprung ist eindeutig amerikanischer Art, keinerlei Einflüsse von Expressionismus oder Kubismus; die Stadt ist in den unteren Schichten einfach nur dreckig und versifft, die Bösewichter sind keine Sprüche absondernden Comiccharaktere und ihre Pläne wirken auch weitaus beängstigender und tödlicher. Beim Showdown wird mit dem gleichzeitigen Ausbruch der Insassen eines Hochsicherheitstraktes und dem Freisetzen von panikauslösenden Toxiden teilweise sogar mit den Mitteln des Horrorfilmes gearbeitet, die Stadt wird auf beängstigende Weise isoliert und soll sich quasi von Innen heraus zerstören.

Der Film steht und fällt natürlich mit seiner Besetzung und die ist erstmals sowohl in den Neben- und Hauptrollen harmonisch; Bale wirkt ebenso geschaffen für seinen Part wie Caine und Freeman, die beide trockenen Humor versprühen. Murphy und besonders Holmes wirken etwas zu jung, aber stören nicht. Hauer und Oldman setzen aus der zweiten Reihe Akzente; Neeson agiert in der Rolle als Lehrmeister souverän.
Statt einem reinen Effektspektakel werden eher einige wenige Aktionselemente eingesetzt, die dann aber für längere Zeit wirken, vor allem durch ihre Bilder: Der anfängliche Kampf gegen den in der Dunkelheit unsichtbaren Gegner innerhalb einer Gruppe Ninja. Der explosive Ausbruch aus der Gesellschaft der Schatten. Die Aufreibung einer Drogenlieferung am Dock. Das SWAT – Einsatzkommando, dass von Tausenden von Fledermäusen attackiert wird. Die zerstörerische und allesbrechende Verfolgungsjagd mit der Polizei durch die Stadt.
Erst ganz am Ende wird es etwas zu hektisch, visuell und akustisch zu laut, hier wird der Bogen leicht überspannt.
Grosses Manko sind allerdings die Kämpfe, die sich wie anscheinend neuerdings handelsüblich in einer Unmenge von Schnitten auflösen und mehr für Verwirrung als Überblick sorgen; zumindest treibt der Doppelscore von James Newton Howard und Hans Zimmer die Sequenzen voran.

Batman Begins ist keine Entzauberung des Mythos wie die letzteren Filme, sondern eine neue, andere Schaffung. Und er ist durchaus ein Action- und Sommerfilm, aber ein pechschwarzer.

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