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Die Geschichte der „Batman“-Filme ist eine bewegte. Begonnen hat alles (sieht man von einer TV-Serie aus den 60’er Jahren mal ab) mit „Batman“ aus dem Jahre 1989. Regiewunderkind Tim Burton nahm sich des fantastischen Stoffes an und erschuf einen Megaseller. Dabei war er mit dem Ergebnis nie richtig zufrieden, denn es war eine Auftragsarbeit, bei der er sich nicht richtig entfalten konnte. Nichtsdestotrotz konnte der Film mit dem richtigen Maß an Düsternis und vor allem mit einem der genialsten Bösewichter in der Filmgeschichte punkten: Jack Nicholson gab den Joker. Da Herr Nicholson damals auf Zack war und sich statt einer großen Gage eine Gewinnbeteiligung zusichern ließ, konnte er für den Film so viel Geld einstreichen, wie kaum jemand anders nach ihm.

Auch der zweite Teil „Batman Returns“ wurde von Tim Burton gedreht. Dabei hatte er weitestgehend freie Hand und so verwundert es kaum, dass der Film noch zwei Schüppen skurriler um die Ecke kommt, als Teil 1. Der von Burton so bekannte und geschätzte gothische Stil ist hier sehr ausgeprägt zu sehen. Beinahe jede Szene könnte man sich ausdrucken und als surreale Fotografie an die Wand hängen (das gilt übrigens auch für fast alle anderen Burtonfilme). Wieder gaben mehrere Superstars die Bösewichter: Danny DeVito, Michelle Pfeiffer und Christopher Walken. Obwohl Teil 1 sicherlich bekannter war, gilt „Batman Returns“ für viele Fans als der bessere Film.

Danach ging es mit dem Franchise schnell bergab. Dieser Abstieg hat einen Namen: Joel Schumacher. Für Teil 3 und 4 übernahm er das Regiezepter und vernichtete dabei so ziemlich alles, wofür die ersten beiden Teile standen. Stattdessen inszenierte er strunzdumme Nummernrevues, bei denen es vor allem um die erstklassigen Schauspieler schade ist, die dabei mitwirken durften (mußten), wie Jim Carrey, Uma Thurman oder auch Arnold Schwarzenegger. Nachdem Herr Schumacher die Serie also im Alleingang abgefrühstückt hatte, wurde es für lange Zeit ruhig um den dunklen Ritter.

Bis sich ein neues Regiewunderkind bereitfand den Faden anno 2005 weiterzuspinnen: Christopher Nolan, bekannt durch seine Thriller „Memento“ und „Insomnia“ drehte „Batman Begins“. Wie schon der Titel naheliegen läßt, macht er das einzig Richtige, ignoriert die anderen Filme und startet die Erzählung einfach neu. Das Wichtigste dabei: Batman ist wieder ernst und düster. Im Gegensatz zu den Burtonfilmen wirkt das gezeigte hier moderner, obwohl Gotham City immer noch einen Stilmix aus moderner und alter Architektur bildet. Mit Christian Bale („Equlibrium“, „American Psycho“) konnte ein würdiger neuer Batman gefunden werden, der eher in der Tradition von Michael Keaton, als von Val Kilmer oder George Clooney steht, denn er verleiht der Figur Tiefe. Trotz (oder gerade wegen) der zweidimensionalen Comicvorlage ist dies immens wichtig für den Film und ein Hauptkritikpunkt an den Schumacher’schen Ergüssen. Auch die anderen Darsteller sind alle hochklassig. So glänzen neben Bale Gary Oldman, Liam Neeson, Katie Holmes und Michael Caine. Auf diese Art erlebt der Comicheld eine Art Frischzellenkur, die ihm sehr gut tut. Wer sich nach Genuß von „Batman And Robin“ geschworen hatte, nie wieder einen Batmanfilm sehen zu wollen kann beruhigt aufatmen und den Schwur brechen, denn „Batman Begins“ ist wieder erwachsener geworden.

An manchen Stellen hat der Film auch etwas von einem Horrorstreifen und kann mit einigen gelungenen Schockefekten glänzen. Insofern wurde der Bösewicht „Scarecrow“ gut gewählt und effektiv in Szene gesetzt. Die gelungenen Spezialeffekte tun ihr übriges dazu und sind auch insgesamt als beeindruckend zu bezeichnen.

Nolan hat mit „Batman Begins“ etwas geschafft, dass viele nicht mehr für möglich gehalten haben: Einen Neuanfang. Als genau das muß man den Film sehen, denn er ist ein Wendepunkt. Insofern ist er nicht Teil 5 der Reihe, sondern Teil 1 einer neuen Reihe. Eine Fortsetzung scheint beschlossene Sache zu sein. Man kann sich dafür nur wünschen, dass alle Beteiligten wieder an Bord sind und den eingeschlagenen Kurs weiter verfolgen.

Fazit:

8/10

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