Als kleiner Junge muss Bruce Wayne mit ansehen, wie seine Eltern von einem Straßenräuber ermordet werden. Auch Jahre später hat er dieses traumatische Erlebnis nicht verarbeitet, ist zerfressen von Zorn und Rachegelüsten und entscheidet sich schließlich, seiner Heimat Gotham City den Rücken zu kehren – bis ihn seine ziellose Suche nach sich selbst in einen geheimnisvollen Orden führt, wo ihn der zwielichtige Ducard in den Künsten der Ninja-Krieger unterweist und ihn damit auf seine Bestimmung vorbereitet: Das Dasein als schwarzgekleideter Racheengel.
Wie dieser knappen Inhaltsangabe zu entnehmen ist, wird sich hier anfangs verstärkt darauf konzentriert, die Motivationen und Hintergründe der Titelfigur zu hinterfragen, was dank der ausgezeichneten Regie von Christopher Nolan und eines glänzend agierenden Christian Bale mit Unterstützung eines souveränen Liam Neeson auch vorzüglich gelingt. Dieses erste Drittel ist geprägt von psychologischen Betrachtungen, philosophischen Thesen und Rückblenden in Waynes Kindheit, die nach dem Tod seiner Eltern verloren war. Gezeigt wird hier das Bild eines jungen Mannes, der in seinem Dasein keinen Sinn mehr sieht und nur durch seinen grenzenlosen Hass auf Verbrechen und Ungerechtigkeit am Leben gehalten wird. Auch sein treuer Freund und Butler Alfred, grandios verkörpert durch Michael Caine, kann ihn aus diesem Loch nicht hinaushelfen, seine Jugendliebe Rachel (Katie Holmes) straft ihn nur mit Verachtung. Auch die Ausbildung selbst wird durch viele Dialoge, einer sehr stimmigen Kameraarbeit und einer düsteren Grundstimmung dokumentiert, die vor allem die wahren Ziele und Gedanken des Ordens schnell erahnen lässt. Gedanken, die in das Weltbild eines Gerechtigkeitsfanatikers wie Bruce Wayne nicht hineinpassen und ihn diesen Menschen schließlich den Rücken kehren lässt.
Ab diesem Punkt beginnt der Film langsam, sein Gesicht zu verändern, was man sowohl positiv als auch negativ auffassen kann. Nach dem Einrichten seines „Wohnzimmers“ und der Beschaffung seines technischen Equipments mit Unterstützung des hilfsbereiten Mr. Fox (Morgan Freeman) ist der Weg für den Rächer mit der schwarzen Maske bereitet, doch seine ersten Gehversuche als Verbrecherjäger enden noch mit vielen blauen Flecken und sogar einer Vergiftung. Ein Held mit Anlaufschwierigkeiten, durch die ihn Alfred aber gut hindurchleiten kann. Doch je mehr sich der Film seinem Showdown nähert, desto weniger charakterliche Aspekte lassen sich angesichts der immer zahlreicher und spektakulärer werdenden Actionsequenzen ausmachen. Man könnte mit dem Fortschreiten des Films fast den Eindruck bekommen, dass Christopher Nolan zwar eine Passage mit fordernden psychologischen Betrachtungen, seine große initiatorische Stärke, zugestanden wurde, der Rest des Films aber auch etwas für die große Masse bieten sollte, sprich: Action, Action und nochmals Action. Das soll nicht heißen, dass diese schlecht inszeniert wäre, ganz im Gegenteil: Allein die Sequenz, in der das Batmobil von Haus zu Haus „hüpft“ und dabei die Dächer der halben Stadt abzudecken scheint, lohnt schon den Kinobesuch; ganz zu schweigen von der düsteren Pracht des neu designten Gotham City.
Das Problem liegt hier einfach in der Tatsache, dass es Nolan und Goyer nicht geschafft haben, ihre unterschiedlichen Handschriften so miteinander harmonisieren zu lassen, dass der Film wie eine Einheit wirkt. Dominieren zunächst Dialoge und Charakterentwicklung das Geschehen, so werden diese toll erarbeiteten Aspekte im Actiongewitter der zweiten Hälfte nahezu erstickt – ganz egal, wie sehr sich der in allen Belangen und ausnahmslos überzeugende Cast auch abmüht. Auch war man sich nicht zu fein, einige zwar verzeihliche, aber gnadenlos dämliche Logikfehler in die ansonsten recht gut durchdachte Handlung einzubauen. Man sollte sich bei Comicverfilmungen über Realismus und wissenschaftliche Korrektheit keine großen Gedanken machen – was aber hier zeitweise angeboten wird, dürfte in dem ob des genialen Auftakts noch voll funktionsfähigen Gehirn des Zuschauers auf der Stelle die Alarmglocken läuten lassen. Mikrowellen, gegen die der menschliche Körper immun zu sein scheint und panzerähnliche Fahrzeuge, die im Unterholz keine Spuren hinterlassen, bilden dabei die Höhepunkte und lassen uns doch sehr daran zweifeln, dass diese Ideen wirklich im Sinne eines Regisseurs von der Klasse Nolans waren. Obwohl der Storyverlauf ansonsten zwar relativ komplex, aber immer gut überschaubar und vor allem spannend bleibt, bleiben diese Schwächen als fader Beigeschmack beim ansonsten positiven Gesamteindruck hängen – besonders da ersteres eine nicht unwesentliche Komponente der finalen Konfrontation mit dem größten Feind Batmans beinhaltet: Der Angst an sich. Der Angst, der am Ende plötzlich auch die übrigen Bewohner Gotham Citys symbolschwanger ins Auge blicken müssen.
Ein Film mit zwei Gesichtern: Eines zeigt uns die charakterlichen Abgründe Waynes sehr eindringlich und dank Christan Bale schauspielerisch auf höchstem Niveau. Das andere zeigt bombastische und rasante Action, der die 135 Mio. Dollar Produktionskosten jederzeit anzumerken sind und die allesamt einen Heidenspaß machen. Nur sieht man auch überdeutlich, dass hier zwei Autoren mit unterschiedlichen Vorstellungen am Werk waren, deren Stile sich nur schwer miteinander vertragen und die Absichten des jeweils anderen nicht hundertprozentig zu unterstützen wissen. Dank einer ansonsten überzeugenden Storyline aber dennoch neben Burtons Erstling der beste Film der Reihe.