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In den letzten Jahren haben sich Comicverfilmungen in ihrer Art stark gewandelt. Seit „X-Men“ aus dem Jahre 2000 hat bei vielen nachfolgenden Filmen vor allem aus dem Hause Marvel eine starke Hinorientierung zu den Charakteren stattgefunden. Die guten Verfilmungen wie z.B. die X-Men- und Spider-Man-Filme zeichnen sich durch eine inhaltliche und emotionale Tiefe aus, die man zuvor im Genre nicht kannte. Ein Grund könnte darin liegen, dass häufiger innovative Regisseure verpflichtet werden, die zuvor schon abseits des Hollywood-Mainstream für Furore gesorgt haben (beispielsweise Sam Raimi, Brian Singer, Ang Lee, Guillermo Del Torro und außerhalb der Comicverfilmungen natürlich auch Peter Jackson, Alfonso Cuarón und andere).

Selbstverständlich macht dieser Trend vor einer der populärsten Comicserien nicht halt. Die ersten beiden Batman-Filme von Tim Burton fand ich recht unterhaltsam, aber keinesfalls so gut wie die gelungen unter den neueren Comicverfilmungen. Den beiden Batmans von Joel Schumacher hingegen konnte ich weniger abgewinnen, so dass ich an den neuen Film völlig unvoreingenommen und frei von jedweder „Fan-Erwartungshaltung“ herangehen konnte. Gefreut hatte ich mich jedoch schon auf den Film, aber weniger, weil es sich um einen neuen Batman-Film, sondern weil es sich um einen neuen Film von Christopher Nolan handelt.

Und der „Memento“-Regisseur schafft es spielend, sämtliche Erwartungen zu übertreffen und den besten Batman-Film überhaupt zu fabrizieren. Genauso halte ich Hauptdarsteller Christian Bale für den besten und passendsten Bruce Wayne aller Verfilmungen. Übrigens hatte Bale sich für seinen vorherigen Film "The Machinist" von über 90 kg auf 60 kg Körpergewicht heruntergehungert, und für Batman Begins hat er dann innerhalb von nur fünf Monaten fast 50 kg draufgepackt (größtenteils Muskelmasse, versteht sich). Gesund kann das bestimmt nicht sein. Die gute Besetzung fängt beim Hauptdarsteller aber erst richtig an – alleine die Namen können einen schon ins Schwärmen bringen: Michael Caine, Morgan Freeman, Rutger Hauer, Liam Neeson, Gary Oldman, Cillian Murphy („28 Days Later“), Ken Watanabe („Last Samurai“)... um nur mal einige zu nennen. Besonders begeistert haben mich davon Michael Cane, Liam Neeson und (wie immer) Morgan Freeman. Sehr schön auch das Wiedersehen mit Rutger Hauer in einem großen Film (in „Sin City“ es ihn ihn ja noch mal zu sehen). Lediglich Cruise-Anhängsel Katie Holmes fand ich weniger überzeugend, aber das ist nur ein minimaler Schwachpunkt in einem ansonsten tollen Film.

Batman Begins ist, wie der Name schon suggeriert, ein Prequel. Genaugenommen ist er aber sogar viel mehr als das – er ist ein Neustart der Reihe, die hoffentlich in dieser Art fortgesetzt wird. David S. Goyers vielschichtiges und intelligentes Drehbuch (zusammen mit Nolan geschrieben) beweist, dass er viel mehr kann, als man ihm nach seiner letzten Drehbuch- und Regiearbeit „Blade 3“ zugetraut hätte. Nahezu alle Charaktere besitzen eine angemessene Tiefe und werden von oben genannten Darstellern hervorragend verkörpert. Einen klischeehaften oder wie in manch anderem Batman-Film zu schrägen Bösewicht gibt es diesmal glücklicherweise auch nicht. In der ersten Hälfte des Films beschreibt der Film die Entwicklung von Bruce Wayne zu Batman, wobei immer wieder witzige Details eingeflochten werden. Anders als in Spider-Man 1, der vom Aufbau her nicht unähnlich ist und bei dem die erste Hälfte des Films (Kennenlernen/Entwickeln der Superhelden-Fähigkeiten) letztlich interessanter war als die spätere Auseinandersetzung mit dem Filmbösewicht, sind in Batman Begins beide Teile gleichwertig und außerdem enger miteinander verflochten. Die Handlung ist hervorragend balanciert zwischen Charakterentwicklung, guten Dialogen und natürlich der Action.

Bei den Actionszenen selbst hat mir sehr gefallen, dass es nicht nur CGI-Explosionen gibt, sondern dass ein guter Teil „handgemacht“ ist – und das sehr aufwendig und spektakulär, was auch das hohe Budget von 150 Millionen Dollar erklärt. Dadurch habt sich Batman Begins natürlich weit von Quark wie „Van Helsing“ mit seinen endlosen blöden CGI-Seilschwingereien über kilometerlange Schluchten ab. Die Optik und Atmosphäre des Films des Films sind relativ düster, was mir aber mehr zusagt als der Gothic-Touch der ersten beiden und die Schrillheit der letzten beiden Vorgänger. Diese Düsterkeit und Ernsthaftigkeit sollen jedoch nicht bedeuten, dass der Unterhaltungswert in irgendeiner Form darunter leiden sollte, denn Nolan lockert den Film immer wieder mit einer Prise Humor auf und sorgt außerdem für einen hohen Spannungsgrad.

Batman Begins ist ein Vorzeigebeispiel dafür, dass ein großer und spektakulärer Sommer-Blockbuster keinesfalls oberflächlich und dumm sein muss. Hier wurde von Drehbuch, Besetzung, Design, Musik bis hin zu Regie und Schnitt praktisch alles richtig gemacht, so dass der Film als eine der besten Comicverfilmungen aller Zeiten durchgehen kann. Beugen muss er sich trotzdem dem meiner Ansicht nach sogar noch besseren „Sin City“, auch wenn dieser aufgrund seines Nihilismus und seiner Gewalttätigkeit nicht so sehr für das Massenpublikum geeignet sein dürfte. 9/10 für den Kinohöhepunkt des Sommers.

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